Tag für Tag werfen die Exper­ten in den Rathäu­sern sorgen­vol­le Blicke auf den Lagebe­richt des Landes­ge­sund­heits­am­tes mit den jüngs­ten Corona-Zahlen. Ist eine Grenze überschrit­ten, drohen Aufla­gen. Das ist jetzt zuneh­mend der Fall. Und es ist kein Ende in Sicht.

Zuvor hatte nach dem Kreis Esslin­gen auch die Landes­haupt­stadt die sogenann­te Vorwarn­stu­fe erreicht. Während die Lage im benach­bar­ten Kreis Esslin­gen mit 45,4 Neuin­fek­tio­nen pro 100 000 Einwoh­ner und inner­halb von sieben Tagen (Stand 6.10., 16.00 Uhr) beson­ders kritisch ist, lag sie zuletzt in der Landes­haupt­stadt bei 35,4 neuen Fällen und somit ebenfalls über der kriti­schen Marke von 35. Mannheim hatte die vom Land definier­te «Vorwarn­stu­fe» am Wochen­en­de überschrit­ten, lag am Diens­tag aber mit einem Wert von 34,1 wieder knapp darun­ter.

Mit der Verschär­fung folgen die Kreise und Kommu­nen der Empfeh­lung der Bund-Länder-Kommis­si­on von Ende Septem­ber, die insbe­son­de­re der Verbrei­tung von Infek­tio­nen im Rahmen von Feier­lich­kei­ten im Famili­en- und Freun­des­kreis vorbeu­gen soll. Bei mehr als 50 Fällen pro 100 000 Einwoh­ner können in betrof­fe­nen Gegen­den Ausgangs- und Kontakt­be­schrän­kun­gen verschärft werden.

Bereits am Diens­tag hatte die baden-württem­ber­gi­sche Landes­re­gie­rung wegen der steigen­den Infek­ti­ons­zah­len die zweite von drei mögli­chen Corona-Warnstu­fen ausge­ru­fen. Minis­ter­prä­si­dent Winfried Kretsch­mann (Grüne) sprach von einer Habt-Acht-Stufe. Die Pande­mie­stu­fe zwei gilt, wenn die landes­wei­te sogenann­te Sieben-Tage-Inzidenz von 10 Fällen je 100 000 Einwoh­ner überschrit­ten wird und zusätz­lich das Infek­ti­ons­ge­sche­hen diffus ansteigt oder sich die landes­wei­ten wöchent­li­chen Fallzah­len inner­halb von zwei Wochen verdop­peln.

Stutt­garts Oberbür­ger­meis­ter Fritz Kuhn (Grüne) nannte die neue Aufla­ge in der Landes­haupt­stadt am Mittwoch «zielge­rich­tet und
angemes­sen». Es gehe darum, das öffent­li­che Leben so weit es geht aufrecht­zu­er­hal­ten. «Wir wollen einen weitrei­chen­den Lockdown verhin­dern. Damit Kinder in die Kita oder in die Schule gehen und Geschäf­te offen­blei­ben können, schrän­ken wir priva­te Zusam­men­künf­te ein, so wie es auch andere Kommu­nen gemacht haben.»

Nach Angaben des Leiters des Stutt­gar­ter Gesund­heits­amts, Stefan Ehehalt, lassen sich Corona-Ausbrü­che in ganz Deutsch­land vermehrt auf Feiern und Partys zurück­füh­ren. «Überall dort, wo Menschen auf engem Raum zusam­men­kom­men, laut reden, sich locker austau­schen, verbrei­ten sich Viren. Wenn wir Infek­tio­nen nachver­fol­gen und Ketten durch­bre­chen wollen, müssen wir den Hebel hier anset­zen», sagte Ehehalt.

Landes­weit hatte sich die Zahl der nachge­wie­se­nen Corona­vi­rus-Infek­tio­nen am Diens­tag und im Vergleich zum Vortag um 388 Fälle erhöht. Insge­samt haben sich nach Angaben des Landes­ge­sund­heits­am­tes nun 51 570 Menschen im Land nachweis­lich mit dem Erreger Sars-CoV‑2 angesteckt (Stand: 16.00 Uhr). Die Zahl der Todes­fäl­le im Zusam­men­hang mit dem Virus blieb unver­än­dert bei 1894. Als genesen gelten 44 932 Menschen — 236 mehr als am Vortag. Neue Zahlen erwar­tet das Amt am späten Nachmit­tag.