WANGEN — Am Freitag, 16. Oktober, startet die Theater­sai­son 20/21 in Wangen. Zum Auftakt ist die Württem­ber­gi­sche Landes­büh­ne Esslin­gen mit dem Stück „Der Vorle­ser“ nach dem gleich­na­mi­gen Roman von Bernhard Schlink zu Gast. Es ist die Geschich­te der ungewöhn­li­che Liebe von Micha­el Berg zu einer älteren Frau, die als Kriegs­ver­bre­che­rin angeklagt wird. In einem Rückblick erzählt Micha­el Berg von seinem Leben im Zeitraum von 1959 bis 1984. Das Stück wird in der Bühnen­fas­sung der Regis­seu­rin Miriam Neidhart urauf­ge­führt. Beginn ist um 20 Uhr in der Stadt­hal­le Wangen.

Micha­el Berg hat ein halbes Leben hinter sich, als er beschließt, die Geschich­te aufzu­schrei­ben, die ihn für immer prägte – um sie der Welt mitzu­tei­len, sie zu verar­bei­ten, aber auch „um sie loszu­wer­den“: Mit fünfzehn leidet er an Gelbsucht. Als er sich auf dem Heimweg bei strömen­dem Regen in einem Hausein­gang übergibt, kommt ihm eine unbekann­te Frau zu Hilfe und bringt ihn nach Hause. Um sich bei ihr zu bedan­ken, besucht Micha­el die einund­zwan­zig Jahre ältere Hanna nach seiner Genesung. Eine unglei­che Bezie­hung beginnt, von der niemand erfährt. Es sind Micha­els erste eroti­sche Erfah­run­gen, seine erste Liebe. Die beiden entwi­ckeln ein Ritual, zu dem neben einem gemein­sa­men Bad bald auch gehört, dass Micha­el Hanna vorliest. Und doch erlebt er mit ihr immer wieder schmerz­haf­te Momen­te, die er selbst nicht versteht. Eines Tages ist sie plötz­lich verschwun­den. Erst Jahre später sieht Micha­el, der inzwi­schen Jura studiert, Hanna im Gerichts­saal wieder: als Angeklag­te in einem Ausch­witz-Prozess. Seine Liebe und die persön­li­chen Schuld­ge­füh­le verstri­cken sich nun mit einer kollek­ti­ven Schuld.

Bernhard Schlinks 1995 veröf­fent­lich­ter Roman „Der Vorle­ser“ wurde in über 50 Sprachen übersetzt, 2008 mit Kate Winslet und David Kross verfilmt und weltweit ein Bestsel­ler. Lakonisch und zugleich einfühl­sam reflek­tiert er mit seinen fein gezeich­ne­ten Figuren über Liebe und Schuld im Angesicht der Verbre­chen des Holocausts und über die Unzuläng­lich­keit der Recht­spre­chung. Regis­seu­rin Mirjam Neidhart unter­sucht die Mecha­nis­men von Micha­els Erinnern und lässt das Publi­kum an den großen Fragen nach kollek­ti­ver Schuld und mensch­li­chem Verhal­ten teilha­ben.

Das Stück dauert zweiein­halb Stunden inklu­si­ve einer 20-minüti­gen Pause. In der Pause findet ein einge­schränk­ter Geträn­ke­ver­kauf statt. Es gibt keine Abend­kas­se. Das Publi­kum wird gebeten, sich an die gelten­den Hygie­ne­vor­schrif­ten zu halten. Es sind noch wenige Karten beim Gästeamt oder online unter www.reservix.de erhält­lich.

ALLGEMEINE  INFO:
Karten für Theater und Konzer­te können im Gästeamt (Tel.: 07522/74 211) oder bei www.reservix.de gekauft werden. Infor­ma­tio­nen und Abonne­ments gibt es im Kultur­amt (Tel.: 07522/74 241, susanne.hertenberger@wangen.de). Das Programm­heft liegt im Gästeamt, im Bürger­amt und an vielen anderen Stellen aus. Außer­dem steht es auf der städti­schen Homepage www.wangen.de zum Download bereit.