Der erste brauch­ba­re Perso­nal Compu­ter, der Apple I, wurde von einen einzi­gen Menschen erfun­den und entwi­ckelt: Steve Wozni­ak. Der Tüftler, der nun 70 Jahre alt wird, bilde­te beim Aufbau von Apple den Gegen­pol zu seinem visio­nä­ren Kumpa­nen Steve Jobs.

Anfang der 70er Jahre gab es noch keine Perso­nal Compu­ter. Über schrank­gro­ße Rechen­an­la­gen, die für norma­le Menschen unbezahl­ba­re Technik­mons­ter waren, verfüg­ten nur wenige Unter­neh­men, einige Univer­si­tä­ten und das Militär. Im Homebrew Compu­ter Club redeten sich die Hobby­bast­ler aber darüber die Köpfe heiß, wie man die Techno­lo­gie erschwing­lich machen kann.

Wozni­ak wuchs mit elektro­ni­schen Bautei­len als liebs­tes Spiel­zeug auf. Als Teenager lötete «Woz», wie er von allen Freun­den genannt wurde, gerne an Schalt­krei­sen herum. Er las alles, was er in die Hände bekam, um an diese unzugäng­li­chen Maschi­nen zu gelan­gen.

Auf der High School lernte Woz den fast fünf Jahre jünge­ren Steve Jobs kennen, der seine Begeis­te­rung für Compu­ter teilte. Trotz des Alters­un­ter­schieds fanden sie schnell gemein­sa­me Inter­es­sen — von den «elektro­ni­schen Sachen» bis hin zum Spaß an ulkigen Scher­zen.

«Woz war der erste Mensch, den ich traf, der mehr über Elektro­nik wusste als ich», sagte Jobs später. Wozni­ak brach­te ihm die Songs von Bob Dylan nahe, gemein­sam jagten sie Mitschnit­ten seiner Live-Auftrit­te nach. Und sie verab­schie­de­ten eine Abschluss­klas­se an ihrer Highschool mit einem riesi­gen Stinke­fin­ger-Trans­pa­rent, das sich plötz­lich von einem Balkon entroll­te. Dieser Streich habe ihre Freund­schaft besie­gelt, erzähl­te Jobs später.

Das erste gemein­sa­me techni­sche Projekt der beiden Freun­de war eigent­lich krimi­nell. Sie waren darauf aufmerk­sam gewor­den, wie das Telefon­sys­tem der USA so manipu­liert werden konnte, dass man kosten­los Telefo­na­te führen konnte. Alle Steuer­fre­quen­zen waren in einem öffent­lich zugäng­li­chen Handbuch aufge­führt. Während der Telekom-Riese AT&T sich daran machte, die Handbü­cher schleu­nigst aus den Biblio­the­ken zu entfer­nen, schli­chen sich die Freun­de an einem Sonntag in eine geschlos­se­ne Büche­rei und sicher­ten sich das Buch.

Schon beim «Blue Box Hack» zeich­ne­te sich die Aufga­ben­tei­lung ab, die später bei Apple galt: Jobs war der weitsich­ti­ge Geschäfts­mann, der die Box möglichst vielen verkau­fen wollte, Woz der genia­le Tüftler. Sie nutzten das Gerät aber vor allem zum Spaß, um selbst kosten­lo­se Fernge­sprä­che zu führen. Einmal riefen sie aus einer Telefon­zel­le den Vatikan an, Wozni­ak gab sich als US-Außen­mi­nis­ter Henry Kissin­ger aus und verlang­te, dringend den Papst zu sprechen. Zum Kirchen­ober­haupt wurden sie nicht durch­ge­stellt — doch die Box funktio­nier­te.

Im Januar 1973 trat Wozni­ak eine Stelle bei Hewlett-Packard (HP) an, um am Design von Schalt­krei­sen zu arbei­ten, die für Rechen­ma­schi­nen und Taschen­rech­ner verwen­det wurden. In seiner Freizeit sicher­te er sich einen Platz in der Geschich­te der Compu­ter­spie­le, denn in nur vier Tagen program­mier­te Woz die Spiel­elek­tro­nik für das legen­dä­re Game «Break­out» von Atari. Bis heute ist nicht klar, ob Steve Jobs seinen Freund bei dem von ihm vermit­tel­ten Gig übers Ohr gehau­en hat. Wozni­ak schreibt in seiner Autobio­gra­fie «iWoz», er habe von Jobs die Hälfte der 700 Dollar erhal­ten, die er nach seinen Angaben dafür bekom­men habe. «Später erfuhr ich, dass er doch etwas mehr für die Arbeit bekom­men hatte, als er mir damals gesagt hatte — etwa ein paar Tausend Dollar (…) Er war nicht ehrlich mit mir, und ich war verletzt. Aber ich machte daraus keine große Sache.» Jobs demen­tier­te später, dass er Woz übervor­teilt hat.

Geld und ökono­mi­scher Erfolg spiel­te im Univer­sum von Wozni­ak aber ohnehin eine unter­ge­ord­ne­te Rolle: «Ich wollte immer nur Ingenieur sein», und seine Arbeit mit Freun­den teilen, sagte er. Das Design des ersten brauch­ba­ren Perso­nal Compu­ters, des Apple I, wollte Woz ursprüng­lich für andere Bastler offen­le­gen. Jobs musste ihn überre­den, daraus eine Firma aufzu­bau­en.

Sein Meister­stück liefer­te Wozni­ak 1977 mit dem Apple II. Jobs ließ dafür ein Plastik­ge­häu­se entwer­fen, um auch Anwen­der außer­halb der Bastler­sze­ne anzuspre­chen und kümmer­te sich um entspre­chen­de Produk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten. Er sorgte auch dafür, dass die nötigen Gelder zu Verfü­gung standen, indem er Inves­to­ren wie Mike Markku­la und Arthur Rock mit ins Boot holte.

Beim Design der Plati­ne des Apple II erwies sich Woz als Genie, denn ihm gelang es, mit unvor­stell­bar wenigen Bautei­len auszu­kom­men. Der Apple II konnte Farben und Grafi­ken darstel­len, zudem war er vielsei­tig erwei­ter­bar. Der Rechner von Woz erwies sich für Apple als riesi­ger kommer­zi­el­ler Erfolg. Er sorgte dafür, dass Apple Compu­ter zu einer weltweit bekann­ten Marke wurde. Der Börsen­gang von Apple im Jahr 1980 machte Wozni­ak und Jobs zu Millio­nä­ren.

Die Zusam­men­ar­beit der beiden Steves dauer­te aber nicht mehr lange: Im Febru­ar 1981 verun­glück­te der Hobby-Pilot Wozni­ak beim Start eines Klein­flug­zeugs. Er wurde am Kopf verletzt und litt wochen­lang unter Gedächt­nis­stö­run­gen. Danach nahm sich Woz eine Auszeit von Apple, organi­sier­te zwei Festi­vals mit Musik und Techno­lo­gie. 1983 kehrte er zurück — nur um sich 1985 endgül­tig zu verab­schie­den. Formal ist Woz bis heute Angestell­ter von Apple und bezieht ein symbo­li­sches Gehalt.

In den Zeiten vor der Corona-Pande­mie jette­te Wozni­ak als Legen­de aus den Anfangs­zei­ten der PC-Branche um die Welt, um auf Tech-Shows und anderen Events zu sprechen. Er tanzte aber auch ungelenk durch die TV-Show «Dancing with the Stars» im US-Fernse­hen und tauch­te als er selbst in der Serie «Big Bang Theory» auf. In jüngs­ter Zeit konnten die US-Fernseh­zu­schau­er ihn zusam­men mit seiner Frau Janet in der Fox-Show «Celebri­ty Watch Party» sehen, wie sie in ihrem Wohnzim­mer sich andere Fernseh­sen­dun­gen anschau­en und witzig kommen­tie­ren.