BERLIN (dpa) — Die Infek­ti­ons­zah­len in Deutsch­land explo­die­ren. Die Regie­rung fürch­tet eine erneu­te gefähr­li­che Zuspit­zung der Lage in den Kranken­häu­sern. Aus der Koali­ti­on kommt der Ruf nach stren­ge­ren Regeln.

Mit mehr als 100.000 regis­trier­ten Neuin­fek­tio­nen an einem Tag erreicht die Corona-Welle in Deutsch­land bislang unbekann­te Höhen. Die Bundes­re­gie­rung rechnet mit einem weite­ren Anstieg.

«Wir werden noch höhere Fallzah­len bekom­men», sagte Bundes­ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl Lauter­bach (SPD). Mit «mittel­fris­tig erheb­li­chen Auswir­kun­gen aufs Gesund­heits­sys­tem» durch mehr Inten­siv­pa­ti­en­tin­nen und ‑patien­ten ist laut seinem Minis­te­ri­um zu rechnen. Bund und Länder sollten aus Sicht des Grünen-Gesund­heits­ex­per­ten Janosch Dahmen jetzt mit der Vorbe­rei­tung zusätz­li­cher Maßnah­men beginnen.

«Ich glaube, dass wir den Höhepunkt der Welle wahrschein­lich Mitte Febru­ar errei­chen werden», sagte Lauter­bach am Diens­tag­abend in der Sendung «RTL Direkt». Die Gesund­heits­äm­ter übermit­tel­ten dem Robert Koch-Insti­tut nach Angaben vom Mittwoch 112.323 neue Fälle in 24 Stunden. Es gab 239 Todes­fäl­le. Die Sieben-Tage-Inzidenz erreich­te mit 584,4 Neuin­fek­tio­nen pro 100.000 Einwoh­ner und Woche ebenfalls einen Höchst­stand. Die Dunkel­zif­fer dürfte bei der Inzidenz etwa beim Faktor zwei liegen, sagte Lauterbach.

Omikron bisher ohne Auswir­kun­gen auf Intensivstationen

Bislang spiegelt sich die von der Virus­va­ri­an­te Omikron ausge­lös­te Welle nicht auf den Inten­siv­sta­tio­nen wieder. Dort ist die Zahl der Corona-Patien­ten laut Medizi­ner­ver­ei­ni­gung Divi seit der ersten Dezem­ber­hälf­te von rund 5000 auf zuletzt 2664 gesun­ken. Momen­tan infizie­ren sich vergleichs­wei­se wenig Ältere, die beson­ders anfäl­lig für schwe­re Verläu­fe sind.

«Omikron ist milder, aber nicht mild», sagte der Abgeord­ne­te Dahmen der Deutschen Presse-Agentur. «Von der derzei­ti­gen Lage in den Kranken­häu­sern dürfen wir uns nicht täuschen lassen. Erst in frühes­tens zwei Wochen wird die Omikron-Wand die Kranken­häu­ser errei­chen.» Aus anderen Ländern wisse man: Die Omikron-Welle komme später in den Klini­ken an als andere Wellen davor.

Dahmen forder­te: «In Innen­räu­men, in denen keine FFP2-Maske getra­gen werden kann, wäre die Auswei­tung der 2G-plus-Regel sinnvoll.» Kanzler Olaf Scholz (SPD) und die Minis­ter­prä­si­den­ten wollen am Montag erneut über die Corona-Lage beraten. Zuletzt hatten sie beschlos­sen, dass beim Zugang zur Gastro­no­mie grund­sätz­lich auch Geimpf­te und Genese­ne (2G) getes­tet oder dreifach­ge­impft sein müssen (2G plus).

Verkür­zung des Genese­nen­sta­tus mit Folgen

Für ungeimpf­te Genese­ne kann unter­des­sen die jüngs­te Verkür­zung der Geltungs­dau­er des Genese­nen­nach­wei­ses zum Problem werden. Denn für ältere Nachwei­se gibt es laut Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um keinen Bestands­schutz. Seit Samstag gilt der Genese­nen­sta­tus nur noch für eine Zeitspan­ne zwischen 28 und 90 Tagen nach einem positi­ven PCR-Test. Die Begrün­dung ist laut RKI, dass Ungeimpf­te bei Omikron nach einer Infek­ti­on weniger und kürzer Schutz vor einer erneu­ten Infek­ti­on haben. Nachwei­se von Anfang Oktober zum Beispiel sind damit jetzt abgelaufen. 

Die Gesund­heits­mi­nis­ter der Länder hatten das Bundes­mi­nis­te­ri­um gebeten, Übergangs­re­ge­lun­gen für Betrof­fe­ne zu erarbei­ten — etwa wegen g