STUTTGART (dpa/lsw) — Die Abhän­gig­keit Deutsch­lands von russi­schem Gas hat auch im Südwes­ten Folgen. Bei Kommu­nen und Kirchen laufen Vorbe­rei­tun­gen zum Energie­spa­ren. Der Herbst dürfte in diesem Jahr auch in Innen­räu­men kühler und dunkler werden.

Kommu­nen und Kirchen im Land wollen aufgrund der drohen­den Gas-Mangel­la­ge im Herbst und Winter ihren Energie­be­darf deutlich reduzie­ren. In der Karls­ru­her Verwal­tung sollen Klima- und Lüftungs­an­la­gen sowie Warmwas­ser wo möglich abgeschal­tet werden. Die Tempe­ra­tur in Innen­räu­men soll um zwei Grad gesenkt werden und in Fluren und Neben­räu­men nur noch vor Frost schüt­zen, wie ein Sprecher mitteil­te. Auch werde geprüft, die Heizpe­ri­ode zu verkür­zen. Die Beleuch­tung öffent­li­cher Gebäu­de solle zudem auf ein Mindest­maß reduziert werden, und mit Blick auf die Sicher­heit werde geprüft, bestimm­te Ampel­an­la­gen nachts abzuschalten.

In Stutt­gart spart die Stadt zum einen bei den Bädern Energie. Bereits seit dem 1. Juli wird das Becken­was­ser der Freibä­der nur noch durch Solar­ener­gie erwärmt. Eine garan­tier­te Wasser­tem­pe­ra­tur gebe es dadurch nicht mehr, sagte ein Sprecher der Stadt. Weite­res Einspar­po­ten­zi­al sieht die Landes­haupt­stadt bei der Beleuch­tung. «Wir erwägen derzeit sehr ernst­haft die Abschal­tung der Außen­be­leuch­tung an städti­schen Gebäu­den wie dem Rathaus oder der Stadt­bi­blio­thek und wollen uns diesbe­züg­lich auch mit den Kirchen abstim­men, soweit Kirchen angestrahlt werden», teilte Oberbür­ger­meis­ter Frank Nopper (CDU) mit. Wie viel Energie die Stadt damit einspa­ren kann, wird wie in Karls­ru­he derzeit noch ermittelt.

Die Stadt Tübin­gen setzt vor allem auf den massi­ven Ausbau erneu­er­ba­rer Energie und den Einsatz von Wärme­pum­pen und Pellet­hei­zun­gen. Beleuch­tung und Behei­zung sollen laut einer Spreche­rin auf das zuläs­si­ge Minimum reduziert werden. Zudem würden derzeit alle Anlagen überprüft und optimal eingestellt.

Ganz Schluss mit Warmwas­ser ist ab sofort bei der Stadt Konstanz. Weite­re Maßnah­men sind laut einer Spreche­rin etwa in Abhän­gig­keit der deutschen Gasspei­cher geplant. Sollten die Speicher für den Winter nicht ausrei­chend gefüllt werden können, müssen das Thermal­bad und die Sauna sowie das Hallen­bad am Seerhein schlie­ßen, wie der Gemein­de­rat beschlos­sen habe. Zudem sollen die städti­schen Heizun­gen in diesem Jahr erst ab Oktober Wärme spenden, in Schulen und Kitas bis maximal 19 Grad.

Einspar­po­ten­zi­al sehen auch die vier christ­li­chen Kirchen im Land und haben sich dazu bereits ausge­tauscht, wie eine Spreche­rin der Diöze­se Rotten­burg-Stutt­gart mitteil­te. Bischof Gebhard Fürst rief die Verant­wort­li­chen in den Kirchen­ge­mein­den dazu auf, sich aktiv auf die kommen­de Heizpe­ri­ode vorzu­be­rei­ten und zu planen, wie der Energie­ver­brauch gesenkt werden kann. «Für uns als Kirche ist es eine Selbst­ver­ständ­lich­keit, dass wir uns solida­risch in die gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Bemühun­gen einbrin­gen, Energie einzu­spa­ren, um die Versor­gung von zentra­len Berei­chen der kriti­schen Infra­struk­tur mit Gas und anderer Energie zu gewähr­leis­ten», teilte Bischof Fürst mit.

Die Erzdiö­ze­se Freiburg stell­te den Kirchen­ge­mein­den am Montag eine Handrei­chung mit Tipps zum Energie­spa­ren zur Verfü­gung. Darin wird etwa erklärt, wie sich die Heiztem­pe­ra­tur runter­re­geln lässt, ohne Frost­schä­den zu riskie­ren, und wie man Gottes­dienst­be­su­cher auf niedri­ge Tempe­ra­tu­ren in den Kirchen