Allen Warnun­gen von Spitzen­po­li­ti­kern wie Markus Söder und Armin Laschet zum Trotz forciert der Fußball die schnel­le Rückkehr von Fans in die Stadi­en. Dafür nimmt die DFL vorerst auch einen Flicken­tep­pich in Kauf.

Mit der Zulas­sung von bis zu 4500 Fans setzt Bundes­li­gist 1. FC Union Berlin am Samstag beim Test gegen den 1. FC Nürnberg das nächs­te Signal für den wachsen­den Willen der Branche, die Geister­spie­le zu beenden.

«Die Liga muss selbst überle­gen, ob sie jetzt tatsäch­lich einen Flicken­tep­pich will», mahnt Bayerns Minis­ter­prä­si­dent Markus Söder stell­ver­tre­tend für viele Warner aus der Politik. Die Antwort des Fußballs ist klar: Lieber Flicken­tep­pich als gar keine Fans.

«Wir müssen aufpas­sen, dass dieses Land nicht in Schreckstar­re gelähmt wird», sagte DFL-Geschäfts­füh­rer Chris­ti­an Seifert nach der Außer­or­dent­li­chen Mitglie­der­ver­samm­lung der Deutschen Fußball Liga. Bis zu 8500 Zuschau­er beim Ligastart in Leipzig, rund 4000 beim ersten Hertha-Heimspiel und eine Reihe von Zuschau­er-Experi­men­ten auch im DFB-Pokal — mit Zustim­mung der örtli­chen Behör­den testen die ersten Clubs die Grenzen der regio­na­len Corona-Verord­nun­gen aus.

Für CSU-Chef Söder ist das «ein falsches Signal», wie er am Freitag der Deutschen Presse-Agentur sagte. «Es gibt in der Bevöl­ke­rung keine breite Mehrheit für Fußball­spie­le mit vollen Stadi­en», versi­cher­te Söder und bekräf­tig­te seinen Zeitplan: «Unser Ziel ist, nach dem Oktober eine Perspek­ti­ve für Spiele mit Zuschau­ern zu haben.»

Doch selbst im Freistaat hofft der FC Bayern, bald die Stadi­on­to­re wieder öffnen zu dürfen. Die Münch­ner bestä­tig­ten am Freitag ein Hygie­nekon­zept, das eine Maximal­zahl von ungefähr 24.000 Fans in der Allianz Arena vorsieht, wenn die Behör­den denn zustim­men. Der Fußball könne «ein Beispiel dafür geben, wie wir insge­samt in unserer Gesell­schaft die nächs­ten Schrit­te in dieser heraus­for­dern­den Zeit angehen», sagte Bayern-Vorstands­chef Karl-Heinz Rummenigge.

Auch vom Dauer­ri­va­len Borus­sia Dortmund gab es Unter­stüt­zung für die Pläne zur Fan-Rückkehr. «Wir fordern ja nicht ausver­kauf­te Stadi­en. Ich denke, ein sukzes­si­ver Start tut der Branche gut. Ich würde mir wünschen, dass diese Tests, die bei einigen Verei­nen anlau­fen, positiv ausge­hen», sagte BVB-Lizenz­spie­ler­chef Sebas­ti­an Kehl.

RB-Trainer Julian Nagels­mann vertei­dig­te das heftig disku­tier­te Leipzi­ger Modell. «Das ist keine Entschei­dung aus dem Bauch heraus, sondern dies ist wissen­schaft­lich begrün­det», sagte der Coach.

Nordrhein-Westfa­lens Minis­ter­prä­si­dent Armin Laschet sieht in Sachsen dagegen einen unfai­ren Sonder­weg. «Natür­lich ist das eine Wettbe­werbs­ver­zer­rung, wenn in einem Stadi­on 8000 Zuschau­er sind und man einen Heimvor­teil hat, und in einem anderen spielt man vor leeren Rängen», sagte der CDU-Spitzen­po­li­ti­ker. «Man braucht in Deutsch­land vergleich­ba­re Regeln.» Die DFL habe nun die Aufga­be, faire Lösun­gen für alle 18 Bundes­li­gis­ten zu erarbei­ten. «Es ist jetzt schon ungut, dass eine Stadt es anders machen will», kriti­sier­te Laschet.

Die DFL signa­li­sier­te zwar, in der von Bund und Ländern verein­bar­ten Arbeits­grup­pe mitar­bei­ten zu wollen, die bis Ende Oktober bundes­ein­heit­li­che Bestim­mun­gen für die Wieder­zu­las­sung von Zuschau­ern im Sport festle­gen soll. Der Beschluss von Kanzle­rin Angela Merkel (CDU) und den Minis­ter­prä­si­den­ten zum bis Jahres­en­de weiter gelten­den Verbot von Großver­an­stal­tun­gen sei aber für die DFL «nicht eine generel­le Absage gewesen an Bundes­li­ga-Spiele mit Zuschau­ern», beton­te Liga-Boss Sei