Ohne Maske im Unter­richt, mit Maske außer­halb. Und immer schön in Grüpp­chen. Schule unter Corona-Bedin­gun­gen geht. Doch das fordert von allen Seiten Diszi­plin. Und Ideen. Eltern bekla­gen Regel-Chaos.

Dass das im Großen und Ganzen an den 4500 Schulen Baden-Württem­bergs klapp­te, finden auch die Schüler: «Der Unter­richt fühlt sich weitge­hend normal an», berich­tet Elisa­beth Schil­li, Spreche­rin des Landes­schü­ler­bei­rats. Ans Masken-Tragen habe man sich mittler­wei­le gewöhnt. Auch die neue Gruppen­bil­dung (Kohor­ten­prin­zip), die mehr Nähe inner­halb einer Gruppe erlaubt, sei in der Schule für die meisten kein Problem. Die erste Schul­wo­che sei überwie­gend als positiv empfun­den worden.

«Alle freuen sich, dass sie sich wieder sehen und sozia­le Kontak­te pflegen können», beobach­tet Uwe Müller, Direk­tor des Karls­ru­her Max-Planck-Gymna­si­ums. Er ist positiv überrascht, wie strikt bislang das Masken-Tragen auch auf dem Pausen­hof befolgt wurde. Schwie­rig findet er bei fast 1000 Schülern in seinem Gymna­si­um die Einhal­tung des Kohor­ten-Prinzips auf den Gängen. Doch er betont: «Es geht darum, den Präsenz­un­ter­richt durch­zu­füh­ren und aufrecht­zu­er­hal­ten.»

Bislang ist nach seiner Ansicht alles «sehr ordent­lich» angelau­fen. Das Vorstands­mit­glied der Direk­to­ren­ver­ei­ni­gung Nordba­den räumt aber ein: «Es gibt natür­lich eine gewis­se Unsicher­heit und Unruhe, weil wir nicht genau wissen, was auf uns zukommt.»

Kein gutes Gefühl haben schon jetzt manche Eltern, wenn sie die Berich­te ihrer Kinder hören. So erzählt eine Mutter aus Bretten (Kreis Karls­ru­he) von drängeln­den Schülern, von Masken-Verwei­ge­rern, die nicht ermahnt werden und von ihren Bauch­schmer­zen, wenn sie hört, dass ausge­rech­net der Mannschafts­sport Basket­ball im Sport­un­ter­richt auf dem Plan steht.

Verein­zelt wurden schon in der ersten Woche nach den Ferien Schul­klas­sen und Lehrer vorsorg­lich wegen Corona-Fällen nach Hause geschickt, etwa in Karls­ru­he, Pforz­heim, Waiblin­gen oder in Rotten­burg am Neckar. Dem Kultus­mi­nis­te­ri­um zufol­ge gab es aber nur «ganz wenige klassen­be­zo­ge­nen Teilschlie­ßun­gen von Schulen». Bis Donners­tag wurden 17 Fälle gemel­det — von insge­samt rund 67 500 Klassen in Baden-Württem­berg. Dass Klassen wegen Corona-Verdachts vorüber­ge­hend aus dem Präsenz­be­trieb heraus­ge­nom­men werden müssen, werde die Schulen weiter beglei­ten, so Eisen­mann. Insge­samt begann der Unter­richt für 1,5 Millio­nen Schüler und 35 000 Lehrkräf­te im Land.

Die Zeiten sind schwie­rig, das weiß auch der Landes­el­tern­bei­rat (LEB). Teils «sehr chaoti­sche Vorga­ben» des Landes kriti­siert LEB-Chef Micha­el Mittel­sta­edt aber doch. «Es wurde relativ wenig geplant und wenig kommu­ni­ziert.» Zudem seien Eltern nicht recht­zei­tig einbe­zo­gen worden.

«Ich hätte mir gewünscht, dass manche Entschei­dun­gen klarer kommu­ni­ziert worden wären», sagt auch der Karls­ru­her Direk­tor Müller. Für Verwir­rung und Ärger sorgte die Gesund­heits­er­klä­rung für Schüler. Lag sie nicht vor, wurden Schüler mancher­orts wieder nach Hause geschickt. Im Max-Planck-Gymna­si­um durften sie bleiben — mussten die Erklä­rung aber am nächs­ten Tag nachlie­fern. «Ich habe die Anwei­sung des Minis­te­ri­ums pädago­gisch inter­pre­tiert», sagt Müller.

Doch selbst wenn die Schule unter Corona-Bedin­gun­gen funktio­niert — auf dem Weg dorthin kann es heikel sein. «Chaotisch gelau­fen ist die Beför­de­rung der Kinder», sagt der LEB-Vorsit­zen­de Mittel­sta­edt. In den Schul­bus­sen sei es weiter eng: «Die Kinder werden immer noch wie Ölsar­di­nen trans­por­tiert. Da fühlt sich keiner richtig wohl.»

Ein großes Problem haben ihm zufol­ge Schüler, die zu Hause bleiben müssen: «Die sind aus dem Raster gefal­len.» Dass es beim Fernlern­un­ter­richt Schwie­rig­kei­ten gab, räumt das Kultus­mi­nis­te­ri­um ein. Manche Schüler hätten dabei nicht die Lernfort­schrit­te erzielt, die sie im regulä­ren Unter­richt erreicht hätten. Im neuen Schul­jahr sollen nun Inhal­te wieder­holt und vertieft werden. Zugleich sollen Lücken und Förder­be­darf identi­fi­ziert werden.

Direk­tor Müller schmerzt es, dass jahrgangs­stu­fen­über­grei­fen­de Aktivi­tä­ten wie Theater AG, Unter­stu­fen­chor oder Orches­ter derzeit noch nicht möglich sind. Doch seine Schüler und Kolle­gen sind kreativ: Statt zusam­men auf der Bühne zu stehen, hat der Chor des Karls­ru­her Max-Planck-Gymna­si­ums zum Beispiel die einzel­nen Sänger zu einer Video-Auffüh­rung zusam­men­ge­schnit­ten.