KATHMANDU (dpa) — Von Borgholz­hau­sen ins Himala­ya-Gebir­ge: Der Bergstei­ger Jost Kobusch will ohne Sauer­stoff­fla­schen den Mount Everest erklim­men. Doch das Wetter macht ihm derzeit einen Strich durch die Rechnung.

Der deutsche Extrem­berg­stei­ger Jost Kobusch hat ein großes, gefähr­li­ches Ziel: Er möchte als erster Mensch ganz allei­ne, im Winter, wenn es am kältes­ten und windigs­ten ist, und ohne Sauer­stoff­fla­schen auf den höchs­ten Berg der Welt steigen, den Mount Everest.

Er sei bereits bei dem Achttau­sen­der im Himala­ya, könne aber gerade nicht aufstei­gen, berich­te­te der 29-Jähri­ge, der ursprüng­lich aus Borgholz­hau­sen nahe Biele­feld kommt. Der Wind sei schlicht zu stark. Beim Gipfel herrsch­ten Windge­schwin­dig­kei­ten von bis zu 250 km/h.

«Es ist natür­lich frustrie­rend, hier unten im Basis­la­ger zu sitzen und zu warten anstatt aufzu­stei­gen, aber die Sicher­heit geht vor», sagte er der Deutschen Presse-Agentur und ergänzt mit Blick auf die aktuel­le Situa­ti­on: «Das Ziel ist nicht der Gipfel, sondern zu überle­ben.» Bei einem Aufstiegs­ver­such habe es so stark gestürmt, dass sein Zelt komplett zerfetzt worden sei, als er drin lag. «Konnte echt froh sein, dass ich nicht mit dem Zelt herun­ter­ge­flo­gen bin wie auf dem fliegen­den Teppich.»

Warten auf günsti­ge­res Wetter

Kobusch hatte seine schwie­ri­ge Missi­on vor zwei Jahren, kurz vor Corona, schon einmal versucht — und es damals nach eigenen Angaben auf 7350 Meter geschafft. Dieses Mal habe er es bislang auf 6450 Meter geschafft und er weiß nicht, ob es bis Winter­en­de Ende Febru­ar nochmals ein günsti­ges Wetter­fens­ter für einen möglichst hohen Aufstieg gibt. «Es ist wirklich extrem dieses Mal und dementspre­chend habe ich weniger Fortschrit­te gemacht, als ich mir erhofft habe.»

Aufge­ben will er aber nicht. Es reizt ihn, nicht zu wissen, ob sein Projekt überhaupt möglich ist. Für ihn ist es ein Langzeit­pro­jekt. Er hofft, irgend­wann doch mal im Winter, allei­ne und ohne künst­li­chen Sauer­stoff noch auf die nach jüngs­ten Messun­gen 8848,86 Meter hohe Spitze zu kommen. Nach Angaben des Touris­mus­mi­nis­te­ri­ums von Nepal ist er derzeit der einzi­ge Bergstei­ger auf dem Mount Everest.

Laut dem Expedi­ti­ons­ar­chiv «Himala­y­an Databa­se» hat es bislang erst ein Sherpa im Winter ohne Sauer­stoff ganz nach oben geschafft, aller­dings nicht allei­ne. Der 2020 gestor­be­ne Ang Rita Sherpa war im Winter 1987/88 mit einer Gruppe korea­ni­scher Bergstei­ger unter­wegs. Mit einem von ihnen schaff­te er es auf den Gipfel, dieser hatte aller­dings künst­li­chen Sauer­stoff dabei.