Auf Meister­scha­le, DFB-Pokal und Henkel­pott folgt Trophäe Nummer vier. Die Bayern ringen im umstrit­te­nen Super­cup-Spiel vor Fans im Corona-Hotspot Budapest den Europa-League-Sieger FC Sevil­la nieder.

Der 32 Jahre Spani­er traf kurz nach seiner Einwechs­lung beim 2:1 (1:1, 1:1) gegen Europa-League-Sieger FC Sevil­la in der 104. Spiel­mi­nu­te. Es könnte ein tolles Abschieds­ge­schenk von Martí­nez gewesen sein. Denn der Routi­nier steht vor einer Rückkehr zu Athle­ti­co Bilbao.

Zweiter Match­win­ner bei der umstrit­te­nen Final­par­tie um den UEFA-Super­cup im Corona-Hotspot Budapest war Torwart Manuel Neuer, der vor dem großen Moment von Martí­nez mit Refle­xen zweimal den K.o. gegen Sevil­lass Joker Youssef En-Nesyri verhin­der­te.

Mit dem erfolg­rei­chen Kraft­akt erwei­ter­ten Hansi Flicks weiter unauf­halt­sa­me Alles­ge­win­ner ihre imposan­te Trophä­en­samm­lung nach Meister­scha­le, DFB-Pokal und dem Henkel­pott um den nächs­ten Silber­po­kal. Schon am kommen­den Mittwoch winkt im deutschen Super­cup gegen Vizemeis­ter Borus­sia Dortmund in München Titel Nummer fünf.

Auf den Jubel über das Siegtor von Martí­nez mussten die trotz aller Reise­war­nun­gen nach Ungarn angereis­ten Bayern-Fans lange warten. Zuvor hatte der als Vorar­bei­ter schuf­ten­de Natio­nal­spie­ler Leon Goretz­ka (34.) in der etwa zu einem Viertel gefüll­ten Puskas-Arena das frühe Elfme­ter­tor von Sevil­las Angrei­fer Lucas Ocampos (13.) ausge­gli­chen. Die Bayern wankten aber auch danach noch mehrmals.

In der 87. Minute verhin­der­te Manuel Neuer im Eins-gegen-Eins gegen den frei vor ihm auftau­chen­den En-Nesyri erstmals das 1:2. Und Sevil­las Joker hatte in der Verlän­ge­rung eine weite­re Großchan­ce, aber Neuer lenkte den Schuss noch an den Pfosten (92.). Dann kam Martí­nez und köpfte einen vom bis dahin guten Torwart Bono nach vorne abgewehr­ten Ball ins Tor. Glück­strah­lend ließ er sich Flicks Überra­schungs-Joker von den Kolle­gen feiern.

Als Fußball­fan wäre Flick «nicht nach Budapest gefah­ren», wie er vor dem Anpfiff im TV-Sender Sky sagte. Aber als Trainer kam er natür­lich seinem Job an der Seiten­li­nie nach. Und er hörte, wie die Münch­ner Anhän­ger unter den laut UEFA 15 500 Zuschau­ern, ihr Team anfeu­er­ten. «Hurra, hurra, die Bayern, die sind da», skandier­ten sie. Die Geräusch­ku­lis­se sorgte wieder für ein anderes Fußbal­l­er­leb­nis.

Flick verän­der­te seine 8:0‑Siegerelf aus dem Ligastart gegen Schal­ke nur auf einer Positi­on. Der wieder fitte David Alaba nahm wieder die Positi­on als Abwehr­chef ein, erwisch­te aber einen unglück­li­chen Start. Nach einem Rempler gegen den vom FC Barce­lo­na nach Sevil­la zurück­ge­kehr­ten Kroaten Ivan Rakitic zeigte Schieds­rich­ter Antho­ny Taylor auf den Punkt. Der Argen­ti­ni­er Ocampos überwand Neuer.

Erst zum zweiten Mal nach der Wieder­auf­nah­me des Spiel­be­triebs in Corona-Zeiten lagen die Bayern in Rückstand — und stell­ten sich der Heraus­for­de­rung. Sevil­la verdich­te­te die Räume, schirm­te Bayerns Flügel-Asse Leroy Sané und Serge Gnabry gut ab. Aber die Bayern setzten sich offen­siv fest und erspiel­ten sich Chance um Chance.

Thomas Müller wurde zum Initia­tor des Offen­siv­spiels, gerade auch beim 1:1. Ein technisch anspruchs­vol­ler Chipball mit dem Außen­rist erreich­te Robert Lewan­dow­ski. Der Torjä­ger legte ab, der in den Straf­raum gesprin­te­te Goretz­ka vollende­te mit der Innen­sei­te.

Zäh blieb es trotz­dem, weil Sevil­la sich wider­setz­te und gefähr­li­che Stürmer wie in Luuk de Jong hatte. Der ehema­li­ge Gladbachr zwang Neuer zur Parade (46.). Dann jubel­te Bayern nach einem Gala-Angriff, den Lewan­dow­ski nach Doppel­pass mit Müller erfolg­reich abschloss (55.). Der Video­be­weis ergab jedoch — knapp Abseits. Schieds­rich­ter Taylor erkann­te acht Minuten später auch ein Tor von Sanè nicht an, weil er zuvor ein Foul von Lewan­dow­ski erkannt haben wollte. Das Spiel spitz­te sich zu. Die Kräfte schwan­den. Neuer musste zweimal zum Retter werden, ehe Martí­nez aus dem Triple das Quadru­p­le machte.