Tausen­de Urlau­ber sollen sich im öster­rei­chi­schen Ischgl mit dem Corona­vi­rus infiziert haben. Eine Exper­ten­kom­mis­si­on hat nun das Krisen­ma­nage­ment unter die Lupe genom­men.

Die Kommis­si­on hat für den Bericht insge­samt 53 Menschen befragt, darun­ter Betrof­fe­ne, Vertre­ter der Seilbahn- und der Touris­mus­wirt­schaft sowie Verant­wort­li­che auf Bezirks‑, Landes- und Bundes­ebe­ne. Der 1600-Einwoh­ner-Ort in Tirol gilt nicht zuletzt wegen der dorti­gen Feiern beim Après-Ski als einer der Hotspots bei der Verbrei­tung des Corona­vi­rus in Teilen Europas. Auch viele deutsche Gäste steck­ten sich hier an.

Aus Sicht der Kriti­ker erfolg­ten die Maßnah­men wie die Schlie­ßung von Bars, des Skige­biets und schließ­lich die Quaran­tä­ne über das gesam­te Paznaun­tal am 13. März zu spät. Jüngs­te Recher­chen von ORF und dem Nachrich­ten­ma­ga­zin «Profil» wiesen auf Indizi­en hin, dass Verant­wort­li­che früher als bisher bekannt von der Gefahr wussten. Das Land Tirol hat diese Behaup­tun­gen stets vehement zurück­ge­wie­sen. Der Ischg­ler Bürger­meis­ter Werner Kurz beton­te in einem Inter­view mit der Zeitung «Kurier» (Samstag), dass die Gemein­de «alles nach bestem Wissen und Gewis­sen umgesetzt» habe, was die Behör­den vorge­ge­ben hätten.

In Ischgl war am 7. März ein Barkee­per im «Kitzloch» positiv getes­tet worden. Am nächs­ten Tag wurde bekannt, dass 14 erkrank­te Islän­der im «Kitzloch» zu Gast waren und sich drei weite­re in Tirol positiv getes­te­te Perso­nen in Ischgl aufge­hal­ten hatten. Die Bar wurde am 9. März behörd­lich gesperrt. Am Tag darauf wurden alle Après-Ski-Lokale im Ort geschlos­sen. Außer­dem wurde das Ende der Skisai­son verfügt. Am 13. März wurde das Tal, in dem sich etwa 8000 Urlau­ber aufhiel­ten, unter Quaran­tä­ne gestellt. Noch bevor die Behör­den die Abrei­se der auslän­di­schen Touris­ten kontrol­lier­ten, verlie­ßen viele Gäste die betrof­fe­nen Ortschaf­ten. Das Ausmaß der Verbrei­tung des Virus in Ischgl machte im Juni eine Studie der Medizi­ni­schen Univer­si­tät Innsbruck klar. Danach hatten 42,2 Prozent der Ischg­ler Bevöl­ke­rung Antikör­per, ein weltwei­ter Spitzen­wert.

Bei einem Verbrau­cher­schutz­ver­ein, der die Inter­es­sen der Geschä­dig­ten vertre­ten will, haben sich inzwi­schen mehr als 6000 Tirol-Urlau­ber aus 45 Staaten gemel­det. Tausen­de Corona-Infek­tio­nen in Europa sollen auf Menschen, die in Tirol Urlaub gemacht haben, zurück­zu­füh­ren sein. Die Staats­an­walt­schaft Innsbruck ermit­telt zudem gegen vier Verdäch­ti­ge wegen vorsätz­li­cher oder fahrläs­si­ger Gefähr­dung von Menschen durch übertrag­ba­re Krank­hei­ten.

Die Exper­ten-Kommis­si­on hatte nicht den Auftrag, straf­recht­li­che Ermitt­lun­gen vorzu­neh­men oder über Schaden­er­satz­an­sprü­che von Geschä­dig­ten zu entschei­den.