BERLIN (dpa) — Mit den Worten «Was für ein schöner Sonntag» begann Joachim Gauck 2012 die Rede nach seiner Wahl zum 11. Bundes­prä­si­den­ten. Sein Nachfol­ger Frank-Walter Stein­mei­er wird dies auch sagen können.

Bundes­prä­si­dent Frank-Walter Stein­mei­er steht vor seiner Wieder­wahl und damit einer zweiten Amtszeit. Wenn an diesem Sonntag die Bundes­ver­samm­lung in Berlin zusam­men­tritt, um ein neues Staats­ober­haupt zu wählen, ist die Bestä­ti­gung des Amtsin­ha­bers sicher.

Der 66-Jähri­ge wurde von den Ampel-Partei­en SPD, Grüne und FDP sowie von der CDU/C­SU-Opposi­ti­on nominiert. Zusam­men haben sie in der Bundes­ver­samm­lung eine breite Mehrheit. Stein­mei­er ist erst der fünfte Bundes­prä­si­dent, der für eine zweite Amtszeit antritt. Zuletzt tat dies 2009 Horst Köhler, der dann aber ein Jahr später zurücktrat.

Gegen den Amtsin­ha­ber kandi­die­ren für die Linke der Medizi­ner Gerhard Trabert (65) und für die AfD der Ökonom Max Otte (57), der Mitglied der CDU ist. Außer­dem haben die Freien Wähler die Physi­ke­rin Stefa­nie Gebau­er (41) nominiert. Alle drei haben angesichts der Mehrheits­ver­hält­nis­se jedoch keine Chancen.

«Sprache finden, die das Land zusammenhält»

Zur Vorbe­rei­tung der Bundes­ver­samm­lung trafen sich am Samstag bereits mehre­re Fraktio­nen. Die SPD-Spitze rief dazu auf, Stein­mei­er zu wählen, so wie dies die Grünen-Führung bereits am Freitag gemacht hatte. «Diese Wieder­wahl bedeu­tet Konti­nui­tät einer sehr, sehr guten Amtsfüh­rung», sagte die SPD-Vorsit­zen­de Saskia Esken. Der zweite Partei­chef Lars Kling­beil beton­te, es brauche in dieser Zeit einen Bundes­prä­si­den­ten, «der in der Lage ist, Brücken zu bauen, der in der Lage ist, Menschen zusam­men­zu­brin­gen, auch eine Sprache zu finden, die das Land zusam­men­hält und vereint». Das sei Stein­mei­er. Dieser wurde später nach dpa-Infor­ma­tio­nen auch in der CDU/C­SU-Frakti­on herzlich und mit viel Beifall empfangen.

Bei der Linken dankten die Frakti­ons­vor­sit­zen­den Dietmar Bartsch und Amira Mohamed Ali sowie die Partei­vor­sit­zen­de Janine Wissler ihrem Kandi­da­ten Trabert für die Bereit­schaft zu kandi­die­ren. Bei der AfD stell­te sich Otte vor. Die Vorsit­zen­den Alice Weidel und Tino Chrupal­la beton­ten nach Angaben eines Sprechers, dass die AfD mit ihm eine «konser­va­tiv-libera­le Alter­na­ti­ve» zu Stein­mei­er anbiete.

Stein­mei­er leite­te unter Bundes­kanz­ler Gerhard Schrö­der (SPD) ab 1999 das Kanzler­amt, zuvor war er unter ihm als Minis­ter­prä­si­dent in Hanno­ver Staats­kanz­lei­chef gewesen. Von 2005 bis 2009 und dann wieder von 2013 bis 2017 war er Außen­mi­nis­ter. Bei der Bundes­tags­wahl 2009 schei­ter­te er als SPD-Kanzlerkandidat.

Mehr Platz wegen Corona

Die Bundes­ver­samm­lung ist das größte parla­men­ta­ri­sche Gremi­um in Deutsch­land. Seine einzi­ge Aufga­be ist die Wahl des Staats­ober­haupts alle fünf Jahre. Sie setzt sich zusam­men aus den Abgeord­ne­ten des Deutschen Bundes­tags und einer gleich großen Zahl von Mitglie­dern, die die 16 Landta­ge entsen­den. Da der Bundes­tag derzeit 736 Abgeord­ne­te zählt, besteht die Bundes­ver­samm­lung aus 1472 Wahlfrau­en und ‑männern — so viele wie nie zuvor.

SPD, Grüne, FDP und CDU/CSU stellen zusam­men 1223 der insge­samt 1472 Mitglie­der. Die AfD kommt auf 151 und die Linke auf 71 Delegier­te. Die Freien Wähler sind mit 18 Wahlfrau­en und ‑männern