HEIDELBERG (dpa) — Wer viel trinkt, riskiert nicht nur Leber- und Bauspei­chel­drü­sen- Proble­me, sondern auch ein erhöh­tes Risiko, an Krebs zu erkran­ken. Auf diesen Zusam­men­hang wirft der neue Alkohol­at­las ein Schlaglicht.

Angesichts Tausen­der alkohol­be­ding­ter Krebs­neu­erkran­kun­gen pro Jahr appel­lie­ren Exper­ten an die Politik, die Steuern für Alkohol zu erhöhen, das Abgabe­al­ter dafür anzuhe­ben und die Werbung dafür einzuschränken.

«Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass Alkohol ein erheb­li­cher Krebs­ri­si­ko­fak­tor ist», sagt Katrin Schal­ler vom Deutschen Krebs­for­schungs­zen­trum (DKFZ) in Heidel­berg. In Deutsch­land gingen Schät­zun­gen zufol­ge jedes Jahr über 20.000 Krebs­neu­erkran­kun­gen und mehr als 8000 Krebs­to­des­fäl­le auf das Konto des Alkohol­kon­sums. Am stärks­ten ist nach Angaben der Autorin des Alkohol­at­las 2022 der Einfluss auf Darmkrebs, auf Krebs­er­kran­kun­gen des Mund- und Rachen­raums, der Leber, Speise­röh­re und der Brust.

Die Fachleu­te warnen die Politik zugleich vor den Lobby­is­ten der Alkohol­indus­trie, die versuch­ten, Entschei­dungs­trä­ger zu beein­flus­sen und öffent­li­che Einrich­tun­gen, Partei­ta­ge oder Sport­ver­an­stal­tun­gen zu sponsern, um sich als sozial verant­wort­li­che Partner darzu­stel­len. Zudem unter­stütz­ten sie wissen­schaft­li­che Studi­en, die die negati­ven Folgen des Alkohol­kon­sums auf die Gesund­heit und die Gesell­schaft herun­ter­spiel­ten oder anzweifelten.

Mehr als 8000 Krebstodesfälle

Schät­zun­gen zufol­ge sind im Jahr 2022 mehr als 8000 Krebs­to­des­fäl­le — rund 6200 bei Männern und 2100 bei Frauen — auf Alkohol­kon­sum zurück­zu­füh­ren. Dies entspricht bei Männern einem Anteil von rund sechs Prozent an allen Krebs­to­des­fäl­len und bei Frauen einem Anteil von drei Prozent.

Mit ihren Forde­run­gen wollen das DKFZ, die Deutsche Krebs­hil­fe und die Deutsche Krebs­ge­sell­schaft zu Anfang der bis zum 16. Septem­ber dauern­den Natio­na­len Krebs­prä­ven­ti­ons­wo­che einen Akzent setzen. Basis ist der Atlas, der unter anderem den Zusam­men­hang des gesell­schaft­lich tolerier­ten Konsums von Alkohol und Krebs beleuchtet.

Nach Ansicht der Exper­ten ließe sich der Konsum reduzie­ren, indem man Alkohol verteu­ert. Bei der Steuer auf Alkohol sehen sie noch Luft nach oben. Derzeit beträgt die Alkohol­steu­er 1303 Euro pro Hekto­li­ter reinen Alkohols. Jährli­chen Einnah­men aus dieser Steuer von 3,2 Milli­ar­den Euro stehen den Gesell­schaf­ten zufol­ge direk­te und indirek­te Kosten von 57 Milli­ar­den Euro gegen­über. Dies ergebe sich aus Krank­heits­kos­ten sowie gerin­ger Produk­ti­vi­tät, Fehlzei­ten am Arbeits­platz und Frühver­ren­tung. In anderen Ländern hat ein Preis­an­stieg von 10 Prozent den Konsum um 6 Prozent gedrückt, wie Schal­ler erläutert.

Baustel­le Jugendschutz

Weite­re Baustel­le ist der Jugend­schutz. Derzeit dürfen Jugend­li­che ab 14 in Beglei­tung ihrer Eltern Wein und Bier trinken, ab 16 unbeauf­sich­tigt. Mit 18 Jahren kommen dann harte Drinks wie Rum, Schnaps und Wodka hinzu. Die Krebs­ge­sell­schaf­ten plädie­ren für ein e