Wenn man Sterne-Küche genie­ßen will, vermu­tet man die wohl nicht unbedingt auf einem Parkhaus­dach. Doch nicht nur Corona und Lockdown spielen bei der Präsen­ta­ti­on des neuen «Guide Miche­lin» eine Rolle.

FRANKFURT/BAIERSBRONN (dpa/lsw) — Auch wenn die Gastro­no­mie gerade corona- und lockdown­ge­beu­telt ist: In vielen Restau­rants im Südwes­ten bleibt die Küche ausge­zeich­net. In der neuen Ausga­be des Restau­rant­füh­rers «Guide Miche­lin» haben einige Häuser sogar Sterne dazube­kom­men — darun­ter alte Bekann­te mit schick­sal­haf­ter Geschichte.

So hat die «Schwarz­wald­stu­be» in Baiers­bronn (Landkreis Freuden­stadt) mehr als ein Jahr nach dem verhee­ren­den Brand ihre drei Sterne zurück. Das Restau­rant «tempor­ai­re — Schwarz­wald­stu­be» — eine Interims­lö­sung nach dem Feuer im Januar 2020 auf dem Dach des Parkhau­ses des Hotels «Traube Tonbach» — ist das einzi­ge Haus, das neu in die Spitzen­ka­te­go­rie aufge­nom­men wurde. Das Team freute sich über die Auszeich­nung und zeigte sich erleich­tert. Die Ehre müsse jedes Jahr neu erarbei­tet werden, sagte der Senior­chef des Hotels, Heiner Finkbei­ner, der Deutschen Presse-Agentur.

«Die Inhaber des Tradi­ti­ons­hau­ses, Familie Finkbei­ner, haben mit bewun­derns­wer­tem Einsatz inner­halb kürzes­ter Zeit ein neues vorüber­ge­hen­des Zuhau­se für das Restau­rant geschaf­fen. Hier knüpft das Küchen­team um Torsten Michel nahtlos an das bishe­ri­ge inter­na­tio­na­le Top-Niveau an», erklär­te Miche­lin dazu am Freitag in Frank­furt. Die Inspek­to­ren seien voller Begeis­te­rung über die klassisch-franzö­si­sche, kontrast­rei­che Küche gewesen.

Dem Tradi­ti­ons­haus, das sich mehr als 20 Jahre lang in Folge mit drei Sternen schmü­cken konnte, waren diese nach dem Brand aberkannt worden. Auch die benach­bar­te und ebenfalls den Flammen zum Opfer gefal­le­ne «Köhler­stu­be» bekam mit ihrer Zwischen­lö­sung wieder einen Stern. Das neue Stamm­haus soll Anfang 2022 fertig­ge­stellt sein.

Eine Riesen­last sei abgefal­len, sagte Michel der dpa. «Man steckt das Herzblut darein und macht seine Arbeit nach bestem Wissen und Gewis­sen.» Auch «Köhlerstuben»-Küchenchef Flori­an Stolte sagte, er sei «maximal aufge­regt» gewesen und wolle im Team mit Champa­gner ansto­ßen. Finkbei­ner sagte, er sei sehr froh über die Entschei­dung für die Interims­lö­sung. Nur so habe man die Mitar­bei­ter halten und ihnen eine Perspek­ti­ve geben können.

Nichts­des­to­trotz durch­le­be die Gastro­no­mie aufgrund der Pande­mie weiter­hin außer­ge­wöhn­lich schwie­ri­ge Zeiten, wie der inter­na­tio­na­le Direk­tor des «Guide Miche­lin», Gwendal Poullen­nec, erklär­te. Auch in Tonbach wartet man auf die Wieder­eröff­nung der Innengastronomie.

«Ich hab noch keine neuen Menü-Karten, weil wir noch gar nicht wissen, wann wir wieder aufma­chen können», sagte Michel. Eine Frage, die ihn umtreibt: «Geht uns jetzt das zweite Jahr der Bärlauch durch die Lappen?» Am meisten freue er sich — wie auch Stolte — auf die Zusam­men­ar­beit mit den Kolle­gen und die Inter­ak­ti­on mit den Gästen. «Es ist eine riesen Tragö­die in jegli­cher Hinsicht», sagte Michel.

Doch es herrscht auch Zuver­sicht: Finkbei­ner zufol­