Die Profi-Clubs einigen sich auf ein einheit­li­ches Vorge­hen zur mögli­chen Rückkehr der Zuschau­er. Auswärts­fans müssen verzich­ten, Stehplät­ze sind vorerst gesperrt und die Tickets perso­na­li­siert. Zudem gibt es kein Bier mehr.

Die Mitglie­der­ver­samm­lung der DFL beschloss auf Antrag des DFL-Präsi­di­ums vorüber­ge­hen­de Änderun­gen in der Spiel­ord­nung. Ein vierter zentra­ler Punkt ist die zeitwei­se Einfüh­rung perso­na­li­sier­ter Online-Tickets, mit denen während der Corona­vi­rus-Pande­mie die Nachver­fol­gung von Infek­ti­ons­ket­ten möglich sein sollen.

«Priori­tät in Deutsch­land haben nicht volle Stadi­en, sondern die gesund­heit­li­che Situa­ti­on», sagte DFL-Geschäfts­füh­rer Chris­ti­an Seifert während einer Presse­kon­fe­renz. «Aktuell spielt Corona eben noch mit und eine sehr bedeu­ten­de Rolle.»

Die endgül­ti­ge Entschei­dung, ob tatsäch­lich schon zum oder bald nach dem Saison­start der Bundes­li­ga und 2. Bundes­li­ga am dritten Septem­ber-Wochen­en­de Zuschau­er zugelas­sen sind, obliegt den Behör­den. Die erste DFB-Pokal­run­de ist schon vom 11. bis 14. Septem­ber termi­niert. Zuletzt hatte der bayeri­sche Minis­ter­prä­si­dent Markus Söder (CSU) angesichts anstei­gen­der Zahlen von Neuin­fek­ti­on Zweifel geäußert. Er hält Bundes­li­ga­spie­le mit 25.000 Zuschau­ern «für sehr schwer vorstell­bar». Disku­tiert wird auch über Partien mit deutlich weniger Fans auf den Rängen.

Die DFL hatte Mitte Juli einen Leitfa­den an die Clubs verschickt, damit diese in Abspra­che mit den Gesund­heits­äm­tern indivi­du­el­le Sicher­heits- und Hygie­nekon­zep­te für ihren Stand­ort erstel­len können. Einheit­lich geregelt werden nun der Umgang mit den Eintritts­kar­ten sowie das Alkohol­ver­bot. Dieses gilt wie die «vorüber­ge­hen­de Durch­füh­rung von Spielen ohne Stehplät­ze» zunächst bis zum 31. Oktober. Die Maßnah­men, ohne Gäste­fans zu spielen, sowie zur Nachver­fol­gung von Infek­ti­ons­we­gen gelten bis Jahres­en­de.

Die genaue Ausge­stal­tung der Nachver­fol­gung liege in der Verant­wor­tung der Clubs, sagte Seifert, der zudem beton­te, dass keiner­lei Grund­satz­ent­schei­dun­gen für die langfris­ti­ge Zukunft des Profi-Fußballs in Deutsch­lands getrof­fen worden sei. Es gehe ausschließ­lich darum, «dem Infek­ti­ons­ge­sche­hen Rechnung zu tragen, das man keines­falls unter­schät­zen darf», sagte Seifert.

«Der Profi­fuß­ball kann wie alle anderen Berei­che nur in Etappen zurück­kom­men in einen Normal­be­trieb. Es wird nicht diesen einen initia­len Moment geben, dass die Politik den Start­schuss gibt für volle Stadi­en ab dem nächs­ten Spiel­tag.» Ansät­ze wie «Alle oder keiner» seien deshalb zwar «nachvoll­zieh­bar», sagte Seifert, aber «einfach nicht zielfüh­rend». Der Fußball müsse «in kleinen Schrit­ten die Norma­li­tät für uns zurück­er­obern, das geht nicht von 0 auf 100».

Das Fan-Bündnis «Unsere Kurve» hatte die Pläne der DFL schon im Vorfeld kriti­siert. «Bei aller Sehnsucht, die ich selber als regel­mä­ßi­ger Stadi­ongän­ger habe, wir leben in einer Pande­mie. Und die Vernunft sollte immer den Gesund­heits­schutz nach vorne stellen», sagte Vorstands­mit­glied Jost Peter am Diens­tag im Infora­dio vom rbb und beton­te: «Wenn die Fallzah­len steigen und sich daraus ergibt, dass das Fußball­spiel nicht zu besuchen ist, dann habe ich das zu akzep­tie­ren.»

Im Falle einer Zulas­sung von Zuschau­ern brauche es klare Regeln, wenn es Tickets zunächst nur in perso­na­li­sier­ter Online-Form geben sollte, forder­te Peter. So sollten die «abgege­be­nen Daten (nur) zum Gesund­heits­schutz genutzt werden und nicht für andere Zwecke», wie etwa einer Überwa­chung der Fans. Diese Verpflich­tung müsse von den Verei­nen offen ausge­spro­chen werden, sagte Peter.