WEINGARTEN — Seit Mai 2022 ist Hartmut Gräter Klima­schutz­ma­na­ger an der Hochschu­le Ravens­burg-Weingar­ten. Seine Aufga­be ist es gemein­sam mit der Hochschu­le die Netto-Treib­haus­mo­bi­li­tät bis 2030 zu erreichen.

Europa blickt einer Hitze­wel­le entge­gen. Ausge­trock­ne­te Fluss­bet­ten, Städte im Hitzes­tress, brennen­de Wälder und nun auch das Wasser­ent­nah­me­ver­bot aus Oberflä­chen­ge­wäs­sern. Der Anfang vom Ende? Keines­wegs, meint Hartmut Gräter. Der neue Klima­schutz­ma­na­ger der RWU blickt optimis­tisch in die Zukunft. „Ich bin ein Boomer, der sich für den Klima­schutz einsetzt“, sagt Hartmut Gräter. „Nicht zu verwech­seln mit den sogenann­ten Doomern, nach deren Ansicht alles schon zu spät ist.“ Ihnen dürfe man keines­falls Recht geben. „Es ist nicht so, dass man nichts mehr retten kann. Man darf nur nicht so weiter machen wie bisher.“

Viele spannen­de Baustellen

Doch wie macht man’s anders? „Baden-Württem­berg hat sich mit dem neuen Klima­schutz­ge­setz ein ambitio­nier­tes Ziel gesteckt“, sagt der Klima­schutz­ma­na­ger. Der Treib­haus­gas­aus­stoß des Landes soll im Vergleich zu 1990 um mindes­tens 65 Prozent bis zum Jahr 2030 gesenkt werden. Die Landes­ver­wal­tung soll im Rahmen ihrer Vorbild­wir­kung bereits 2030 die Netto-Treib­haus­neu­tra­li­tät errei­chen. „Wir reden hier über ein Ziel, das nur rund acht Jahre entfernt liegt. Das ist ganz schön mutig.“ Wie der Campus der RWU bis 2030 klima­neu­tral werden kann, wird in enger Zusam­men­ar­beit zwischen dem zustän­di­gen Amt für Vermö­gen und Bau, dem Techni­schen Leiter der RWU — Tillman Pfaue — und dem Senats­be­auf­trag­ten für Nachhal­tig­keit, Profes­sor Dr. Markus Pfeil untersucht. 

„Jeder Campus ist anders, aber es sind immer ähnli­che Maßnah­men, die zum Ziel führen“, erklärt Hartmut Gräter. Die messtech­ni­sche Erfas­sung und das Monito­ring werden verbes­sert, Verteil­ver­lus­te verrin­gert, die energe­ti­sche Sanie­rung von Gebäu­den voran­ge­trie­ben, die Hackschnit­zel­an­la­ge weiter optimiert und die Strom­erzeu­gung über Fotovol­ta­ik ausge­baut. Die Gremi­en der Hochschu­le und ehren­amt­lich Engagier­te sollen in diesen Prozess inten­siv einbe­zo­gen werden. „Wir benöti­gen eine breite und stabi­le Mehrheit für ein so weitrei­chen­des Konzept, auch beim ausfüh­ren­den Bauamt“, sagt Hartmut Gräter. „Das werden viele spannen­de Baustel­len, aber es wird sich für Umwelt und Steuer­zah­ler lohnen. Nicht zuletzt trägt ein ehrgei­zi­ges Klima­schutz­kon­zept zur Attrak­ti­vi­tät des Studi­en­stand­or­tes bei. Wie bei der Formu­la Student gilt: Wir wollen vorne dabei sein.“

Für die junge Generation

Neben der RWU ist Hartmut Gräter für fünf weite­re Hochschu­len zustän­dig. „Das Charman­te ist, dass die Hochschu­len vonein­an­der lernen können.“ Jede Hochschu­le habe bereits Maßnah­men umgesetzt und Erfah­run­gen sammeln können, jeder Techni­sche Betrieb verfü­ge über Exper­ti­se in einem anderen Bereich. „Ich komme immer ein bisschen schlau­er nach Hause.“ Das Klima­schutz­ma­nage­ment an den Hochschu­len, für Hartmut Gräter ist es ein inspi­rie­ren­des Arbeits­um­feld. „Ich arbei­te für die junge Genera­ti­on. Viele von unseren Studie­ren­den werden das 22. Jahrhun­dert erleben und sie haben ein Anrecht darauf, dass wir ihnen eine lebens­wer­te Welt hinter­las­sen. Wenn wir‘s nicht können, wer dann?“

Hartmut Gräter ist Diplom-Ingenieur (FH) für Maschi­nen­bau und hat einen Master of Science in Archi­tek­tur und Umwelt. Seit 1999 beschäf­tigt er sich mit flächen- und energie­spar­ren­den Bauwei­sen und entwi­ckelt denkmal­ver­träg­li­che Nutzungs­kon­zep­te, die er als Projekt­lei­ter umgesetzt hat. An der Hochschu­le Wismar hat er von 2014 bis 2018 ein Energie- und Umwelt­kon­zept erarbei­tet und die Umset­zung sowie das Monito­ring beglei­tet. Er pflanzt liebe