OBERAMMERGAU (dpa) — Mit rund 2100 Einhei­mi­schen als Mitwir­ken­den ist es ein in dieser Form einzig­ar­ti­ges Spekta­kel. Im oberbaye­ri­schen Oberam­mer­gau beginnt wieder das berühm­te Spiel um Leiden, Tod und Aufer­ste­hung Christi.

In dem oberbaye­ri­schen 5200-Seelen-Dorf Oberam­mer­gau startet ein in dieser Form einzig­ar­ti­ges Schau­spiel: Mit coronabe­dingt zweijäh­ri­ger Verspä­tung begin­nen die Passionsspiele.

Norma­ler­wei­se alle zehn Jahre zeigt der Ort einem Pestge­lüb­de aus dem Jahr 1633 folgend «das Spiel vom Leiden, Sterben und Aufer­ste­hen unseres Herrn Jesus Chris­tus». Diesmal dauer­te die Warte­zeit wegen der Pande­mie zwölf Jahre. Zur Eröff­nung halten der Münch­ner Erzbi­schof Kardi­nal Reinhard Marx und der evange­li­schen Landes­bi­schof Heinrich Bedford-Strohm gemein­sam einen ökume­ni­schen Gottesdienst.

Promi­nenz wie immer dabei

Bei der Premie­re werden promi­nen­te Gäste aus Politik, Kultur und Gesell­schaft erwar­tet. Unter ihnen sind Bayerns Minis­ter­prä­si­dent Markus Söder (CSU), Sachsen-Anhalts Minis­ter­prä­si­dent Reiner Haseloff (CDU), der Aposto­li­sche Nunti­us Nikola Eterovic, der Präsi­dent des Zentral­ra­tes der Juden in Deutsch­land, Josef Schus­ter, und seine Vorgän­ge­rin in dem Amt, Charlot­te Knobloch. Auf der Gäste­lis­te stehen unter anderen auch die Schau­spie­le­rin Uschi Glas und ihre Kolle­gen Ben Becker und Dieter Haller­vor­den sowie Ex-Fußball­tor­wart Jens Lehmann.

Es wird eine Premie­re in bewähr­ter Beset­zung: Jesus und Maria, Maria Magda­le­na, der Hohepries­ter Annas und der Jesus-Anhän­ger Josef von Arimat­häa — sie alle werden von Schau­spie­lern darge­stellt, die diese Rollen schon 2010 innehat­ten. Das Los hat über Beset­zung der Premie­re entschie­den. Denn alle 20 Haupt­rol­len sind doppelt besetzt. Bei den gut 100 Vorstel­lun­gen bis 2. Oktober wird durchgewechselt.

Den Jesus gibt wie schon 2010 Frede­rik Mayet, der auch Presse­spre­cher der Passi­ons­spie­le ist. Als Maria steht erneut Maria Hecht auf der Bühne. Insge­samt wirken rund 2100 Einhei­mi­sche mit, mehr als ein Drittel der 5200 Einwoh­ner des Dorfes. Spielen darf, wer im Ort geboren ist oder seit 20 Jahren dort lebt.

Wegen der Pande­mie hatte Spiel­lei­ter Chris­ti­an Stückl die Passi­on um zwei Jahre verscho­ben. Der 60-Jähri­ge, der das Stück zum vierten Mal insze­niert, hat es moder­ni­siert und von antise­mi­ti­schen Tenden­zen befreit. Er lässt Jesus Hebrä­isch sprechen — und macht klar: Chris­tus war gläubi­ger Jude, der Konflikt um ihn war ein inner­jü­di­scher. Auch dieses Mal hat Stückl den Text verän­dert, wenngleich nicht so stark wie 2010.

Kluft zwischen Arm und Reich zentra­les Thema

Dem Spiel­lei­ter geht es um eine Botschaft: «Wir haben früher die Leidens­ge­schich­te von Jesus erzählt. Aber ganz wichtig ist die Lebens­ge­schich­te. Was wollte er in seinem Leben — und für was ist er ans Kreuz geschla­gen worden?» Die Kluft zwischen Arm und Reich, Flucht, Vertrei­bung und Krieg sind für ihn zentra­le Themen.

Die etwas umgestal­te­te Bühne hat Stefan Hagen­ei­er als Tempel­an­la­ge gebaut. Das ganze Stück spielt in diesem religiö­sen und politi­schen Zentrum Jerusa­lems. Neu gefasst ist auch die Musik unter Leitung von Markus Zwink. Orches­ter und Chor — zusam­men rund 120 Menschen — sollen fließend überlei­ten zwischen den Szenen aus dem Leben Jesu und alttes­ta­ment­li­chen Schlüsselszenen.

Die Textbü­cher sind auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Franzö­sisch zu haben. Ein Drittel der Zuschau­er kam bishe