RAVENSBURG — Die Ravens­burg Towerstars haben sich in Bayreuth zwei Auswärts­punk­te erkämpft. Eine 4:2 Führung nach dem zweiten Drittel brach­ten die Oberschwa­ben zwar nicht über die Zeit, aller­dings zeigten sie Moral und sicher­ten sich quasi mit der Schluss­si­re­ne der Verlän­ge­rung den Sieg.

Towerstars Coach Peter Russell konnte beim Gastspiel in Bayreuth mit Vertei­di­ger Simon Gnyp kurzfris­tig auf weite­re Unter­stüt­zung vom PENNY DEL Koope­ra­ti­ons­part­ner Ingol­stadt zurück­grei­fen. Im Sturm war Lois Brune bereits am Freitag gegen Freiburg im Einsatz. Zwischen den Pfosten stand an diesem Abend Enrico Salvarani.

Die Oberschwa­ben hatten einen wahrlich zielstre­bi­gen Start. Gerade einmal neun Sekun­den waren gespielt, als Sam Herr den Puck frei im Slot postiert zur 0:1 Führung eindrück­te. Voran­ge­gan­gen war ein aggres­si­ves Vorche­cking von Lois Brune am rechten Bully­punkt, Charlie Sarault spiel­te die Schei­be dann exakt weiter.

Auch in den Folge­mi­nu­ten waren die Towerstars mit viel Zug zum Tor unter­wegs, Bayreuth schien der frühe Gegen­tref­fer nicht zu schme­cken. Bis zur ersten gefähr­li­chen Aktion vor dem Ravens­bur­ger Tor dauer­te es bis zur 4. Spiel­mi­nu­te, dann aber rissen die Gastge­ber das Spiel an sich. Als in der 6. Minute die Ravens­bur­ger Defen­si­ve zu träge in der Abstim­mung war, nutzte dies Dominik Meisin­ger prompt aus. Er ließ Enrico Salva­ra­ni bei seinem platzier­ten Handge­lenk­schuss keine Chance.

Die Towerstars taten sich danach schwer beim Spiel­auf­bau, immer wieder kam es in der neutra­len Zone zu Puckver­lus­ten und Bayreuth schien mehrfach nahe am Führungs­tref­fer. In den letzten fünf Minuten des Start­ab­schnitts hatten sich die Oberschwa­ben dann aber wieder sortiert und belohn­ten sich knapp vier Minuten vor der ersten Pause mit dem 1:2. Einen Schuss von der blauen Linie fälsch­te Kapitän Vincenz Mayer vor dem Tor noch leicht ab und die Schei­be fiel hinter Tigers Torhü­ter Lukas Stein­hau­er ins Tor. Die Unpar­tei­ischen kontrol­lier­ten die Szene per Video­be­weis, die Schlä­ger­kel­le von Vincenz Mayer war aller­dings nicht zu hoch und der Treffer zählte.

Im zweiten Spiel­ab­schnitt ging es zunächst ausge­gli­chen hin und her, ehe eine Straf­zeit gegen Martin Hlozek den Bayreuth Tigers einen perso­nel­len Vorteil verschaff­te. Zunächst stand die Ravens­bur­ger Unter­zahl­for­ma­ti­on recht solide in der eigenen Zone, doch dann zisch­te ein Schlag­schuss von Ville Järveläi­nen zum 2:2 ins rechte Eck.

Das Team von Coach Peter Russell steck­te den Gegen­tref­fer aber gut weg. Sie setzten die Tigers, die nach dem Ausfall des frühe­ren Towerstars Stürmers Frede­rik Cabana nur noch 13 Feldspie­ler zur Verfü­gung hatten, sofort mit aggres­si­vem Vorche­cking und schnel­lem Umschalt­spiel unter Druck und in der 30. Minute segel­te die Schei­be erneut ins Bayreu­ther Tor. Aller­dings fand der Treffer wegen hohen Stocks keine Anerkennung.

Auf den nächs­ten Torju­bel mussten die Oberschwa­ben mit ihren sieben mitge­reis­ten Fans aber dennoch nicht lange warten. 31 Minuten waren gespielt, als Josh MacDo­nald den gegne­ri­schen Torhü­ter mit einem Schuss aus halblin­ker Positi­on überrasch­te, das 2:3. Vierein­halb Minuten später ließ Charlie Sarault das 2:4 folgen. Er schloss ein starkes und gedul­dig vorge­tra­ge­nes Überzahl­spiel ab – nach neun verge­be­nen Überzahl­chan­cen gegen Freiburg war das freilich ein wichti­ger Aspekt für das Selbst­ver­trau­en. Dass die Oberschwa­ben diesen 2‑Tore-Vorsprung mit in die Kabine nehmen konnten, war sicher­lich Torhü­ter Enrico Salva­ra­ni zu verdan­ken. Er reagier­te nach einem Solo von Cason Hohmann glänzend mit den Beinschienen.

Es war klar, dass die Gastge­ber im Schluss­ab­schnitt noch einmal alle Kräfte bündeln würden und prompt fanden sich die Oberschwa­ben schon in den Start­mi­nu­ten in arger Bedräng­nis wieder. Mehrfach konnte Enrico Salva­ra­ni hochka­rä­ti­ge Möglich­kei­ten der Gastge­ber entschär­fen, in der 45. Minute war es dann aber passiert. Nach einem Puckver­lust an der gegne­ri­schen blauen Linie starte­te Bayreuth einen Konter und Jan-Luca Schuh­ma­cher drück­te den Puck dann im Nachschuss zum 3:4 über die Linie.

Die Towerstars hingen danach aber nicht durch, sondern versuch­ten, den dünn besetz­ten Kader der Gastge­ber wieder verstärkt läufe­risch zu beschäf­ti­gen. So erspiel­ten sich die Oberschwa­ben wieder deutlich mehr Torchan­cen. Da diese aller­dings nicht genutzt wurden, blieb die Partie weiter­hin spannend. Vor allem, als Fabian Dietz in der 52. Minute wegen Beinstel­lens auf die Straf­bank musste. Zumin­dest für 14 Sekun­den, dann nämlich hatte das Bayreu­ther Power­play bereits zugeschla­gen und der Spiel­stand war durch Ville Järveläi­nen wieder egalisiert.

Doch die Towerstars hatten die passen­de Antwort parat. Gerade als die Zuschau­er noch mehr witter­ten, schlug Josh MacDo­nald zum zweiten Mal an diesem Abend zu. Er spiel­te am linken Pfosten eine starke Kombi­na­ti­on eiskalt zu Ende und vier Minuten vor Ende der regulä­ren Spiel­zeit stand erneut eine Ravens­bur­ger Führung auf der Anzei­gen­ta­fel. Die Möglich­keit, diese spiel­ent­schei­dend auszu­bau­en, eröff­ne­te sich eine Minute später. Wegen eines Banden­checks setzte es eine Straf­zeit gegen Bayreuth, doch die Überzahl dauer­te nur 25 Sekun­den. Julian Eichin­ger musste gegen einen enteil­ten Gegen­spie­ler ein Notfoul ziehen.

Zwei Minuten vor Ende ging Tigers Coach Petri Kujala volles Risiko und nahm den Torhü­ter zuguns­ten eines fünften Feldspie­lers vom Eis. Es spiel­ten sich drama­ti­sche Szenen vor dem Ravens­bur­ger Tor ab, doch dann kam es zum 2:1 Break in Richtung leeres Tor. Weil der Pass zu ungenau kam, wurde die Entschei­dung verpasst – mit herber Konse­quenz. Bayreuth war dann wieder komplett und nutzte die doppel­te Überzahl zum 5:5 Ausgleich. 18 Sekun­den standen noch auf der Uhr.

Es ging in die Verlän­ge­rung mit fast fünf drama­ti­schen, aber torlo­sen Minuten. Eigent­lich hatten sich alle Zuschau­er schon auf ein Penal­ty­schie­ßen einge­stellt, dann aber setzten sich die Towerstars noch einmal in der gegne­ri­schen Zone fest und Sam Herr schlenz­te 0,6 Sekun­den vor Ende der Overti­me den Puck zum 5:6 und der endgül­ti­gen Entschei­dung ins Netz. Der Sieg war sicher nicht unver­dient, auch wenn er in Anbetracht des Spiel­ver­laufs wohl mit einem Punkt zu wenig gebucht wurde.

„Ein Auswärts­spiel in Bayreuth ist immer verdammt schwer und das hat sich auch heute bestä­tigt“, sagte Towerstars Coach Peter Russell nach dem Spiel. “Leider hatten wir eine 4:2 Führung herge­ge­ben, aber die Jungs haben am Ende viel Moral gezeigt“, ergänz­te Russell.