Missbrauchs­op­fer von katho­li­schen Pries­tern sollen künftig Ausgleichs­zah­lun­gen von bis zu 50.000 Euro von der Kirche bekom­men. Aus Sicht der Betrof­fe­nen wird dies den erlit­te­nen Verbre­chen in keiner Weise gerecht.

Das hat der Vorsit­zen­de der Deutschen Bischofs­kon­fe­renz (DBK), Georg Bätzing, am Donners­tag zum Abschluss der Herbst­voll­ver­samm­lung in Fulda gesagt. «Wir gehen wirklich in einen hohen Bereich», erklär­te der DBK-Vorsit­zen­de. «Das ist ein erheb­li­cher Fortschritt.»

Opfer­ver­tre­ter kriti­sier­ten die Entschei­dung. «Nach zehn Jahren beschlie­ßen die Bischö­fe, sich an staat­li­chem Recht zu orien­tie­ren. Damit geben Sie zu, dass die sogenann­te “Anerken­nungs­zah­lung” von bis zu 5000 Euro in den letzten Jahren Unrecht war», erklär­te der Sprecher der Initia­ti­ve «Eckiger Tisch», Matthi­as Katsch.

Die Entschei­dung der Bischö­fe führe «in die Irre», denn es gehe nicht um den Ausgleich für aktuel­le Taten, wie sie mit Schmer­zens­geld­ta­bel­len staat­li­cher Gerich­te erfol­ge, sondern es müsse um einen Ausgleich gehen für «jahrzehn­te­lan­ge syste­ma­ti­sche Vertu­schung und Verdun­ke­lung von Verbre­chen an Kindern und Jugend­li­chen durch die Insti­tu­ti­on Kirche und die Folgen, die dies in den Biogra­fien der Opfer hinter­las­sen hat», so die Initia­ti­ve. «Deshalb fordern wir, die Empfeh­lun­gen der unabhän­gi­gen Kommis­si­on zu Sexuel­lem Missbrauch aus 2019, in denen Exper­tin­nen und Exper­ten Schmer­zens­geld­zah­lun­gen zwischen 40.000 und 400.000 Euro empfoh­len haben, zur Grund­la­ge von Gesprä­chen zwischen Betrof­fe­nen und Bischö­fen zu machen.»

Auf die Frage, warum die Kirche Anerken­nungs- und keine Entschä­di­gungs­zah­lun­gen anbie­te, sagte Bätzing, für Entschä­di­gung gebe es gelten­de Standards mit sehr hohen Anspruchs­for­de­run­gen etwa an die Beweis­la­ge. Genau das wolle man den Betrof­fe­nen erspa­ren, und deswe­gen steige die Kirche nicht in ein Schadens­sys­tem ein.

Wer künftig welche Leistung für erlit­te­nen Missbrauch bekommt, soll von einem zentra­len und unabhän­gig besetz­ten Gremi­um festge­legt werden. Bätzing sagte, woher die Mittel für die Zahlun­gen kämen, werde jeweils von den einzel­nen Bistü­mern entschie­den. Einige Bistü­mer könnten dabei wohl nur auf Kirchen­steu­er-Einnah­men zurück­grei­fen. Bätzing empfahl, bei weite­ren Missbrauchs­gut­ach­ten die Verant­wort­li­chen für die mangeln­de Aufar­bei­tung auch mit Namen zu nennen. «Das ist ein reini­gen­der Prozess», sagte er. «Ich ermuti­ge dazu, dies zu tun.»

Der von Bewegun­gen wie «Maria 2.0» oder «Wir sind Kirche» gefor­der­te Zugang für Frauen zu allen kirch­li­chen Ämtern kann aus Sicht der Bischofs­kon­fe­renz nicht in Deutsch­land allein entschie­den werden. Man samme­le zwar Argumen­te, aber zu dieser Frage bedür­fe es eines Konzils und einer weltkirch­li­chen Entschei­dung, sagte Bätzing.

Der Reform­pro­zess Synoda­ler Weg gehör­te zu den Schwer­punk­ten der dreitä­gi­gen Herbst­voll­ver­samm­lung. Konkre­te Ergeb­nis­se dazu gab Bätzing nicht bekannt. Man habe sich in den Gesprä­chen etwa mit der Frage befasst, inwie­weit kirch­li­che Lehre offen für Weiter­ent­wick­lung sei. Der Reform­pro­zess umfasst die Themen­fel­der Umgang der Kirche mit Macht, die kirch­li­che Sexual­mo­ral, die umstrit­te­ne Ehelo­sig­keit von Pries­tern (Zölibat) und die Rolle der Frauen in der Kirche.

Bätzing sprach von einer «kolos­sa­len Krise» der katho­li­schen Kirche in Deutsch­land. Diese sei einer­seits ausge­löst durch den Missbrauchs­skan­dal, aber auch dadurch, dass bestimm­te kontro­ver­se Fragen seit Jahrzehn­ten ungeklärt seien. Eben deshalb habe die katho­li­sche Kirche in Deutsch­land den Synoda­len Weg begon­nen.

Die Reform­be­we­gung «Wir sind Kirche» appel­lier­te an die Bischö­fe, den mühsa­men Reform­pro­zess mit voller Kraft weiter­zu­ge­hen. Jeder Versuch, diesen Prozess aufzu­wei­chen und der drängen­den Frauen­fra­ge auszu­wei­chen, würde die Kirchen­kri­se noch verschär­fen und die Austritts­zah­len in die Höhe schnel­len lassen, sagte der Sprecher der Bewegung, Chris­ti­an Weisner.