Unter dem Stich­wort «Komasaufen» wurde in der Vergan­gen­heit oft über das Thema disku­tiert: Jedes Jahr müssen Tausen­de Kinder und Jugend­li­che mit Alkohol­ver­gif­tung im Kranken­haus behan­delt werden. Die Zahlen sinken insge­samt — aber nicht in allen Alters­grup­pen.

Aller­dings gibt es einen Anstieg der Fälle in der jüngs­ten Gruppe. Das berich­tet die DAK-Gesund­heit unter Berufung auf Daten der statis­ti­schen Landes­äm­ter. Der dpa liegt eine entspre­chen­de Auswer­tung der Kranken­kas­se vor.

Demnach kamen 2018 knapp 20.500 Kinder, Jugend­li­che und junge Erwach­se­ne zwischen 10 und 20 Jahren volltrun­ken ins Kranken­haus — aktuel­le­re Zahlen gibt es nach DAK-Angaben noch nicht. Ein Jahr zuvor waren es rund 1000 Fälle mehr gewesen. 2016 lag die Zahl der Fälle noch höher bei rund 22.300. Davor hatte es über drei Jahre einen Rückgang gegeben.

Zugenom­men hat 2018 die Zahl der Fälle, in denen Kinder oder sehr junge Jugend­li­che mit Alkohol­ver­gif­tung in die Klinik mussten. 2979 Kinder und Jugend­li­che zwischen 10 und 15 Jahren wurden deswe­gen im Kranken­haus behan­delt. Ein Anstieg um 230 Fälle im Vergleich zum Vorjahr (2749).

«Der Rückgang der alkohol­be­ding­ten Kranken­haus­ein­wei­sun­gen zeigt, dass wir auf dem richti­gen Weg sind. Dennoch ist das Rauscht­rin­ken gerade bei den ganz jungen Alters­grup­pen gerade­zu alarmie­rend», sagte Andre­as Storm, Vorstands­chef der DAK-Gesund­heit. «Wir müssen deshalb weiter­hin alle Kraft in die Aufklä­rung über die Gefah­ren des exzes­si­ven Alkohol­kon­sums stecken.»

Nach DAK-Angaben ist das sogenann­te Rauscht­rin­ken vor allem in den beiden größten deutschen Städten Berlin und Hamburg ein Problem. In der Haupt­stadt seien inner­halb eines Jahres 18,8 Prozent mehr Kinder und Jugend­li­che wegen einer akuten Alkohol­ver­gif­tung ins Kranken­haus einge­wie­sen worden. Damit sei der Anstieg in Berlin mit Abstand am höchs­ten.

In Hamburg fallen den Angaben zufol­ge beson­ders die sehr jungen Jugend­li­chen auf. Fast doppelt so viele (46,2 Prozent) 10- bis 15-Jähri­ge wurden 2018 im Vergleich zum Vorjahr volltrun­ken in eine Klinik einge­wie­sen. «Je früher Kinder erste Rausch­er­fah­run­gen sammeln, desto höher ist ihr Risiko für einen proble­ma­ti­schen Umgang mit Alkohol im Erwach­se­nen­al­ter», sagte Storm.

Laut Drogen- und Sucht­be­richt der Bundes­re­gie­rung liegt bei rund 18 Prozent der Männer und 14 Prozent der Frauen in Deutsch­land ein «riskan­ter Alkohol­kon­sum» vor. Zwar habe es in den vergan­ge­nen 40 Jahren einen Rückgang gegeben, aber im inter­na­tio­na­len Vergleich zähle Deutsch­land weiter­hin zu den Hochkon­sum­län­dern, heißt es in dem Bericht.