BAD SCHUSSENRIED — Der Septem­ber gilt nicht zu Unrecht als “Mai des Herbs­tes”. Die große Hitze ist vorüber und mit dem Spätsom­mer, der allmäh­lich in den Altwei­ber­som­mer übergeht, herrscht häufig angenehm tempe­rier­tes Wohlfühl­wet­ter. Dieses Jahr aller­dings nur bis zur Monats­mit­te. Bei ordent­lich Sonnen­schein und öfters mal mit Föhnun­ter­stüt­zung stieg das Queck­sil­ber regel­mä­ßig über 20 Grad, an vier Tagen sogar nochmals über die Sommer­mar­ke von 25 Grad. Am 13. (Diens­tag) schau­fel­te der Ex-Hurri­kan “Danielle” auf seiner Vorder­sei­te einen Schwall subtro­pi­scher Luft mit Saharastaub aus Nordafri­ka nach Süddeutsch­land, wobei die Tempe­ra­tu­ren beson­ders im föhni­gen Allgäu örtlich nahe an die 30-Grad-Marke kletter­ten. So etwas erlebt man Mitte Septem­ber selten, wenn überhaupt. Bei nach wie vor badetaug­li­chen Werten von 20 bis 23 Grad luden die Natur­se­en noch lange Zeit zu einem Sprung ins kühlen­de Nass ein.

Doch ab dem 16. wehte ein anderer Wind. Kam die Luft davor zumeist aus südli­chen Gefil­den, gelang­te nun mit Drehung der Höhen­strö­mung auf Nordwest frische Polar­luft von Grönland auf direk­tem Wege zu den Alpen. Über Nacht zog der Herbst ins Land und in den Bergen sank die Schnee­fall­gren­ze vorüber­ge­hend bis gegen 1500 Meter herab, sodass sich die Höhen­zü­ge der Nagel­fluh­ket­te um den Hochgrat und das Säntis­mas­siv im weißen Winter­kleid präsen­tier­ten. Auch auf dem Feldberg fielen Schnee­flo­cken, was für die fortge­schrit­te­ne Jahres­zeit nicht ungewöhn­lich ist. Zwischen dem 20. und 23. kam die einge­flos­se­ne Kaltluft unter Hochdruck­ein­fluss, weshalb sich in den stern­kla­ren Nächten Boden­frost, mancher­orts sogar die ersten Luftfrös­te, gemes­sen in zwei Meter Höhe, einstell­ten. So unter anderem in Merklin­gen, Winter­lin­gen, Hüfin­gen, Obersta­di­on, Hochdorf-Appen­dorf, Guten­zell-Hürbel und Bad Saulgau.

Die erste Monats­hälf­te mehr als drei Grad zu warm, die zweite beina­he vier Grad zu kalt, unterm Strich und bezogen auf die letzten dreißig, bereits deutlich vom Klima­wan­del gepräg­ten Jahre, ein leicht unter­kühl­ter Septem­ber. Im Vergleich zur Standard­re­fe­renz­pe­ri­ode 1961 bis 1990, also dem Bezugs­zeit­raum zur Betrach­tung langfris­ti­ger Klima­ver­än­de­run­gen, liegt er auf das Zehntel Grad genau in der statis­ti­schen Norm. 

Von der sommer­li­chen Trocken­heit ist mittler­wei­le kaum mehr etwas zu sehen oder zu spüren, w