Nico Hülken­berg im Dauer­stress. In Windes­ei­le springt er beim Formel-1-Comeback auf dem Nürburg­ring erneut als Ersatz bei Racing Point ein. Sebas­ti­an Vettel schei­det in der Eifel-Quali­fi­ka­ti­on vorzei­tig aus. Die Pole holt sich nicht Lewis Hamil­ton.

Der Finne verwies den Englän­der beim nächs­ten Blitz-Comeback von Nico Hülken­berg in der Quali­fi­ka­ti­on zum Grand Prix der Eifel mit seiner 14. Karrie­re-Pole auf Positi­on zwei. Sieben Jahre nach dem letzten Rennen auf dem Tradi­ti­ons­kurs will WM-Spitzen­rei­ter Hamil­ton am Sonntag (14.10 Uhr/RTL und Sky) dennoch mit seinem 91. Grand-Prix-Sieg mit Rekord­hal­ter Micha­el Schuma­cher gleich­zie­hen.

Nach seinem nächs­ten Turbo-Comeback bei Racing Point musste sich Hülken­berg als Ersatz für den Kanadi­er Lance Stroll mit dem 20. und letzten Platz begnü­gen. Sebas­ti­an Vettel schaff­te es in seinem Ferra­ri ebenfalls nicht in die letzte K.o.-Runde und wurde Elfter.

«Nach der Schan­de gestern war es gut, dass wir zum Fahren gekom­men sind», befand Vettel. Die beiden Trainings am Freitag waren nach Regen und Nebel aus Sicher­heits­grün­den abgesagt worden. «Ich glaube, mit dem weichen Reifen ging es eigent­lich recht gut. Ich habe die Zeit im ersten Sektor verlo­ren», begrün­de­te Vettel später sein vorzei­ti­ges Aus. «Es hat sich eigent­lich ganz in Ordnung angefühlt und nicht, als gingen noch Welten mehr.»

Hülken­berg ging das Risiko als Stell­ver­tre­ter ein — und konnte nicht mehr rausho­len. «Die ersten zwei Runden waren wirklich Geeie­re», meinte er nach seinem irren Tag. «So oder so, es war ein wilder Ritt. Von elf Uhr bis jetzt ist einiges passiert.» Hülken­berg saß nach eigenen Angaben mittags noch beim Kaffee­trin­ken. «Es war noch wilder als beim letzten Mal.» Hülken­berg geht nun mit nur 18 Minuten Einfahr­zeit aus der ersten K.o.-Runde ins Eifel-Rennen.

Neben ihm steht in der letzten Start­rei­he Alfa-Romeo-Mann Kimi Räikkö­nen, der am Sonntag mit 323 Grand-Prix-Einsät­zen Rubens Barri­chel­lo ablöst und allei­ni­ger Rekord­hal­ter wird.

Hamil­ton verpass­te seine 97. Karrie­re-Pole erst nach einem makel­lo­sen Umlauf von Bottas. «Das ist so ein schönes Gefühl, wenn man es mit der letzten Runde schafft», berich­te­te der WM-Zweite. «Es war aber kniff­lig, weil wir nur wenig Zeit zum Üben hatten.» Für Hamil­ton werden am Sonntag «einige Fakto­ren» den Ausschlag geben: das Verhal­ten der Reifen oder die passen­de Boxen­stra­te­gie. Hinter dem Merce­des-Duo lande­te Max Verstap­pen im Red Bull auf Platz drei.

Erst knapp 50 Minuten vor der Start­platz­jagd hatte Racing Point Hülken­bergs nächs­tes Comeback verkün­det. Stroll musste wegen Unwohl­seins schon das Abschluss­trai­ning auslas­sen. «Es war einfach, für ihn das Auto einzu­rich­ten, er kennt das Auto, er kennt das Team», erläu­ter­te Teamchef Otmar Szafnau­er.

Hülken­berg hatte schon im Sommer in Silver­stone zwei Aushilfs­ein­sät­ze für sein frühe­res Team absol­viert, nachdem Strolls Teamkol­le­ge Sergio Perez positiv auf das Corona­vi­rus getes­tet worden war. Der Emmeri­cher war seit seinem Abschied von Renault Ende vergan­ge­nen Jahres ohne Cockpit und arbei­te­te seitdem auch als TV-Exper­te für den Fernseh­sen­der RTL. Hülken­berg habe sich nun glück­li­cher­wei­se in Köln aufge­hal­ten, teilte Racing Point mit. Der Nürburg­ring liegt nur gut eine Stunde Autofahrt von Köln entfernt.

Vettel verpass­te erneut in dieser Saison die letzte K.o.-Runde. Schon zum achten Mal schaff­te es der vierma­li­ge Weltmeis­ter in seinem letzten Ferra­ri-Jahr nicht unter die besten zehn Fahrer. «Es ist die Frage, ob mein Auto mitspielt oder nicht, ich werde alles probie­ren», kündig­te Vettel an. An eine Wieder­ho­lung seines Sieges von 2013 ist jedoch nicht zu denken.