Eine Advents­zeit ohne Weihnachts­märk­te. Für viele Menschen ist das eine trauri­ge Nachricht. Für die Schau­stel­ler ist es ein Schock.

«Wir sind erschüt­tert», sagte der Vizeprä­si­dent des Deutschen Schau­stel­ler­bunds, Lorenz Kalb, in Nürnberg. Die Weihnachts­märk­te seien eine wichti­ge Einnah­me­quel­le für die Schau­stel­ler­fa­mi­li­en — vor allem in diesem Jahr.

«Unsere Existenz ist schon seit der Absage sämtli­cher Volks­fes­te dieser Saison bedroht und die Absage der Weihnachts­märk­te kommt einer Natur­ka­ta­stro­phe gleich», sagte auch Stephan Haimerl aus dem nieder­baye­ri­schen Strau­bing. Norma­ler­wei­se reist er ab Mai mit zwei Süßig­kei­ten­stän­den und einem Imbiss von einem Volks­fest zum nächs­ten. Doch die Haupt­sai­son fiel für ihn komplett ins Wasser. So hatten er und viele seiner Kolle­gin­nen und Kolle­gen zumin­dest auf die Advents­zeit gehofft.

Deshalb hatte sich der Süddeut­sche Schau­stel­ler­ver­band — dessen Vorsit­zen­der Kalb ist — im Sommer ein Konzept überlegt, wie Volks­fes­te trotz der Corona-Pande­mie dennoch machbar sind. Der Beweis sei der Erfolg der Nürnber­ger Sommer­ta­ge im August gewesen, die ein ausge­klü­gel­tes Hygie­ne-Konzept gehabt hätten, sagte Kalb. Das Konzept hätten später auch andere Veran­stal­ter in Deutsch­land übernom­men. «Überall ist es gelobt worden. Nirgend­wo gab es eine nachge­wie­se­ne Infek­ti­on», sagte Kalb.

Aller­dings: Exper­ten zufol­ge lässt sich derzeit für den überwie­gen­den Teil der Infek­tio­nen gar nicht nachvoll­zie­hen, wo sie passiert sind, und es ist kaum zu beurtei­len, ob Hygie­nekon­zep­te tatsäch­lich Anste­ckun­gen auf Weihnachts­märk­ten verhin­dern können. Nichts­des­to­trotz ist die Enttäu­schung bei den Schau­stel­ler­fa­mi­li­en groß. «Wir wollten damit mit Blick auf die Weihnachts­märk­te bewei­sen, dass es geht», sagte Kalb. Doch die aller­meis­ten Weihnachts­märk­te seien bereits abgesagt.

Jetzt stehen die Betrie­be wieder da, wie vor Monaten: Sie wissen nicht, wie es weiter geht. «Wir Schau­stel­ler sehen momen­tan gar kein Licht am Ende des Tunnels, da Veran­stal­tun­gen für das nächs­te Jahr im Frühjahr zum Teil schon abgesagt werden», sagte Haimerl.

Die Durst­stre­cke in den vergan­ge­nen Monaten hatte er versucht, mit einem Liefer­ser­vice für gebrann­te Mandeln, Popcorn und Magen­brot zu überbrü­cken. Doch das habe nur am Anfang der Corona-Welle funktio­niert, sagte Haimerl. «Unsere volks­fest­ty­pi­schen Artikel gehen und gehören halt nur auf ein Volksfest.»

Vielen der ein paar Tausend Schau­stel­ler­be­trie­be fehlen nach Angaben von Kalb seit Ende vergan­ge­nen Jahres die Einnah­men, weil für sie die Saison mit den Weihnachts­märk­ten endet, bei manchen sogar früher. «Wir fordern dringend Unter­stüt­zung», sagte er. «Wir sind die, die am längs­ten von der Krise betrof­fen sind.» Wie viele Betrie­be von der Existenz bedroht sind, kann er nicht sagen. Er sehe aber die Gefahr, dass das jahrhun­der­te­al­te Gewer­be der Schau­stel­ler unter­ge­he. «Das ist ein dringen­der Hilfe­ruf», beton­te er.

Die kleinen, dezen­tra­len Veran­stal­tun­gen in einigen Städten seien nur ein Tropfen auf dem heißen Stein gewesen, beschrieb Haimerl seine Situa­ti­on. Die Nothil­fen würden nur 80 Prozent der Fixkos­ten für drei Monate abdecken. Der Lebens­un­ter­halt seiner Familie sei dabei gar nicht eingerechnet.