BERLIN (dpa) — Die SPD gewinnt im Endspurt zur Bundes­tags­wahl weiter an Fahrt. Es hatte sich bereits angekün­digt: Erstmals seit Jahren ziehen die Sozial­de­mo­kra­ten in einer Umfra­ge an der Union vorbei.

Gut einen Monat vor der Bundes­tags­wahl ist die SPD erstmals seit Jahren in einer Sonntags­fra­ge wieder stärks­te politi­sche Kraft in Deutsch­land. Im Trend­ba­ro­me­ter des Forsa-Insti­tuts für RTL und n‑tv kommen die Sozial­de­mo­kra­ten auf 23 Prozent, die Union erreicht 22 Prozent.

Die SPD gewinnt im Vergleich zur Vorwo­che zwei Prozent­punk­te hinzu, die Unions­par­tei­en büßen einen Punkt ein. In der Daten­rei­he des Insti­tuts landen die Sozial­de­mo­kra­ten damit erstmals seit fast 15 Jahren auf einem höheren Wert als die Union.

Die jetzt für die Union ermit­tel­ten 22 Prozent sind Forsa zufol­ge der schlech­tes­te Wert, den das 1984 gegrün­de­te Insti­tut im wöchent­li­chen Trend­ba­ro­me­ter jemals für CDU und CSU berech­net hat. Nach dem Sieg von Armin Laschet über Markus Söder im Rennen um die Kanzler­kan­di­da­tur im April lag die Union aller­dings schon einmal auf 22 Prozent.

Zahl der Unent­schlos­se­nen weiter hoch

Die Grünen rutschen in der aktuel­len Umfra­ge um einen Punkt auf 18 Prozent ab und liegen auf Rang 3. Die FDP kommt unver­än­dert auf 12 Prozent, die AfD auf 10 und die Linke auf 6 Prozent. Die Zahl der Nicht­wäh­ler und Unent­schlos­se­nen liegt mit 26 Prozent aller­dings weiter­hin über dem Anteil der Nicht­wäh­ler bei der vergan­ge­nen Bundestagswahl.

Forsa zufol­ge hätten im Moment vier Dreier-Koali­tio­nen eine regie­rungs­fä­hi­ge Mehrheit, darun­ter drei unter Führung der SPD. Möglich wäre ein Bündnis von SPD, Union und FDP, eine Regie­rung von SPD, Grünen und FDP, eine Koali­ti­on mit Union, Grünen und FDP oder ein linkes Bündnis mit SPD, Grünen und Linken.

Die meisten Wähler glauben der Umfra­ge zufol­ge auch nicht, dass die Union die Stimmung bis zur Wahl noch zu ihren Gunsten drehen kann. 60 Prozent der Befrag­ten werten es als Fehlein­schät­zung, dass die Union noch Wähler gewin­nen könnte, die aus Angst vor einer SPD-geführ­ten Bundes­re­gie­rung lieber CDU/CSU wählen würden.

Laschet stürzt ab

Im Ranking der Spitzen­po­li­ti­ker gewinnt einzig SPD-Kanzler­kan­di­dat Olaf Scholz hinzu (plus 7 Punkte vergli­chen mit Juni). Größter Verlie­rer dagegen ist mit minus 11 Punkten der Kanzler­kan­di­dat der Union, Armin Laschet. Bei diesem Ranking geben die Befrag­ten an, bei welchen Politi­kern sie das Land «in guten Händen» sehen. Laschet liegt laut Forsa nun auf Rang 11, hinter dem CDU-Politi­ker Fried­rich Merz und knapp vor SPD-Vize Kevin Kühnert. Scholz rangiert auf Platz 3, knapp hinter CSU-Chef Markus Söder und deutlich hinter Kanzle­rin Angela Merkel (CDU).

Grund­sätz­lich spiegeln Wahlum­fra­gen nur das Meinungs­bild zum Zeitpunkt der Befra­gung wider und sind keine Progno­sen auf den Wahlaus­gang. Sie sind außer­dem immer mit Unsicher­hei­ten behaf­tet. Unter anderem erschwe­ren nachlas­sen­de Parteib­in­dun­gen und immer kurzfris­ti­ge­re Wahlent­schei­dun­gen den Meinungs­for­schungs­in­sti­tu­ten die Gewich­tung der erhobe­nen Daten.

Auch in den Umfra­gen anderer Insti­tu­te hatte die SPD zuletzt Boden auf die Union gut gemacht und die Grünen teils deutlich überholt. Zuletzt hatte das Insa-Insti­tut im Sonntagstrend für die «Bild am Sonntag» Union und SPD bereits gleich­auf gesehen.