Das US-Wahljahr nimmt erneut eine drama­ti­sche Wendung — in ungewis­se Richtung. Einen Monat vor der Abstim­mung stecken sich US-Präsi­dent Trump und seine Ehefrau mit dem Corona­vi­rus an. Es gehe ihnen gut, versi­chert die First Lady. Doch wie geht es jetzt weiter?

Sollte Trump die Amtsge­schäf­te nicht mehr ausüben können, stünde Vizeprä­si­dent Mike Pence bereit.

Trumps Leibarzt Sean Conley erklär­te, Donald und Melania Trump gehe es gut. «Seien Sie versi­chert, dass ich erwar­te, dass der Präsi­dent während der Genesung weiter­hin ohne Unter­bre­chung seinen Pflich­ten nachkom­men wird.»

Trump wird in der Corona-Pande­mie immer wieder vorge­wor­fen, die Gefahr durch das Virus nicht ernst­zu­neh­men. Er trägt in der Öffent­lich­keit meistens keine Maske und hat sich mehrfach abfäl­lig über das Masken-Tragen seinen demokra­ti­schen Heraus­for­de­rer Joe Biden geäußert — zuletzt am Diens­tag beim ersten Fernseh­du­ell.

In den USA gibt es bisher 7,2 Milio­nen Corona-Fälle, mehr als 207.000 Menschen sind an den Folgen gestor­ben.

«Euer Präsi­dent wird weiter­hin das Volk an die erste Stelle stellen», schrieb die Spreche­rin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, auf Twitter und beschwor den Zusam­men­halt der Nation: «Ameri­ka steht vereint». Die Kraft des ganzen Landes sei mit Präsi­dent Trump und der First Lady.

Pence wünsch­te Trump eine rasche Genesung. «Wir schlie­ßen uns den Millio­nen quer durch Ameri­ka an, die für die volle und schnel­le Genesung beten. Gott segne Sie, Präsi­dent Trump & unsere wunder­vol­le First Lady Melania», twitter­te er auch im Namen seiner Ehefrau Karen.

Die USA befin­den sich auf der Zielge­ra­den zur Wahl am 3. Novem­ber, bei der sich Trump um eine zweite Amtszeit bewirbt. Er tritt gegen den Demokra­ten Joe Biden an. Die Corona-Pande­mie, die in den USA keines­wegs unter Kontrol­le ist, hatte den Wahlkampf ohnehin auf den Kopf gestellt. In den kommen­den Tagen hatte der 74-Jähri­ge zahlrei­che Auftrit­te geplant, teilwei­se große Events. In den vergan­ge­nen Wochen hatten an solchen Veran­stal­tun­gen ungeach­tet der Pande­mie Tausen­de Anhän­ger teilge­nom­men.

Am Donners­tag­abend war zunächst bekannt gewor­den, dass Trumps enge Berate­rin Hope Hicks positiv auf das Virus getes­tet wurde. Trump selbst bestä­tig­te die Infek­ti­on seiner Mitar­bei­te­rin in einem Inter­view beim Sender Fox News und sagte, dass er und Melania getes­tet worden seien. Hicks war in den vergan­ge­nen Tagen an der Seite des Präsi­den­ten gereist: Am Diens­tag zur TV-Debat­te zwischen Trump und Biden nach Cleve­land, am Mittwoch zu einem Wahlkampf­auf­tritt im US-Bundes­staat Minne­so­ta.

Auf Fotos von Mittwoch war Hicks auf dem Militär­flug­platz Joint Base Andrews außer­halb des Präsi­den­ten-Heliko­pters Marine One in unmit­tel­ba­rer Nähe von Trumps Berater und Schwie­ger­sohn Jared Kushner zu sehen. Beide trugen keinen Mund-Nasen-Schutz. Sie war auch mit anderen Mitar­bei­tern des Präsi­den­ten zusam­men. Zunächst war unklar, ob sich weite­re Perso­nen aus seinem Umfeld angesteckt hatten.

«Wie viel zu viele andere Ameri­ka­ner in diesem Jahr sind der Präsi­dent der Verei­nig­ten Staaten und ich in häusli­cher Quaran­tä­ne, nachdem wir positiv auf Covid-19 getes­tet wurden. Es geht uns gut, und ich habe alle bevor­ste­hen­den Verpflich­tun­gen abgesagt», schrieb Melania Trump Freitag­früh auf Twitter. «Passt bitte auf euch auf, und wir werden alle gemein­sam da durch­kom­men.»

Ein Sprecher des Weißen Hauses, Judd Deere, hatte am Donners­tag­abend auf Anfra­ge mitge­teilt: «Der Präsi­dent nimmt die Gesund­heit und Sicher­heit von sich selbst und allen, die für ihn und das ameri­ka­ni­sche Volk arbei­ten, sehr ernst.» Sowohl auf Reisen als auch im Weißen Haus würden die aktuel­len Richt­li­ni­en der Gesund­heits­be­hör­de CDC und bewähr­te Maßnah­men zur Minde­rung des Risikos einer Anste­ckung befolgt, ging aus dem State­ment hervor.

Dass er in der Öffent­lich­keit meist keine Maske trägt, begrün­de­ten Trump und das Weiße Haus stets damitn, er und sein Umfeld würden regel­mä­ßig auf das Corona­vi­rus getes­tet. Trumps Spreche­rin McEnany hatte das Tragen von Masken im Juni als «persön­li­che Entschei­dung» bezeich­net und darauf verwie­sen, dass sie regel­mä­ßig getes­tet werde.

Anfang Mai war bekannt gewor­den, dass sich die Presse­spre­che­rin von US-Vizeprä­si­dent Mike Pence, Katie Miller, angesteckt hatte. Ende Juli wurde der Natio­na­le Sicher­heits­be­ra­ter im Weißen Haus, Robert O’Bri­en, positiv getes­tet.