HAMBURG (dpa) — Die Corona-Krise hat die Kultur­bran­che gebeu­telt — und kreati­ve Ideen zu Tage gebracht, die der Kultur­bran­che trotz­dem Geld bringen. Eine davon heißt «AllHand­sOn­Deck».

Mehr als sieben Stunden Live-Musik von namhaf­ten Musikern wie Revol­ver­held, Laith Al-Deen, Max Giesin­ger, Eko Fresh, Joris, Max Mutzke, Jupiter Jones und fast 50 weite­ren Acts — und trotz­dem ist fast kein Publi­kum in der großen Hambur­ger Barclays-Arena.

Das ist nicht etwa ein Horror-Szena­rio, sondern ein für diesen Diens­tag geplan­tes Spenden-Konzert zuguns­ten von existenz­ge­fähr­de­ten Konzert­mit­ar­bei­te­rin­nen und ‑mitar­bei­tern sowie Künst­le­rin­nen und Künst­lern. Das Konzert wird kosten­los und live von Amazon Music auf Twitch.tv übertra­gen. Durch den Konzert-Marathon führen Steven Gätjen und Wincent Weiss, der in der Barclays-Arena sein Modera­ti­ons­de­büt geben wird.

Projekt will Musik­schaf­fen­den helfen

Hinter dem Live-Stream-Spenden-Jam steht das Projekt «AllHand­sOn­Deck», das im Mai 2021 schon auf dem Hausboot von Olli Schulz und Fynn Kliemann ein ähnli­ches Ein-Tages-Festi­val organi­siert hatte. Damals kamen rund 135.000 Euro an Spenden für die von der Corona­kri­se gebeu­tel­te Konzert­bran­che zusam­men. Diesmal hoffen die ehren­amt­li­che Macher auf deutlich mehr. «Musiker*innen, Tourmanager*innen, Tontechniker*innen, Bühnenbauer*innen, und und und. Sie alle kämpfen noch immer um ihre Existenz. Diesen Menschen muss gehol­fen werden», sagen Musiker wie Revol­ver­held, Laith Al-Deen, Nessi und Alex Diehl dazu in einem Video.

Und eine «AllHandsOnDeck»-Sprecherin ergänzt: «Im besten Falle geht es darum, dass sie ihre beruf­li­chen Existen­zen halten können.» Manche könnten mittler­wei­le schlicht nicht mehr ihre Mieten zahlen. Das gesam­mel­te Geld soll über vier Initia­ti­ven bundes­weit verteilt werden. Damit solle auch dafür gesorgt werden, dass es mittel­fris­tig überhaupt noch Crew-Nachwuchs oder Nachwuchs­mu­si­ker für die nächs­ten Konzer­te und Festi­vals gibt.

«Viele haben sich schon jetzt neue Jobs gesucht.» Das werde Auswir­kun­gen auf die Diver­si­tät der Künst­ler auf den Bühnen haben. Auch, weil die Bühnen wohl zunächst vor allem für bekann­te Acts gebucht werden. «Kleine Bands gehen dann erstmal unter.» Das Konzert am Diens­tag werde deshalb defini­tiv nicht die letzte Aktion von «AllHand­sOn­Deck» sein.

Ohne Probe auf die Bühne

Und wie läuft der Musik-Marathon in der fast leeren Arena ab? Die namhaf­ten Musiker sowie Nachwuchs­künst­ler stehen am Diens­tag von 16.00 Uhr an für je ein bis zwei Lieder auf der Bühne. Zudem wird es Inter­views mit den Musikern, Machern und Hamburgs Kultur­se­na­tor Carsten Brosda (SPD) geben. Erwar­tet werden unter anderem auch Alicia Awa, Cassan­dra Steen, He/Ro, Antje Schoma­ker, Pohlmann, Deine Freun­de, die Hambur­ger Goldkehl­chen und Mario Novembre.

Alle Musike­rin­nen und Musiker kommen ohne vorhe­ri­ge Probe ans Mikro­fon und vertrau­en ganz auf das Können der beiden Bands, die abwech­selnd alle Künst­le­rin­nen und Künst­ler beglei­ten. «Die «AllHandsOnDeck»-Band ist das Herz dieser Veran­stal­tung. Das ist eine Wahnsinns­leis­tung, die sie da ablie­fern werden. Das sind die feins­ten Musiker, die wir in Deutsch­land haben und die teilwei­se in großen Bands spielen», sagte