STUTTGART (dpa/lsw) — Die Kultus­mi­nis­te­rin muss sich so einiges anhören: Sie könne sich nicht durch­set­zen, wenn es ums Geld geht. Und beim Schutz vor Corona in den Schulen sei sie fahrläs­sig. Schop­per ficht das nicht an, sie hat andere Sorgen.

Auch wenn ihre Wünsche bei den Verhand­lun­gen über den Haushalt 2022 längst nicht alle erfüllt worden sind, ist Kultus­mi­nis­te­rin There­sa Schop­per mit dem Etat zufrie­den. «Wir sind bei den Haushalts­ver­hand­lun­gen eigent­lich gut wegge­kom­men», sagte die Grünen-Politi­ke­rin der Deutschen Presse-Agentur in Stutt­gart. «Also da haben wir schon noch mal einen ordent­li­chen Nachschlag gekriegt. Es ist nicht so, dass ich jeden Abend ein Taschen­tuch brauche, um mich ins Bett zu weinen.» Auch in puncto Bewäl­ti­gung der Corona-Folgen in den Schulen findet sie: «Geld ist an der Stelle nicht das Problem.» Hier habe man auch mit den Hilfen des Bundes ein «dickes Paket» geschnürt. Sorgen macht ihr der Lehrkräf­te­man­gel, vor allem in Grund­schu­len. Der Kultus­etat ist bei den Haushalts­be­ra­tun­gen am Donners­tag Thema im Landtag.

Ursprüng­lich sollte die Kultus­mi­nis­te­rin für das nächs­te Jahr 212 neue Stellen bekom­men, was ihr zu wenig war. Die Stellen sollten vor allem zur Entlas­tung der Schul­lei­tun­gen und für Lehrkräf­te für Klassen, in denen behin­der­te und nicht-behin­der­te Kinder zusam­men lernen, dienen. Nun kommen nochmals 150 Lehrer­stel­len dazu: 50 für die Krank­heits­re­ser­ve, 50 für Inklu­si­on, 25 für den Ganzta­ges­aus­bau und 25, um den Anstieg der Schüler­zah­len zu bewäl­ti­gen. Für Schop­per ist auch das eigent­lich nicht genug. Für die Krank­heits­ver­tre­tung hatte sie 105 beantragt. Die Minis­te­rin drang auch nicht durch mit ihrem Wunsch, befris­tet angestell­te Hilfs-Lehrkräf­te auch über die Sommer­fe­ri­en zu bezahlen.

Bei der Bewäl­ti­gung der Corona-Folgen in den Schulen stünden für die kommen­den zwei Jahre 260 Millio­nen Euro zur Verfü­gung, erklär­te Schop­per. «Das ist nicht von Pappe. Damit gehen wir nicht nur den fachli­chen Rückstand an, sondern auch den sozial-emotio­na­len Bereich, der bei Kindern oft noch mehr zu Buche schlägt.» Sie finde es am bedrü­ckends­ten, «was wir da für Schäden haben, von Anore­xie bis Depres­sio­nen und Suizid­ge­dan­ken. Es ist nicht so, dass man sagen kann: Jetzt reiß dich mal zusammen.»

Über den Haushalt hinaus stelle sich perspek­ti­visch die Frage: «Wie viele Lehrkräf­te brauchen wir und wie müssen wir uns noch mal in den Schulen rüsten, denn der Schul­all­tag geht auch nach Corona weiter. Wir haben Lehrkräf­te­man­gel im Bereich der Grund­schu­len und im Bereich der Sonder­päd­ago­gi­schen Bildungs- und Beratungs­zen­tren, wo wir kaum den Bedarf decken können.» Da bekom­me jede ausge­bil­de­te Lehrkraft, die sich bewer­be, sofort eine Beschäf­ti­gung — «und trotz­dem sind es zu wenig. Wir haben zwar die Ausbil­dungs­ka­pa­zi­tä­ten erhöht, so dass wir jetzt sukzes­si­ve den Mangel abbau­en können. Aber es ist aktuell einfach ein reales Problem, dass wir zu wenig Lehrer haben».

Schop­per will die Attrak­ti­vi­tät des Berufs wieder erhöhen. «Ich finde, dass Lehrkräf­te überhaupt nicht die Wertschät­zung haben, die sie eigent­lich verdie­nen für den Job, den sie machen. Das ist der Beruf, der die Türen öffnet, um Kindern nicht nur Wissen mitzu­ge­ben, sondern auch, um sie zu guten Demokra­ten zu erzie­hen und ihnen zu helfen, sich in der Gesell­schaft zurecht zu finden. Es ist eine hohe Verant­wor­tung, die Lehrkräf­te tragen und mit großem Engage­ment schul­tern.» Sie ergänz­te: «Das ist eine meiner Lektio­nen, die ich aus diesen ersten sieben Monaten als Kultus­mi­nis­te­rin gelernt habe.» Als Grund für fehlen­de Wertschät­zung sieht sie, dass Schule zu selbst­ver­ständ­lich gewor­den sei. «Wir haben nicht mehr diesen Bildungs­auf­bruch, den wir mal hatten, der ist schon ganz lange her.»