MÜNSTERSCHWARZACH (dpa) — Der Benedik­ti­ner­mönch und Autor merkt, wie hungrig die Menschen nach «Guten Worten» in der Corona-Krise gewor­den sind — weil die Funda­men­te erschüt­tert worden seien.

Die Corona-Pande­mie ist nach Ansicht von Benedik­ti­ner­pa­ter Anselm Grün (75) für die Menschen extrem heraus­for­dernd. «Für die Gesell­schaft ist es sicher­lich eine außer­ge­wöhn­lich schwie­ri­ge Zeit, weil die Funda­men­te erschüt­tert werden», sagte Grün der Deutschen Presse-Agentur.

Dazu gehör­ten die «Planbar­keit des Lebens, der Austausch mitein­an­der und die Sicher­heit in der Arbeit». Statt­des­sen gebe es jetzt Angst vor der Zukunft und vor der Krank­heit. Umso wichti­ger sei da, auch «eine spiri­tu­el­le Antwort» zu geben, sagte der Bestsel­ler­au­tor in der Abtei Münster­schwarz­ach.

«Ich versu­che, jetzt mehr zu schrei­ben, auch in Facebook und bei Insta­gram, dass die Menschen Anregun­gen bekom­men», sagte Grün. «Ich merke schon, dass die Menschen sehr hungrig sind nach guten Worten. Nicht nach salbungs­vol­len Worten, sondern nach realis­ti­schen Worten, die aber trotz­dem aufbau­en.» Pater Anselm Grün gilt mit mehr als 300 Büchern und einer geschätz­ten Aufla­ge von 20 Millio­nen Exempla­ren als meist­ge­le­se­ner christ­li­cher Autor im deutsch­spra­chi­gen Raum.

Menschen suchten derzeit nach Halt. Er selbst bekom­me mehr Anfra­gen als sonst, per Mail oder per Brief. Von Menschen, die vom Allein­sein oder von Überlas­tung in der Corona-Krise berich­te­ten. «Die Leute merken schon, dass da Spiri­tua­li­tät eine wichti­ge Hilfe wäre. Wie zum Beispiel bestimm­te christ­li­che Ritua­le, mit denen man den Tag beginnt und beendet.»

Für ihn persön­lich sei die Corona-Pande­mie keine schwie­ri­ge Zeit. «Weil ich es genie­ßen kann, mehr Zeit zu haben», sagte der Mönch. Statt bisher sechs Stunden schrei­be er jetzt in der Woche acht bis neun Stunden. Beim Schrei­ben sei aber auch Lesen dabei. Wenn er etwas nachschau­en wolle, gehe er in die Biblio­thek. «Ich schaue nicht im Inter­net nach. In meiner Kloster­zel­le habe ich überhaupt kein Inter­net. Ich benut­ze Lexika und andere Bücher», sagte er.

Gerade treibe ihn um, wie man als Kirche und als Mönch vor allem die 30- bis 40-Jähri­gen errei­chen könne. «Das sind Menschen, die sich oft von der Kirche angewandt haben, aber trotz­dem mitten im Leben stehen und durch­aus offen sind für Werte.» Noch sei er da auf der Suche nach der «richti­gen Sprache».

Corona habe für ihn auch weniger Lesun­gen und keine Auslands­rei­sen bedeu­tet, sagte der Pater. «Ich habe daher viel mehr gelesen.» Und mehr als sonst habe er auch Musik gehört. «Meistens geist­li­che Musik: Bach-Kanta­ten und Mozart-Messen.»