Der Schock rasant steigen­der Corona-Zahlen hat offen­bar gewirkt: Schon in der vergan­ge­nen Woche verhiel­ten sich viele Menschen vorsich­ti­ger. Doch bis es wieder deutlich weniger Neuin­fek­tio­nen gibt, werden selbst bei einer Trend­um­kehr Wochen vergehen.

«Aktuell ist eine zuneh­men­de Beschleu­ni­gung der Übertra­gun­gen in der Bevöl­ke­rung in Deutsch­land zu beobach­ten», heißt es im Lagebe­richt des RKI vom Diens­tag­abend. Auf eine zumin­dest leich­te Abfla­chung des Anstiegs weisen die R‑Werte hin, die in den vergan­ge­nen Tagen meist nicht mehr so deutlich über 1 liegen. Da die Zahl der infizier­ten Perso­nen derzeit sehr hoch sei, gebe es aber weiter eine hohe Zahl tägli­cher Neuerkran­kun­gen, so das RKI.

Die Repro­duk­ti­ons­zahl, kurz R‑Wert, lag in Deutsch­land laut RKI-Lagebe­richt vom Diens­tag­abend bei 0,94 (Vortag: 1,07). Das bedeu­tet, dass ein Infizier­ter im Mittel knapp einen weite­ren Menschen ansteckt. Der R‑Wert bildet jeweils das Infek­ti­ons­ge­sche­hen etwa einein­halb Wochen zuvor ab. Zudem gibt das RKI in seinem Lagebe­richt ein sogenann­tes Sieben-Tage‑R an. Der Wert bezieht sich auf einen länge­ren Zeitraum und unter­liegt daher weniger tages­ak­tu­el­len Schwan­kun­gen. Nach RKI-Schät­zun­gen lag dieser Wert am Diens­tag bei 0,98 (Vortag: 1,04). Er zeigt das Infek­ti­ons­ge­sche­hen von vor 8 bis 16 Tagen.

Daten des Corona-Monitors des Bundes­in­sti­tuts für Risiko­be­wer­tung (BfR) hatten gezeigt, dass sich die dafür Befrag­ten schon in der vergan­ge­nen Woche vorsich­ti­ger als noch zwei Wochen zuvor verhiel­ten. Bis sich die Wirkung des seit Montag greifen­den Teil-Lockdowns bei den Infek­ti­ons­zah­len zeigt, dauert es wegen der Spannen von der Anste­ckung zu Sympto­men, Test und Erfas­sung nach RKI-Angaben zwei bis drei Wochen.

Ob das leich­te Sinken der R‑Werte in den vergan­ge­nen Tagen ein stabi­ler Trend oder eine Schwan­kung sei, könne man noch nicht sagen, hatte RKI-Vizeprä­si­dent Lars Schaa­de gesagt. Den Wert auf 1 zu senken — das heißt, dass ein Infizier­ter eine andere Person ansteckt — reiche nicht. Um in eine wieder kontrol­lier­ba­re Lage zu kommen, müsse die Repro­duk­ti­ons­zahl weiter gesenkt werden und eine länge­re Zeit deutlich unter 1 liegen, bei 0,7 oder noch niedri­ger. Auch dann werde es Wochen dauern, bis man wieder im Bereich von täglich 2000 Neuin­fek­tio­nen sei.

Die Zahl erfass­ter Corona-Infek­tio­nen je 100.000 Einwoh­ner lässt bisher auf ein weiter an Dynamik gewin­nen­des Infek­ti­ons­ge­sche­hen schlie­ßen. Für die vergan­ge­nen sieben Tagen liegt der Wert bei 125,8 (Stand 4.11. 00.00 Uhr; Vortag: 124,2), wie das Robert Koch-Insti­tut RKI am Mittwoch mitteil­te. Am Freitag hatte die sogenann­te 7‑Tage-Inzidenz erstmals über 100 gelegen (104,9), vor vier Wochen (7.10.) hinge­gen bei gerade mal 18,6. Eine hohe 7‑Tage-Inzidenz zeigt an, dass sich viele Menschen mit dem Virus infiziert haben.

Seit Anfang Septem­ber nimmt der Anteil älterer Perso­nen unter den Covid-19-Fällen dem RKI zufol­ge wieder zu. Das sei «besorg­nis­er­re­gend, da diese Perso­nen schwe­rer an Covid-19 erkran­ken, ein höheres Sterbe­ri­si­ko haben und häufi­ger eine inten­siv­me­di­zi­ni­sche Thera­pie benöti­gen». Die Zahl inten­siv­me­di­zi­nisch behan­del­ter Covid-19-Fälle hat sich demnach in den vergan­ge­nen zwei Wochen von 879 Patien­ten (20.10.) auf 2388 Patien­ten (3.11.) fast verdrei­facht. Der bishe­ri­ge Höchst­stand hatte nach Daten der Deutschen Inter­dis­zi­pli­nä­ren Verei­ni­gung für Inten­siv- und Notfall­me­di­zin