Fast überall in Europa berei­ten steigen­de Corona-Infek­ti­ons­zah­len den Regie­run­gen neue Sorgen. In Ländern wie Frank­reich und Spani­en wird schon über die Verhän­gung des Notstands nachge­dacht.

Regie­run­gen verhän­gen stren­ge­re Maßnah­men, um die Ausbrei­tung der Pande­mie einzu­däm­men. Ein Überblick über die Entwick­lung in der vergan­ge­nen Woche in wichti­gen Ländern:

SPANIEN ist mit 850.000 Infek­tio­nen beson­ders schlimm betrof­fen. Die Zahl der Neuin­fek­tio­nen pro 100.000 Einwoh­ner binnen sieben Tagen lag zuletzt bei 115. In einer Woche starben 1330 Menschen. Der Anteil der Covid-19-Patien­ten in den Kranken­häu­sern steigt. Landes­weit gelten stren­ge Beschrän­kun­gen und Maßnah­men, auch Masken­pflicht im Freien. Viele Gebie­te und Gemein­den sind abgerie­gelt. Eine vom Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um angeord­ne­te Absper­rung der Haupt­stadt und neun weite­rer Kommu­nen im Großraum Madrid wurde aber von der Justiz aufge­ho­ben. Die Zentral­re­gie­rung erwägt nun einen Corona-Notstand.

FRANKREICH hat in mehre­ren Großstäd­ten bereits die höchs­te Corona-Warnstu­fe verhängt — unter anderem in Paris, Lyon und Marseil­le. Gesund­heits­mi­nis­ter Olivi­er Véran warnt, dass es noch schlim­mer wird. Sorge herrscht über die Lage in den Pariser Kranken­häu­sern. Dort nimmt der Anteil der Covid-19-Patien­ten auf den Inten­siv­sta­tio­nen zu. Die Regie­rung reagiert etwa mit Schlie­ßun­gen von Bars in den Regio­nen, in denen die Lage beson­ders ernst ist. Generel­le Ausgangs­be­schrän­kun­gen im ganzen Land sollen verhin­dert werden. Mit 18 746 Corona-Neuin­fek­tio­nen binnen 24 Stunden gab es am Mittwoch einen Tages­höchst­wert.

TSCHECHIEN — ehemals ein Corona-Muster­schü­ler — ist nach den jüngs­ten Zahlen der EU bei den Neuin­fek­tio­nen pro 100 000 Einwoh­ner zum trauri­gen Spitzen­rei­ter gewor­den. Im Schnitt steck­ten sich binnen 14 Tagen 374,6 Menschen je 100.000 Einwoh­ner an. Am Donners­tag wurden in dem 10,7‑Millionen-Einwohner-Land 5394 neue Fälle verzeich­net — der dritte Tages­re­kord in Folge. Die Regie­rung hat Kultur- und Sport­ver­an­stal­tun­gen verbo­ten. Sollte die Kurve nicht abfla­chen, droht nach Ansicht von Exper­ten bald ein drama­ti­scher Engpass im Gesund­heits­sys­tem.

GROSSBRITANNIEN leidet ebenfalls stark: Mangel an Tests, ein Flicken­tep­pich an Regelun­gen, marode Klini­ken, Zehntau­sen­de Todes­fäl­le. Der im Frühjahr selbst erkrank­te Premier Boris Johnson steht zuneh­mend in der Kritik, ein schlech­ter Krisen-Manager zu sein. Seine Regie­rung spricht von einer «gefähr­li­chen» Lage. Beson­ders stark betrof­fen sind der Norden Englands, Schott­land, Nordir­land und Teile von Wales. Exper­ten zufol­ge stehen vor allem in Nordeng­land die Klini­ken vor dem Kollaps. Allein am Donners­tag melde­ten die Behör­den landes­weit mehr als 17.500 Infizier­te binnen 24 Stunden.

ITALIEN sorgt sich über den steilen Anstieg der Infek­ti­ons­fäl­le in dieser Woche. Das Land, das im März Europas Corona-Hotspot war, regis­trier­te am Donners­tag fast 4500 Anste­ckun­gen — so viele wie zuletzt im April. Der große Unter­schied: Jetzt sterben pro Monat so viele Menschen an Covid-19 wie damals an einem Tag. Die Inten­siv­sta­tio­nen sind mit etwa 360 Covid-Patien­ten nicht am Limit. Rom verschärft ständig die Maßnah­men — nun gilt Masken­pflicht auch im Freien. Beson­ders stark klettern die Werte im Süden. Dort ist das Medizin­sys­tem schwä­cher als im Norden.

In den NIEDERLANDEN wurden am Donners­tag 5831 Neu-Infek­tio­nen gemel­det — 800 mehr als am Vortag. Die Zahl der Patien­ten in Kranken­häu­sern und auf Inten­siv­sta­tio­nen steigt schnell. Klini­ken haben die Versor­gung für andere Patien­ten drastisch reduziert und Hunder­te Opera­tio­nen abgesagt. Inner­halb von sieben Tagen wurden zuletzt 841 je 100.000 Einwoh­ner infiziert. Vergan­ge­ne Woche wurden im Schnitt 16 Tote am Tag gemel­det. Bürger und Exper­ten fordern deutlich stren­ge­re Maßnah­men. Masken sind für öffent­li­che Räume zwar dringend empfoh­len, bislang aber keine Pflicht.

BELGIEN verzeich­ne­te zuletzt ebenfalls rasch steigen­de Zahlen. Die 14-Tage-Inzidenz — die Zahl an Infek­tio­nen pro 100.000 Einwoh­ner inner­halb zwei Wochen — lag zuletzt bei 280,7. In der Haupt­stadt Brüssel sind Cafés und Bars nun für einen Monat geschlos­sen. Die Regie­rung verschärf­te auch die landes­wei­ten Regeln: Bürger dürfen pro Monat nur noch mit drei Perso­nen außer­halb der Familie engen Kontakt pflegen. Um 23.00 Uhr ist Sperr­stun­de.