Juliet­te Gréco war die Grande Dame des franzö­si­schen Chansons. Jahrzehn­te­lang sang sie vom Leben und der Liebe. Nun ist die Lady in Black gestor­ben. Größen der franzö­si­schen Politik verab­schie­den sich von ihr.

Gréco sei Eleganz und Freiheit gewesen, schrieb Frank­reichs Staats­chef Emmanu­el Macron auf Twitter. «Ihr Gesicht und ihre Stimme werden unser Leben weiter­hin beglei­ten.» Die «Muse von Saint-Germain-des-Prés» sei unsterb­lich, schrieb Macron.

Die franzö­si­sche Sänge­rin starb am Mittwoch in ihrem Haus in Ramatu­el­le in Südfrank­reich, wie die franzö­si­sche Nachrich­ten­agen­tur AFP unter Berufung auf die Familie zuvor berich­te­te. Der Nachwelt hinter­lässt sie Hunder­te von Liedern und Inter­pre­ta­tio­nen, darun­ter «Sous le ciel de Paris» oder «Desha­bil­lez-moi».

Gréco habe für die Freiheit gesun­gen, schrieb Frank­reichs ehema­li­ger Präsi­dent François Hollan­de auf Twitter. Sie habe die größten Rollen verkör­pert und die Entwick­lun­gen der franzö­si­schen Gesell­schaft immer beglei­tet. Die wieder­erkenn­ba­re Stimme Grécos werde schmerz­lich vermisst werden, schrieb die Pariser Bürger­meis­te­rin Anne Hidal­go ebenfalls auf Twitter. Sie nannte Gréco eine Pariser Ikone.

Mit Gréco ist nach Édith Piaf und Barba­ra die letzte große Chanson­net­te Frank­reichs von der Bühne gegan­gen. Jahrzehn­te­lang hat sie die Lieder der größten Chanson­niers wie Jacques Brel und Brassens inter­pre­tiert und die schöns­ten Texte von Schrift­stel­lern wie Françoi­se Sagan, Jacques Prévert, François Mauriac und Albert Camus. «Si tu t’ima­gi­nes» oder «L’Éter­nel féminin» gehör­ten Ende der 1940er Jahren zu ihren großen Hits.

Entdeckt hat sie der franzö­si­sche Philo­soph und Existen­zia­list Jean-Paul Sartre in einer Keller­bar in Saint-Germain-des-Prés, dem Pariser Intel­lek­tu­el­len­vier­tel par excel­lence in den 50er Jahren. Durch ihn wurde sie auch in die künst­le­risch-intel­lek­tu­el­le Elite der damali­gen Zeit einge­führt. So wie sie kleide­te sich Gréco schwarz. Blasses Gesicht, schwar­ze Haare und schwar­ze Kleider: Diesem Stil blieb Gréco ihr ganzes Leben lang treu. Die Muse von Saint-Germain-des-Prés und Lady in Black wurde die zierli­che Diva deshalb auch gerne genannt.

Gréco wurde am 7. Febru­ar 1927 im franzö­si­schen Montpel­lier geboren. Ihre Kindheit verbrach­te sie größten­teils bei der Großmutter und in einem Kloster, denn ihren Vater kannte sie kaum, und ihre Mutter war während des Zweiten Weltkrie­ges in den Wider­stand getre­ten. Obwohl ihre Mutter und Schwes­ter Opfer der Gesta­po waren, trat sie als eine der ersten franzö­si­schen Sänge­rin­nen 1959 im Nachkriegs­deutsch­land auf.

Nicht nur in ihren Liedern ging es leiden­schaft­lich und stürmisch zu. Gréco war mehrmals verhei­ra­tet, darun­ter auch mit dem inzwi­schen verstor­be­nen Schau­spie­ler Michel Picco­li. Zu den frühen Liebschaf­ten gehör­te der legen­dä­re schwar­ze Jazz-Trompe­ter Miles Davis. Im Jahr 1988 heira­te­te sie den Pianis­ten Gérard Jouan­nest, ihren langjäh­ri­gen musika­li­schen Beglei­ter.

Ihren Abschied von der Musik­welt hatte sie gut vorbe­rei­tet. Mit einer Tournee, die sie 2015 begann, bedank­te sie sich bei ihren treuen Fans. Man müsse wissen, wann der Zeitpunkt gekom­men sei, aufzu­hö­ren, sagte sie. Sie singe seit 65 Jahren, das sei ein langes Arbeits­le­ben. Ihre Abschieds­tour­nee «Merci» hatte sie auch nach Deutsch­land geführt.