Dass US-Präsi­dent Trump für die Republi­ka­ner in die Wahl im Novem­ber zieht, war ausge­mach­te Sache. Nun hat ihn der Partei­tag auch offizi­ell nominiert. «Four more years», skandiert das Publi­kum — vier weite­re Jahre Trump.

Der Republi­ka­ner zieht damit am 3. Novem­ber gegen seinen demokra­ti­schen Heraus­for­de­rer Joe Biden in die Wahl. Biden war in der vergan­ge­nen Woche als Kandi­dat der Demokra­ten gekürt worden.

Trump erhofft sich von dem Partei­tag auch neuen Rücken­wind für seinen Wahlkampf. In landes­wei­ten Umfra­gen liegt er derzeit hinten. Die Websei­te FiveThir­ty­Eight, die zahlrei­che Umfra­gen auswer­tet und gewich­tet, sieht Biden bei 51 Prozent der Stimmen, Trump bei 42 Prozent. Landes­wei­te Befra­gun­gen haben wegen des Wahlsys­tems in den USA begrenz­te Aussa­ge­kraft. Für einen Sieg ist eine Mehrheit von 270 Wahlleu­ten aus den Bundes­staa­ten ausschlag­ge­bend. Trump war es 2016 gelun­gen, die Mehrheit der Wahlleu­te auf sich zu verei­nen, obwohl er keine Mehrheit der Stimmen gewin­nen konnte.

Der Partei­tag der Republi­ka­ner wird — wie schon der der Demokra­ten — von der Corona-Pande­mie auf den Kopf gestellt und findet in deutlich abgespeck­ter Form statt. Bis kurz vor dem Treffen veröf­fent­lich­ten die Republi­ka­ner kein Programm. Ursprüng­lich wollten die Republi­ka­ner in Charlot­te ein viertä­gi­ges Mega-Event mit Tausen­den Gästen abhal­ten. Wegen der Corona-Bestim­mun­gen in North Caroli­na ließ Trump den Haupt­teil des Partei­tags dann nach Jackson­vil­le (Flori­da) verle­gen. Nachdem sich Flori­da zu einem Hotspot in der Pande­mie entwi­ckel­te, wurde dieser Teil des Treffens wieder gestri­chen.

Die Vorsit­zen­de der Republi­ka­ner, Ronna McDani­el, sagte zum Auftakt: «Lasst uns am 3. Novem­ber gewin­nen. Lasst uns Donald Trump wieder­wäh­len.» Das Publi­kum skandier­te: «Four more years» — vier weite­re Jahre Trump.

Der Partei­tag nominier­te am Montag Vizeprä­si­dent Mike Pence als Trumps Stell­ver­tre­ter auch für eine zweite Amtszeit. Der Demokrat Biden zieht mit der Senato­rin Kamala Harris als Kandi­da­tin für den Vizeprä­si­den­ten-Posten in die Wahl. Sie wäre die erste schwar­ze Ameri­ka­ne­rin in dem Amt.

Trumps Wahlkampf­team veröf­fent­lich­te am Montag kurz vor Beginn des Partei­tags Ziele für Trumps zweite Amtszeit. Die Außen­po­li­tik soll sich demnach auch in einer zweiten Amtszeit an Trumps Leitmo­tiv «Ameri­ca First» orien­tie­ren. Verbün­de­te sollen dazu gedrängt werden, ihren «fairen Anteil» im Vertei­di­gungs­be­reich zu bezah­len. Trump wirft in diesem Zusam­men­hang beson­ders Deutsch­land immer wieder vor, den Nato-Verpflich­tun­gen nicht nachzu­kom­men.

Das Wahlkampf­team teilte mit, Trump wolle zehn Millio­nen neue Jobs inner­halb von zehn Monaten schaf­fen und Steuern senken. Trump stellt außer­dem einen Impfstoff gegen das Corona­vi­rus bis zum Jahres­en­de und eine Rückkehr zur Norma­li­tät im kommen­den Jahr in Aussicht. Der Präsi­dent will außer­dem die Abhän­gig­keit von China beenden. So sollen etwa eine Milli­on Jobs im Ferti­gungs­be­reich zurück in die USA geholt werden. Firmen, die nach China outsour­cen, sollen keine Aufträ­ge der US-Bundes­re­gie­rung mehr bekom­men.

Trump verspricht zudem eine weite­re Verschär­fung des Vorge­hens gegen illega­le Migra­ti­on. Im Gesund­heits­be­reich will er unter anderem die Preise für Medika­men­te senken.

Zentra­ler Teil des Partei­tags­pro­gramms der Republi­ka­ner sind Anspra­chen zur Haupt­sen­de­zeit am Abend (jeweils von 2.30 MESZ bis 5.00 MESZ), die online und in vielen Fernseh­sen­dern live übertra­gen werden. US-Medien­be­rich­ten zufol­ge will Trump an jedem Abend sprechen. Am Diens­tag­abend (Ortszeit) soll First Lady Melania Trump vom Rosen­gar­ten des Weißen Hauses aus als Haupt­red­ne­rin sprechen. Am Mittwoch steht ein Auftritt von Vizeprä­si­dent Mike Pence auf dem Programm. Auch mehre­re von Trumps erwach­se­nen Kindern sowie andere promi­nen­te Republi­ka­ner sollen für Trump werben.

Biden hatte in seiner Nominie­rungs­re­de auf dem Partei­tag der Demokra­ten am Donners­tag vergan­ge­ner Woche unter anderem verspro­chen, das Land bei einem Wahlsieg im Novem­ber aus der «Dunkel­heit» heraus­zu­füh­ren, mit der Trump es überzo­gen habe. Trumps Vorgän­ger Barack Obama — unter dem Biden Vizeprä­si­dent war — stell­te den Amtsin­ha­ber als Gefahr für die Demokra­tie dar und warf ihm Versa­gen sowie Macht­miss­brauch vor.

Trump hatte im Vorwahl­kampf keine ernst­haf­ten partei­in­ter­nen Heraus­for­de­rer. Als Erfolg seiner Amtszeit präsen­tiert er vor allem eine positi­ve Entwick­lung der Wirtschaft, der die Pande­mie aller­dings ein jähes Ende setzte. Nach Statis­ti­ken der Johns-Hopkins-Univer­si­tät starben bislang mehr als 176.000 Menschen in den USA nach einer Infek­ti­on mit dem Corona­vi­rus. Millio­nen Menschen wurden arbeits­los. Biden wirft Trump vor, beim Schutz der Ameri­ka­ner versagt zu haben.