Mündi­ge Bürger oder «Covidio­ten». In Berlin protes­tie­ren Tausen­de gegen die staat­li­chen Aufla­gen im Zuge der Pande­mie. Jenseits des Demozu­ges gibt es dafür kaum Verständ­nis.

Berlin (dpa) — Nach der Demons­tra­ti­on von rund 20.000 Menschen in Berlin gegen die Corona-Maßnah­men kommen von Seiten der Politik klare Zeichen für die Fortset­zung des Kurses zur Bekämp­fung der Pande­mie.

CSU-Chef Markus Söder sprach sich angesichts der steigen­den Zahl an Neuin­fek­tio­nen gegen weite­re Locke­run­gen aus. «Wir müssen damit rechnen, dass Corona mit voller Wucht wieder auf uns zukommt», sagte der bayeri­sche Minis­ter­prä­si­dent der «Bild am Sonntag». Gefragt sei absolu­te Wachsam­keit. «Das Virus bleibt eine Dauer­auf­ga­be, die uns perma­nent unter Stress setzt.»

Viele Menschen seien im Umgang mit dem Virus leider leicht­sin­ni­ger gewor­den, sagte Söder. «Dazu gehören auch die extre­men Locke­rer und Verschwö­rungs­theo­re­ti­ker, die alle Maßnah­men schnells­tens aufhe­ben wollten.»

Trotz steigen­der Infek­ti­ons­zah­len hatten am Samstag Tausen­de Menschen in Berlin protes­tiert. Nach Schät­zun­gen der Polizei schlos­sen sich bis zu 17.000 Menschen einem Demons­tra­ti­ons­zug an, rund 20.000 betei­lig­ten sich anschlie­ßend an einer Kundge­bung. Die Demons­tran­ten forder­ten ein Ende aller Aufla­gen.

Da bereits während der Demons­tra­ti­on die Hygie­ne-Regeln nicht einge­hal­ten wurden, stell­te die Polizei Straf­an­zei­ge gegen den Leiter der Versamm­lung. Der erklär­te den Demons­tra­ti­ons­zug am Nachmit­tag für beendet. Weil auch auf der anschlie­ßen­den Kundge­bung viele Demons­tran­ten weder die Abstands­re­geln einhiel­ten noch Masken trugen, begann die Polizei am frühen Abend, die Versamm­lung aufzu­lö­sen. Bei der Auflö­sung der Kundge­bung wurden 18 Polizei­be­am­te verletzt, drei von ihnen mussten im Kranken­haus behan­delt werden. Insge­samt waren laut Polizei­an­ga­ben 1100 Beamte im Einsatz.

Berlins Regie­ren­der Bürger­meis­ter Micha­el Müller (SPD) kriti­sier­te die Teilneh­mer scharf. Die Demons­tran­ten würden die Fakten nicht zur Kennt­nis nehmen und riskier­ten damit die Gesund­heit anderer Menschen, sagte Müller in der rbb-Abend­schau. Es gebe noch keinen Impfstoff und kein Medika­ment, man sei noch nicht über den Berg.

Zu der Demons­tra­ti­on unter dem Motto «Das Ende der Pande­mie — Tag der Freiheit» hatte die Initia­ti­ve «Querden­ken 711» aufge­ru­fen. In Stutt­gart hat diese Initia­ti­ve bereits wieder­holt demons­triert. Kriti­ker dieser Protes­te befürch­ten eine Verein­nah­mung durch Verschwö­rungs­theo­re­ti­ker und Rechts­po­pu­lis­ten. Den Titel «Tag der Freiheit» trägt auch ein Propa­gan­da­film der Nazi-Ikone Leni Riefen­stahl über den Partei­tag der NSDAP 1935.