In einem Fernseh­in­ter­view mit dem spani­schen Sender RTVE beteu­er­te der klassi­sche Sänger erneut seine Unschuld. Mehre­re Frauen hatten ihm sexuel­le Beläs­ti­gung vorge­wor­fen.

«Ich wieder­ho­le, dass ich mich entschul­digt habe, falls ich jeman­den belei­digt habe. Aber ich habe niemals, niemals jeman­den beläs­tigt», beteu­er­te der 79-Jähri­ge in einem am Samstag­abend ausge­strahl­ten Gespräch mit dem spani­schen Sender RTVE. «Ich hoffe, dass man mich wegen der Emotio­nen in Erinne­run­gen behält, die ich dem Publi­kum gegeben habe (…). Als den, der ich wirklich bin», sagte der Spani­er von Monte Carlo aus, wo er am Freitag eine Auszeich­nung in Empfang nahm.

Der Spani­er beton­te erneut, seine Stellung­nah­me im Febru­ar sei fälsch­li­cher­wei­se als Schuld­ein­ge­ständ­nis inter­pre­tiert worden. Er hatte damals mitge­teilt, «dass mir der Schmerz, den ich ihnen (den mutmaß­li­chen Opfern) zugefügt habe, wirklich leid tut». Nun sagte er: «Nein, das war kein Mea Culpa. Auch wenn das so ausge­se­hen hat.» Er verur­tei­le sexuel­le Beläs­ti­gung «in jeder Situa­ti­on, an jedem Ort und zu jeder Zeit». Der Schutz der Frauen­rech­te sei «von größter Bedeu­tung». Man könne aber nicht bestrei­ten, dass sich «die Sensi­bi­li­tät zu diesem Thema im Laufe der Jahre» verstärkt habe.

Auf die Frage, weshalb er sich jetzt zum einem ersten TV-Inter­view entschlos­sen habe, sagte Domin­go, die überstan­de­ne Covid-19-Krank­heit habe ihn dazu bewogen. «Die Zeit, in der ich isoliert war, das Gefühl der Unsicher­heit, diese Fragi­li­tät, die Einsam­keit haben mir klar gemacht, dass ich einige Dinge klären musste», erklär­te der Sänger, Dirigent und Inten­dant. Während der Krank­heit habe er «viel, viel Angst gehabt, dass ich es nicht schaf­fe». Nach der Corona-Zwangs­pau­se tritt Domin­go seit Ende August wieder auf.

Im Zuge der MeToo-Bewegung hatten Frauen Domin­go sexuel­le Beläs­ti­gung vorge­wor­fen. Eine von der Oper in Los Angeles beauf­trag­te Unter­su­chung kam im März zu dem Ergeb­nis, dass bestimm­te Vorwür­fe des «unange­mes­se­nen Verhal­tens» glaub­wür­dig seien. Auch eine Unter­su­chung des US-Verbands der Musik­künst­ler (AGMA) vom Febru­ar 2020 kam zu dem Schluss, dass Domin­go «unange­mes­se­ne Aktivi­tä­ten» vom Flirt bis hin zu sexuel­len Avancen ausge­übt habe. Nach den Vorwür­fen war Domin­go im Oktober 2019 als Chef der Oper in Los Angeles zurück­ge­tre­ten.