SIGMARINGEN — Wie ein Walnuss­auf­strich, ein sogenann­tes „serious game“ und ein Bildungs­pro­gramm für Bioöko­no­mie zusam­men­ge­hö­ren? Alle drei werden in überre­gio­na­len Projek­ten zu Bioöko­no­mie entwi­ckelt, an denen die Stadt Sigma­rin­gen betei­ligt ist. Bioöko­no­mie ist ein Konzept zur nachhal­ti­gen Produk­ti­on von biolo­gi­schen Ressour­cen und Verfah­ren zur Entwick­lung neuer Produk­te und stellt so den ländli­chen Raum und seine Entwick­lung in den Mittel­punkt. Die Stadt Sigma­rin­gen fördert durch ihr Mitwir­ken in den Projek­ten also aktiv nachhal­ti­ge Entwick­lung in der Region.

AlpBio­Eco: Innova­ti­ve bioba­sier­te Produk­te

Im Rahmen des EU-Projekts AlpBio­Eco, in dem die Stadt Sigma­rin­gen leiten­der Partner ist, werden seit April 2018 gemein­sam mit 12 Projekt­part­nern aus fünf Alpen­län­dern innova­ti­ve und bioba­sier­te Geschäfts­mo­del­le entwi­ckelt. Dadurch soll die regio­na­le Entwick­lung und Wertschöp­fung gestärkt und die Innova­ti­on und Wirtschaft in der Region nachhal­tig geför­dert werden. So entstand beispiels­wei­se aus einer Analy­se der Ressour­ce „Walnüs­se“ das Konzept für einen vegeta­ri­schen Walnuss­auf­strich, der mit einem Neben­pro­dukt der regio­na­len Walnuss­öl-Produk­ti­on herge­stellt wird – dem Walnuss­press­ku­chen. Dieser wird bislang häufig nicht effizi­ent weiter verwen­det. Der Aufstrich stellt für Ölmüh­len und Walnuss­bau­ern eine zusätz­li­che Einnah­me­quel­le dar, schmeckt lecker, ist sehr gesund und nachhal­tig produ­ziert.

Neben dem Walnuss­auf­strich sind durch AlpBio­Eco auch andere regio­na­le und innova­ti­ve Produk­te aus der Alpen­re­gi­on entstan­den, wie zum Beispiel gluten­frei­es Apfel­mehl,  alter­na­ti­ve Packmit­tel aus Apfel­tres­ter und ein Schnul­ler mit beruhi­gen­den Kräuter­es­sen­zen. Seit Anfang des Jahres wurde die Umsetz­bar­keit von insge­samt sieben Geschäfts­mo­del­len gemein­sam mit lokalen Unter­neh­men getes­tet. Die Ergeb­nis­se der Testpha­se werden jetzt in einer „Best-Practice“-Broschüre veröf­fent­licht, die auf der Homepage des Projekts herun­ter­ge­la­den werden kann (https://www.alpine-space.eu/projects/alpbioeco/en/project-results/validation-bms_copy). Die Broschü­re ist nicht nur für jeden inter­es­sant, der sich für nachhal­ti­ge Produkt­ideen inter­es­siert. Sie ist auch die Grund­la­ge für die letzte Phase des AlpBio­Eco-Projekts, die sich auf die Entwick­lung politi­scher Leitfä­den zur Unter­stüt­zung von Bioöko­no­mie im Alpen­raum konzen­triert. Ziel ist es, die Umset­zung der entwi­ckel­ten Geschäfts­mo­del­le vor Ort zu fördern, aber auch aufzu­zei­gen, wo Politik und Forschung die Umset­zung noch weiter unter­stüt­zen können. Damit leistet AlpBio­Eco einen wichti­gen Beitrag zu einer umwelt­freund­li­che­ren Nutzung lokaler Ressour­cen.

Allthings.bioPRO: Bürger & Bioöko­no­mie

Mit einem „serious game“ (ernstes Online­spiel) will Allthings.bioPRO, ein EU-Projekt mit 12 inter­na­tio­na­len Partnern, Bürgern Wissen zu Themen der Bioöko­no­mie vermit­teln. Dieses Spiel wird im Projekt gemein­sam mit Bürgern entwi­ckelt. Es ist inter­ak­tiv und Teilneh­mer können ihre Ideen und Meinun­gen zur Entwick­lung der Bioöko­no­mie und bioba­sier­ten Produk­ten einbrin­gen, die in anony­mi­sier­ter Form inter­es­sier­ten Partnern zur Verfü­gung gestellt werden. So werden die Inter­es­sen und die Vorstel­lun­gen der Bevöl­ke­rung direkt an wichti­ge Akteu­re aus beispiels­wei­se Politik oder Wirtschaft weiter­ge­ge­ben und können bei der Entwick­lung einer nachhal­ti­gen Bioöko­no­mie mitein­ge­bun­den werden. Auch in Sigma­rin­gen werden im Frühjahr 2021 Workshops zur Entwick­lung des „serious games“ zu bioba­sier­ten Lebens­mit­tel-Verpa­ckun­gen statt­fin­den, zu denen sich Inter­es­sen­ten bald bei der Stadt Sigma­rin­gen anmel­den können. Um die Bevöl­ke­rung langfris­tig zu engagie­ren, wird zum Ende des Projekts ein Bürger­netz­werk ins Leben gerufen. Außer­dem wird eine Smart­pho­ne-App entwi­ckelt, die einen Überblick über die Vielzahl an bioba­sier­ten Produk­ten des tägli­chen Bedarfs gibt. So sollen die verschie­de­nen Inter­es­sens­grup­pen auch in Zukunft mit den Bürgern gemein­sam die Bioöko­no­mie in der Region fördern.

GoDanu­Bio: Ländli­che Attrak­ti­vi­tät steigern

Auch das EU-Projekt GoDanu­Bio, in dem die Stadt Sigma­rin­gen als strate­gi­scher Partner betei­ligt ist, beschäf­tigt sich mit dem Thema Bioöko­no­mie: Durch die Förde­rung von Bioöko­no­mie und Kreis­lauf­wirt­schaft soll die regio­na­le Entwick­lung in der Donau­re­gi­on gestärkt und so dem demogra­phi­schen Wandel begeg­net werden. Dafür steht auch der Name, der sich aus den Begrif­fen „Gover­nan­ce“, „Danube“ (engl. für Donau) und „Bioeco­no­my“ zusam­men­setzt.

Gemein­sam mit 19 Projekt­part­nern aus zehn Ländern der Donau­re­gi­on will GoDanu­Bio neue Betei­li­gungs­for­ma­te schaf­fen, die den Bürgern eine besse­re Mitge­stal­tung aktuel­ler und zukünf­ti­ger Strate­gien zur Steige­rung der Attrak­ti­vi­tät ländli­cher Gebie­te ermög­licht. Außer­dem werden Bildungs­pro­gram­me im Bereich Bioöko­no­mie und Kreis­lauf­wirt­schaft entwi­ckelt. So wird regio­na­le Entwick­lung nachhal­tig unter­stützt, denn verschie­de­ne Akteu­re aus Politik, Wirtschaft und Zivil­ge­sell­schaft werden vernetzt und können inter­dis­zi­pli­när zusam­men­ar­bei­ten. Durch diesen neuen Wissens­aus­tausch sollen auch neue bioba­sier­te Wertschöp­fungs­ket­ten erschlos­sen werden – und schluss­end­lich soll der ländli­che Raum attrak­ti­ver werden.