KRESSBRONN — Im Zeitraum von Mai bis Dezem­ber 2021 wurde im Auftrag des Landes­be­triebs Gewäs­ser im Regie­rungs­prä­si­di­um Tübin­gen die sanie­rungs­be­dürf­ti­ge und für Fische unzurei­chend durch­wan­der­ba­re „Raue Rampe“ in der Argen bei Kress­bronn ertüch­tigt. Die Maßnah­me ist ein wichti­ger Tritt­stein zur ökolo­gi­schen Vernet­zung des Boden­sees mit dem Fluss­sys­tem der Argen und dient auch der Siche­rung der Brücke der B 467 über die Argen. 

Etwa sechs Fluss­ki­lo­me­ter oberhalb der Mündung der Argen in den Boden­see, auf Höhe der Brücke B 467, ist die Überwin­dung des Höhen­un­ter­schieds für Fische und kleine Wasser­le­be­we­sen über die sanier­te Raue Rampe wieder möglich. Sie ist so gebaut, dass sowohl die kräfti­ge Seefo­rel­le, als auch die sehr selte­ne, eher klein­wüch­si­ge und geschütz­te Fisch­art Strömer, die ihr Haupt­vor­kom­men in wenigen baden-württem­ber­gi­schen Zuflüs­sen des Boden­sees hat, ungehin­dert aufstei­gen können. Neben der Durch­wan­der­bar­keit gibt es in der Rauen Rampe unter­schied­li­che Lebens­raum­an­ge­bo­te für alle Lebens­sta­di­en von Fischen. Dies sind wichti­ge Krite­ri­en zur Errei­chung des nach der Europäi­schen Wasser­rah­men­richt­li­nie gefor­der­ten guten ökolo­gi­schen Zustands eines Gewässers.

Zuneh­mend trocke­ne­re Sommer und die damit einher­ge­hen­den niedri­gen Wasser­stän­de machen die Wande­rung für Fische auch über Raue Rampen immer schwie­ri­ger. Deshalb ist die neue Raue Rampe zweige­teilt gebaut. Die in Becken­struk­tur errich­te­te, in Fließ­rich­tung gesehen recht Seite, bündelt den Abfluss bei Niedrig­was­ser. Erst bei etwas höheren Abflüs­sen wird auch die linke Seite überströmt und kann ebenfalls für den Aufstieg genutzt werden. Somit können die Fische sowohl bei Niedrig­was­ser als auch bei höheren Abflüs­sen die knapp drei Meter Höhen­un­ter­schied problem­los überwinden. 

Zur Sanie­rung der Rampe wurden Steine mit einer Kanten­län­ge von bis zu zwei Metern verwen­det. Zusätz­lich werden diese von knapp 800 m² Spund­die­len aus Stahl gesichert, die bis zu fünf Meter tief in den Unter­grund gerammt wurden. So kann die Raue Rampe auch große Hochwas­ser unbescha­det überstehen. 

Der „Parkplatz Gießen­brü­cke“ sowie der Unter­hal­tungs­weg direkt entlang der Argen ist für Fußgän­ge­rin­nen und Fußgän­ger sowie Radfah­re­rin­nen und Radfah­rer wieder zugäng­lich. Eine Infor­ma­ti­ons­ta­fel direkt neben der Argen gibt zukünf­tig Hinter­grün­de und Wissens­wer­tes zur Rauen Rampe preis. 

Die Baukos­ten belau­fen sich auf rund eine Milli­on Euro und werden durch das Land Baden-Württem­berg getragen.

Hinter­grund­in­for­ma­ti­on:
Die zweige­teil­te Raue Rampe hat eine Neigung von ca. 1:40 und eine Länge von rund 130 Meter. Der in Fließ­rich­tung rechte Teil ist in Becken­bau­wei­se und der linke Teil in Störstein­bau­wei­se gebaut. Die Rampe in Becken­bau­wei­se, oft auch als Riegel­ram­pe bezeich­net, besteht entspre­chend dem zu überwin­den­den Höhen­un­ter­schied von ca. 2,8 Metern aus 23 hinter­ein­an­der angeord­ne­ten Querrie­geln, zwischen denen sich jeweils strömungs- und turbu­lenzar­me Ruhebe­cken befinden.