Mit Einrei­se­ver­bo­ten soll die Ausbrei­tung von Corona-Mutatio­nen in Deutsch­land gebremst werden. Zugleich appel­liert der Bundes­in­nen­mi­nis­ter an die Bürger, so weit als möglich auf Reisen ins Ausland zu verzichten.

BERLIN (dpa) — Bundes­in­nen­mi­nis­ter Horst Seehofer hat die von der Bundes­re­gie­rung beschlos­se­nen Einrei­se­ver­bo­te vertei­digt. «Das Beför­de­rungs­ver­bot ist eine drasti­sche Maßnah­me, aber es ist zum Schutz unserer Bevöl­ke­rung absolut notwen­dig», sagte der CSU-Politi­ker der «Augsbur­ger Allgemeinen».

«Es geht um die Abwehr von hoch infek­tiö­sen, mutier­ten Viren», sagte Seehofer. Er appel­lier­te zugleich dringend an die Bevöl­ke­rung, jede nicht zwingend notwen­di­ge Reise ins Ausland zu unter­las­sen. Das sehe er als «Bürger­pflicht». «Jetzt ohne wirklich zwingen­den Grund in Mutati­ons­ge­bie­te zu reisen, das muss ich deutlich sagen, wäre gerade­zu töricht», beton­te Seehofer.

Um die Ausbrei­tung von beson­ders anste­cken­den Corona­vi­rus-Mutatio­nen zu bremsen, hat die Bundes­re­gie­rung die Einrei­se aus Portu­gal, Irland, Großbri­tan­ni­en, Südafri­ka und Brasi­li­en ab Samstag drastisch einge­schränkt. Am Sonntag kommen mit Lesotho und Eswati­ni zwei kleine südafri­ka­ni­sche Staaten hinzu.

Die vom Kabinett beschlos­se­ne neue Verord­nung besagt, dass Flugge­sell­schaf­ten, Bahn‑, Bus- und Schiffs­un­ter­neh­men bis zum 17. Febru­ar aus diesen Ländern prinzi­pi­ell keine Passa­gie­re mehr nach Deutsch­land beför­dern dürfen. Ausnah­me­re­geln gibt es unter anderem für alle Deutschen und in Deutsch­land leben­den Auslän­der sowie Transit­pas­sa­gie­re. Auch der Waren­ver­kehr bleibt unange­tas­tet. «Für die wenigen Ausnah­me­fäl­le gilt aber: Sie müssen bei Einrei­se ein negati­ves Testergeb­nis vorwei­sen und dann in Quaran­tä­ne», sagte Seehofer der Zeitung.

FDP-Frakti­ons­vi­ze Alexan­der Graf Lambs­dorff kriti­sier­te, pauscha­le Einrei­se­ver­bo­te seien «nicht der richti­ge Weg». Mutati­ons­ge­bie­te müssten ausge­wie­sen und klar benannt werden. «Dann muss die Einrei­se von dort so reduziert werden, dass verbind­lich alle Einrei­sen­den noch am Flugha­fen getes­tet werden können», sagte Lambs­dorff der «Rheini­schen Post» (Samstag).

Der CDU-Innen­ex­per­te Patrick Sensburg warnte unter­des­sen vor Einrei­sen nach Deutsch­land mit gefälsch­ten Corona-Tests. «In Ländern wie Russland, Ukrai­ne, Türkei oder Ägypten gibt es inzwi­schen einen großen Markt für gefälsch­te Tests», sagte er den Zeitun­gen der Funke Medien­grup­pe (Samstag). Somit bestehe ein hohes Risiko, dass Krank­heits­er­re­ger und auch Corona­vi­rus-Mutatio­nen einge­schleppt werden.