Wochen­lang wurde kontro­vers über eine bundes­ein­heit­li­che Lösung bei der Rückkehr der Fans in Stadi­en und Hallen disku­tiert. Nun ist ein Kompro­miss gefun­den worden, mit dem der Sport vorerst gut leben kann.

Die Länder einig­ten sich am Diens­tag in einer Video­schal­te auf eine flächen­de­cken­de Fan-Rückkehr in die Fußball­sta­di­en und Sport­hal­len. In einer sechs­wö­chi­gen Testpha­se ist zunächst eine Auslas­tung von maximal 20 Prozent der jewei­li­gen Kapazi­tät erlaubt. Ende Oktober soll die Lage neu bewer­tet werden. «Es soll eine Art Experi­ment werden, ein Probe­start», kündig­te Bayerns Minis­ter­prä­si­dent Markus Söder (CSU) an.

Vor der Sitzung hatte er seine Forde­rung nach einer gemein­sa­men Linie erneut bekräf­tigt. «Es kommt darauf an, dass wir eine einheit­li­che Regelung bekom­men», sagte Söder am Rande einer Klausur­ta­gung der CSU-Frakti­on im Landtag in München. Alles andere wäre «für die Liga und die Akzep­tanz sehr schwie­rig». Zudem gehe es nicht nur um Fußball, sondern auch um Volley­ball, Handball, Basket­ball oder Eisho­ckey.

Die von den Chefs der Staats­kanz­lei­en beschlos­se­ne Teilzu­las­sung von Zuschau­ern unter Corona-Bedin­gun­gen verschafft dem gesam­ten Profi­sport besse­re wirtschaft­li­che Perspek­ti­ven bei der Bewäl­ti­gung der Corona-Krise.

Zudem steht nun einem stimmungs­vol­len Saison­auf­takt in der Fußball-Bundes­li­ga an diesem Wochen­en­de nichts mehr im Wege. Aller­dings ist offen, ob alle Verei­ne die Freiga­be wegen der Kurzfris­tig­keit noch umset­zen können. Bereits am Freitag­abend eröff­net Rekord-Champion Bayern München gegen den FC Schal­ke 04 die Spiel­zeit 2020/21.

Immer­hin vier Clubs hatten bereits zuvor von den zustän­di­gen Gesund­heits­äm­tern grünes Licht für einen Saison­start vor Zuschau­ern erhal­ten. Für die Partien Werder Bremen gegen Hertha BSC und RB Leipzig gegen FSV Mainz 05 wurden jeweils 8500 Besucher zugelas­sen — in beiden Fällen das entspricht rund 20 Prozent des Stadi­on-Fassungs­ver­mö­gens. Eintracht Frank­furt darf gegen Aufstei­ger Arminia Biele­feld von 6500 Fans unter­stützt werden, der 1. FC Union Berlin erhielt für die Partie gegen den FC Augsburg die Freiga­be für 5000 Perso­nen im Stadi­on an der Alten Förste­rei.

Bislang war eine bundes­ein­heit­li­che Regelung bei der Fan-Rückkehr in die Stadi­en erst im Laufe des Oktobers erwar­tet worden. Die Minis­ter­prä­si­den­ten der Länder hatten nach ihrer Schal­te mit Bundes­kanz­le­rin Angela Merkel (CDU) eine Arbeits­grup­pe einge­setzt, die eine Einigung erzie­len sollte. Doch der Druck, gemein­sam vorzu­ge­hen, war in den vergan­ge­nen Wochen auch aufgrund der unter­schied­li­chen Beschlüs­se der lokalen Gesund­heits­be­hör­den weiter gestie­gen.

Diese hätten auch weiter­hin das letzte Wort bei der Teilzu­las­sung von Zuschau­ern. Dabei müsse das aktuel­le regio­na­le Pande­mie­ge­sche­hen berück­sich­tigt werden. Maßgeb­lich seien dafür die Zahlen des Robert-Koch-Insti­tuts. Liegt die Sieben–Tages-Inzidenz pro 100.000 Einwoh­ner am Austra­gungs­ort größer gleich 35 und ist das Infek­ti­ons­ge­sche­hen nicht klar eingrenz­bar, erfolgt in der Regel keine Freiga­be für die Fans.

Die Deutsche Fußball Liga hatte am vergan­ge­nen Freitag beschlos­sen, dass bei den Spielen der Bundes­li­ga und der 2. Bundes­li­ga an den ersten sechs Spiel­ta­gen in Ausnah­me­fäl­len auch Stehplät­ze in den Stadi­en besetzt werden dürfen, falls die Anzahl der Sitzplät­ze unter der freige­ge­be­nen Zuschau­er­zahl liegt.

Laut Söder müsse man nun einige Wochen lang beobach­ten, ob die einheit­li­che Regelung in der Praxis funktio­nie­re. «Und dann werden wir sehen, ob man sich daran hält oder nicht.» Klar sei: Es brauche eine Masken­pflicht zumin­dest bis zum Platz, es brauche Abstand und Hygie­ne­maß­nah­men. Und auch der Zugang in die Stadi­en müsse sauber geregelt werden.

«Ich sage Ihnen ganz offen, ich hätte noch ein halbes Jahr ohne Zuschau­er locker aushal­ten können», sagte Söder. Er spüre aber «den tiefen Wunsch vieler Menschen danach». Deswe­gen müsse man die Wünsche und die Sicher­heits­in­ter­es­sen in eine vernünf­ti­ge Balan­ce bringen.