An grauen Regen­wol­ken und dem dazuge­hö­ri­gen Nieder­schlag herrscht derzeit vieler­orts kein Mangel. Im Sommer war das noch ganz anders — mit Folgen vor allem für die Landwirt­schaft.

Ursache dafür sei das ausge­spro­chen nieder­schlags­ar­me Frühjahr gewesen, das nur etwa die Hälfte der üblichen Regen­men­ge brach­te, berich­te­te der Deutsche Wetter­dienst (DWD) in seiner Auswer­tung über die Entwick­lung der Boden­feuch­te. Damit sei das Frühjahr 2020 das sechst­tro­ckens­te seit Beginn der Aufzeich­nun­gen im Jahr 1881 gewesen. Zum dritten Mal in Folge hätten staub­tro­cke­ne Böden der Landwirt­schaft Proble­me berei­tet.

Zumin­dest für die Aussaat des Winter­wei­zens und den Rest der Vegeta­ti­ons­pe­ri­ode werde Trocken­heit nun aber kein Problem mehr sein, sagte Andre­as Brömser vom Agrar­me­teo­ro­lo­gi­schen Dienst des DWD. «Da reicht das Wasser aus.» Es gebe sogar Regio­nen, in denen der Boden gerade so feucht sei, dass die Landwir­te ihre Flächen nicht befah­ren können und froh über ein paar trocke­ne Tage wären.

In der Bilanz erreich­te der Sommer 2020 zwar — jeden­falls im deutsch­land­wei­ten Durch­schnitt — fast das vieljäh­ri­ge Nieder­schlags­mit­tel. Damit ließ sich das Boden­was­ser­de­fi­zit aber kaum verrin­gern, hieß es. Im Vergleich zu den üblichen Werten fiel der Sommer im Westen Deutsch­lands am trockens­ten aus.

Zum einen waren die Böden nach DWD-Angaben zum Sommer­be­ginn deutlich trocke­ner als sonst. Während der Junire­gen vieler­orts Ernte­ein­bu­ßen bei Raps und Getrei­de verhin­dern konnte, sei der Juli «markant zu trocken» gewesen, hieß es. Im August habe sich die Trocken­heit dann noch weiter verschärft. Zwar habe es im letzten Monats­drit­tel zahlrei­che Gewit­ter gegeben, die aber nicht überall zu einer Entspan­nung bei der Boden­tro­cken­heit führten. Teilwei­se habe es sogar Überflu­tun­gen wegen Stark­re­gen gegeben, weil der ausge­dörr­te Boden die plötz­li­chen Wasser­mas­sen kaum aufneh­men konnte.

Im ersten Herbst­mo­nat Septem­ber dauer­te die Durst­stre­cke insbe­son­de­re für die Wälder an, die ersten beiden Monats­drit­tel waren erneut anhal­tend trocken, so der DWD. Das änder­te sich erst im letzten Monats­ab­schnitt. Aller­dings seien die tiefe­ren Boden­schich­ten noch vieler­orts zu trocken. Der Witte­rungs­ver­lauf der kommen­den Wochen und Monate werde darüber entschei­den, wie schnell und in welchem Ausmaß diese Schich­ten mit Boden­was­ser aufge­füllt werden und wann der Trocken­stress für die Wälder ende.

Und was bedeu­tet das für die nächs­te Landwirt­schafts­sai­son? Zuver­läs­si­ge Nieder­schlags­vor­her­sa­gen sind nur für etwa eine Woche möglich, beton­te Brömser. Es sei daher nicht möglich, Progno­sen für den Winter zu geben. Wünschens­wert sei ein Winter mit überdurch­schnitt­li­chen Nieder­schlä­gen aber schon. Dann könnte der Boden auch in tiefen Lagen gut durch­feuch­tet werden — eine gute Ausgangs­la­ge für das kommen­de Frühjahr.

Denn auch wenn noch keine Progno­sen für das Wetter des kommen­den Jahres möglich sind: Die auffäl­li­ge Häufung zu warmer und vielfach zu trocke­ner Sommer in den vergan­ge­nen Jahren dürfte die Sorgen der Landwir­te beim Blick in die Zukunft nicht mindern. Förster wieder­um haben wieder­holt auf die Auswir­kun­gen der Trocken­heit auf die Wälder hinge­wie­sen, die nicht nur unter Hitzes­tress litten, sondern auch anfäl­li­ger für Schäd­lin­ge wurden. Zumin­dest die Insek­ten, darun­ter auch Schäd­lin­ge, hatten von den warmen und trocke­nen Tempe­ra­tu­ren profi­tiert und sich reich­lich fortpflan­zen können. Außer­dem, so Brömser, überleb­ten in den milden Wintern mehr dieser Schäd­lin­ge.