KÖLN (dpa) — Die tägli­che Dusche gehört für viele Menschen dazu — zur Körper­hy­gie­ne, aber auch als Wohlfühl­ri­tu­al, in das man sich ungern reinre­den lässt. In der Energie­kri­se wird das zum Streitthema.

Kürzer, kälter oder selte­ner duschen — angesichts der Energie­kri­se geben Politi­ker seit einigen Wochen «Dusch-Tipps» und preisen ihre eigenen Gewohnheiten.

Bundes­wirt­schafts­mi­nis­ter Robert Habeck (Grüne) duscht nach eigener Aussa­ge seit Beginn des Ukrai­ne-Kriegs kürzer. Der FDP-Politi­ker Wolfgang Kubicki (FDP) duscht «überwie­gend kalt», ließ den Ampel­ko­ali­ti­ons-Kolle­gen via «Bild» aber auch wissen: «Robert Habeck darf gerne so kurz duschen, wie er es für richtig hält. Ich schaue jeden­falls nicht auf die Uhr, wenn ich in der Dusche stehe. Ich dusche so lange, bis ich fertig bin.» Und Baden-Württem­bergs Minis­ter­prä­si­dent Winfried Kretsch­mann (Grüne) erinner­te daran: «Auch der Wasch­lap­pen ist eine brauch­ba­re Erfindung.»

Dabei gehört die tägli­che Dusche für viele Menschen einfach dazu — aus hygie­ni­schen Gründen, aber auch, um frisch und beschwingt in den Tag zu starten.

Geduscht wird seit der Franzö­si­schen Revolution

Duschen zur Körper­rei­ni­gung wurde in Europa erst nach der Franzö­si­schen Revolu­ti­on populär. In Deutsch­land wirkte das preußi­sche Militär als Vorrei­ter, das etwa ab Mitte des 19. Jahrhun­derts in seinen Kaser­nen Mannschafts­brau­sen instal­lie­ren ließ — als effizi­en­tes Mittel, um in kurzer Zeit möglichst viele Menschen zu säubern.

In priva­ten Badezim­mern gewann die Dusche dann mit dem Aufkom­men von Gasba­de­öfen um die Jahrhun­dert­wen­de an Bedeu­tung. Noch in den 1950/60er Jahren war in den meisten Haushal­ten samstags Badetag. Erst in den vergan­ge­nen Jahrzehn­ten setzte sich das tägli­che Duschen nach und nach gegen das wöchent­li­che Wannen­bad durch.

Heutzu­ta­ge ist eine Dusche im Badezim­mer Standard, es gibt sie in vielen Varian­ten und mit immer neuen Funktio­nen. Wer will, kann aus seiner Dusche eine richti­ge Wellness-Oase machen. Herstel­ler bieten Regen­du­schen, Dampf­du­schen, Massa­ge­du­schen, ebenerdi­ge Duschen oder Duschen mit farbi­ger Beleuch­tung an. Das Duschen ist eben auch ein Wohlfühlritual.

«Duschen ist ein sinnli­ches Erlebnis»

Stephan Grüne­wald, Geschäfts­füh­rer des Kölner Rhein­gold-Insti­tuts, sieht darin sogar einen «symbo­lisch aufge­la­de­nen Akt» der Selbst­wirk­sam­keit. «Für viele Menschen hat die morgend­li­che Dusche die Funkti­on, dass man erstmal zu sich kommt, dass aus einem diffus-traum­ver­lo­re­nen Zustand das “Selbst” erwacht», erläu­tert er. «Das Duschen ist ein sinnli­ches Erleb­nis als erlaub­ter Akt der Selbstberührung.»

Der behag­lich warme Wasser­strahl, gefolgt von kaltem Abduschen und anschlie­ßen­dem Abrub­beln habe den Effekt eines «Rebirt­hing», einer Art «Wieder­ge­burt im Badezim­mer». Wenn jemand den Menschen nun vorschrei­ben wolle, das Duschen einzu­schrän­ken oder gar durch einen Wasch­lap­pen zu erset­zen, führe dies zu einer Abwehr­hal­tung, sagt Grüne­wald. «Der Wunsch nach Selbst­wirk­sam­keit wird konterkariert.»

Aus Energie­spar­grün­den kürzer duschen

Dabei sei der Ratschlag, aus Energie­spar­grün­den kürzer zu duschen, ja durch­aus sinnvoll. «Proble­ma­tisch wird es, wenn sich die Bürger wie Kinder behan­delt und in eine Befehls­emp­fän­ger-Positi­on gedrängt fühlen», meint der Psycho­lo­ge. Bei vielen Menschen steige dann die Sorge, entmün­digt und — im übertra­ge­nen Sinne — selbst zum Wasc