Nirgend­wo sonst sind so viele Menschen an Covid-19 gestor­ben wie in Alten- und Pflege­hei­men. Der Gesund­heits­mi­nis­ter setzt auf eine neue Teststra­te­gie. Patien­ten­schüt­zern geht das nicht weit genug.

«Damit können wir verhin­dern, dass sich alte und kranke Mitbür­ge­rin­nen und Mitbür­ger anste­cken. Für sie ist die Gefahr von schwer­wie­gen­den Folgen einer Infek­ti­on am größten.» Die Frage, wann und unter welchen Bedin­gun­gen die Schnell­tests von den Kranken­kas­sen bezahlt würden, werde zum 15. Oktober geregelt.

Alten- und Pflege­hei­me sollen ab dem 15. Oktober flächen­de­ckend Corona-Tests durch­füh­ren, um Bewoh­ner, Perso­nal und Besucher besser vor dem Virus zu schüt­zen. Der Referen­ten-Entwurf des Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums für eine Natio­na­le Teststra­te­gie sieht laut «Spiegel» ähnli­che Regelun­gen für Kranken­häu­ser, Einrich­tun­gen für ambulan­tes Operie­ren, Arzt- und Zahnarzt­pra­xen, Dialy­se­ein­rich­tun­gen, Praxen human­me­di­zi­ni­scher Heilbe­ru­fe sowie ambulan­te Pflege­diens­te vor.

Werde in solchen Einrich­tun­gen eine Infek­ti­on festge­stellt, habe jeder, der in den voran­ge­gan­ge­nen zehn Tagen dort gewesen sei, Anspruch auf einen Test, berich­tet der «Spiegel» unter Berufung auf den Entwurf. Pflege­hei­me sollten zum Beispiel ein monat­li­ches Kontin­gent für sogenann­te Antigen-Schnell­tests bekom­men.

Bezahlt werden sollen die Schnell­tests demnach über den Gesund­heits­fonds, aus dem gesetz­li­che Kranken­kas­sen ihre Mittel erhal­ten. Das Minis­te­ri­um veran­schla­ge dafür einen mittle­ren dreistel­li­gen Millio­nen­be­trag, abhän­gig von der Entwick­lung des Testge­sche­hens, hieß es in dem Bericht weiter.

Die Deutsche Stiftung Patien­ten­schutz mahnt zur Eile. Über die Hälfte der Menschen, die an Covid-19 gestor­ben seien, habe in Pflege­hei­men gelebt. «Hier wohnt die Risiko­grup­pe auf engstem Raum zusam­men. Deshalb ist es überfäl­lig, dass der Gesund­heits­mi­nis­ter eine effizi­en­te Teststra­te­gie für die Alten­pfle­ge auf den Weg bringt», sagte Vorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur.

In Deutsch­land gibt es nach seinen Angaben vier Millio­nen pflege­be­dürf­ti­ge Menschen, 900.000 leben in Heimen. «Doch Corona-Tests schüt­zen nicht vor dem Virus. So sind weiter­hin ein Hygie­ne­grund­schutz und eine funktio­nie­ren­de Kontakt­do­ku­men­ta­ti­on notwen­dig. Nur so ist jeder­zeit nachvoll­zieh­bar, wer mit wem zu tun hatte», forder­te Brysch. Das gelte für Pflege­be­dürf­ti­ge genau­so wie für Pflege­kräf­te. Schließ­lich hätten sich die meisten Mitar­bei­ter unter­ein­an­der angesteckt und nicht an Pflege­be­dürf­ti­gen.