BERLIN (dpa) — Nach den Gesprä­chen mit der FDP wird der Union mangeln­de Vertrau­lich­keit vorge­wor­fen. Die Grünen hinter­fra­gen vor der geplan­ten Sondie­rung gar die Verhand­lungs­fä­hig­keit von CDU und CSU.

Führen­de Grüne haben der Union vor dem gemein­sa­men Sondie­rungs­ge­spräch am Diens­tag mangeln­de Diskre­ti­on vorge­wor­fen. Es sei in allen Runden Vertrau­lich­keit verein­bart worden, sagte der politi­sche Bundes­ge­schäfts­füh­rer der Grünen, Micha­el Kellner, am Diens­tag im RTL/ntv-«Frühstart».

«Dass man dann die Kommu­ni­ka­ti­on über die «Bild»-Zeitung betreibt, wirft kein gutes Licht auf die Zustän­de in der Union», sagte Kellner, der dem zehnköp­fi­gen Sondie­rungs­team der Grünen angehört. Es sei «auffäl­lig», dass aus dem einzi­gen Sondie­rungs­tref­fen der Union — dem mit der FDP am Sonntag — etwas bekannt gewor­den sei. «Das hat uns schon schwer irritiert.» Auf die Frage, ob er sich vor den heuti­gen Gesprä­chen von Grünen und Union Sorgen mache, ob alles geheim bleibt, sagte er: «Ja, die Sorge habe ich.»

Mit dem Treffen von Union und Grünen endet am Vormit­tag (11.00 Uhr) eine erste Reihe von Sondie­rungs­ge­sprä­chen über eine neue Regie­rung. Die Grünen-Politi­ker Cem Özdemir und Jürgen Trittin äußer­ten Zweifel an der Verhand­lungs­fä­hig­keit von CDU und CSU. Dass aus dem Treffen von Union und FDP Ergeb­nis­se durch­ge­si­ckert seien, sei nicht gerade ein Vertrau­ens­be­weis und ein «Zeichen für inter­ne Führungs­pro­ble­me», sagte Özdemir am Diens­tag in der Sendung «RTL Direkt». Das sei ein Signal, dass die Union ein massi­ves Problem habe.

Gesprächs­in­hal­te in Medien­be­rich­ten wiedergefunden

Trittin sagte: «Der entschei­den­de Punkt am heuti­gen Tag wird sein, ob eigent­lich die CDU willens und fähig ist, überhaupt solche Verhand­lun­gen und entspre­chen­de Verein­ba­run­gen zu treffen.» Einen monate­lan­gen Klärungs­pro­zess «kann sich Deutsch­land schlicht und ergrei­fend nicht leisten», erklär­te er im Deutsch­land­funk. Der dem linken Partei­flü­gel zugerech­ne­te Politi­ker beton­te das Trennen­de: «Wir wissen eben auch wie hoch die Hürden sind. Und da kommt es dann sehr stark auf die Frage an, ob und wie weit auf beiden Seiten verhand­lungs- und vertrags­fä­hi­ge Gesprächs­part­ner vorhan­den sind.» Özdemir und Trittin sind bei der Sondie­rung im engeren Kreis nicht dabei, gehören aber dem erwei­ter­ten Sondie­rungs­team der Grünen an.

Mehre­re FDP-Politi­ker hatten der Union nach den Gesprä­chen über eine Regie­rungs­bil­dung einen Bruch der verein­bar­ten Vertrau­lich­keit vorge­wor­fen, weil Infor­ma­tio­nen daraus an die Medien gelangt waren. «Es gab vergan­ge­nes Wochen­en­de drei Sondie­rungs­ge­sprä­che, an denen ich für die FDP auch teilge­nom­men habe. Aus zweien liest und hört man nix. Aus einem werden angeb­li­che Gesprächs­in­hal­te an die Medien durch­ge­sto­chen», schrieb der FDP-Partei­vi­ze Johan­nes Vogel am Montag auf Twitter. «Das fällt auf, liebe Union — und es nervt!»

Die «Bild»-Zeitung hatte zuvor gemel­det, mehre­re Politi­ker, die bei den Gesprä­chen von Union und FDP dabei gewesen seien, hätten berich­tet, die FDP habe klar signa­li­siert, für Jamai­ka bereit zu stehen. Nach den 2017 geplatz­ten Gesprä­chen zwischen Union, Grünen und FDP, die von zahlrei­chen Indis­kre­tio­nen geprägt worden waren, setzen Grüne und FDP nun darauf, dass die Beratun­gen zwisch