Zuletzt hatte der Rekord­meis­ter in der Bundes­li­ga am 7. Dezem­ber mit 1:2 in Mönchen­glad­bach verlo­ren. Für Hoffen­heims neuen Trainer Sebas­ti­an Hoeneß, den Neffen von Bayern-Ehren­prä­si­dent Uli Hoeneß, war die Überra­schung am Sonntag ein beson­de­rer Triumph.

Der 38-Jähri­ge hatte vergan­ge­ne Saison noch den FC Bayern II zur Dritt­li­ga-Meister­schaft geführt. Ermin Bicak­cic (16. Minute) und Munas Dabbur (24.) brach­ten die Kraich­gau­er in Führung. 6030 Zuschau­er im Sinshei­mer Stadi­on sahen dann den Anschluss­tref­fer von Joshua Kimmich (36.). Der überra­gen­de Andrej Krama­ric (77.) erhöh­te auf 3:1, eher er per Foulelf­me­ter (90.+2) auch den 4:1‑Endstand markier­te. Für ihn war es der neunte Treffer in den letzten drei Bundes­li­ga-Spielen.

Drei Tage vor dem deutschen Super­cup-Endspiel gegen Borus­sia Dortmund blieben die Münch­ner matt und ohne Ideen im Angriff. Zuvor war der Meister und Champions-League-Sieger 21 Spiele in Serie ungeschla­gen. Die Bayern verpass­ten mit diesem Dämpfer auch einen Liga-Rekord von saison­über­grei­fen­den elf Auswärts­sie­gen. Seinen etwas angeschla­ge­nen Torjä­ger Robert Lewan­dow­ski und Natio­nal­spie­ler Leon Goretz­ka hatte Chefcoach Hansi Flick bis zur 57. Minute geschont.

Nach einer etwas pomadi­gen, aber überle­ge­nen Anfangs­pha­se der Münch­ner nutzte die TSG ihre ersten beiden Chancen eiskalt: Bicak­cic köpfte nach einer Ecke das 1:0, Dabbur düpier­te nach einem Patzer von Benja­min Pavard Natio­nal­kee­per Manuel Neuer mit einem Heber. Da nahm Flick auf der Bank erstmal einen kräfti­gen Schluck auf der Wasser­fla­sche.

Die Bayern-Abwehr ließ den Hoffen­hei­mern weiter­hin ungeahn­te Schlupf­lö­cher: So hatte Chris­toph Baumgart­ner nach einer knappen halben Stunde schon das 3:0 auf dem Fuß, der Ball ging aber drüber. Von Lewan­dow­ski-Vertre­ter Joshua Zirkzee war bis dahin nichts zu sehen. Dabei musste die TSG auf ihren Kapitän und Abwehr­chef Benja­min Hübner verzich­ten, zudem humpel­te Bicak­cic noch vor der Pause verletzt raus.

Kimmich gelang zwar das 1:2, doch Chris­toph Baumgart­ner und Andrej Krama­ric verga­ben vor der Pause weite­re dicke Chancen für die TSG. Nach dem Wieder­an­pfiff verpass­te Dabbur gleich zweimal das 3:1. In der zuneh­mend hekti­schen Partie rieben sich die Münch­ner in Zweikämp­fen auf. Hoffen­heims Torwart Oliver Baumann hatte in seinem 200. Bundes­li­ga-Spiel weitaus weniger zu tun als sein Gegen­über Neuer.

Die einge­wech­sel­ten Lewan­dow­ski und Goretz­ka blieben ebenfalls weitge­hend unauf­fäl­lig, während Hoffen­heim weiter munter seine Chancen suchte. In der Schluss­pha­se kam noch Kings­ley Coman, der seine häusli­che Quaran­tä­ne wegen eines Corona-Falles in seinem priva­ten Umfeld beendet hatte. Aber auch der Flügel­spie­ler konnte nicht mehr für die Wende sorgen.

Die Hoffen­hei­mer holten damit gegen den FC Bayern 13 Punkte seit 2016/2017 (vier Siege, ein Unent­schie­den, vier Nieder­la­gen) — so viele wie keine andere Mannschaft.