Die Gitar­re spiel­te Jimi Hendrix nicht nur — er beherrsch­te sie in einer Perfek­ti­on, die seinen Fans neue Welten erschloss. Vor 50 Jahren starb er.

Jahre­lang faszi­nier­te die Gitar­ren-Legen­de die Fans mit Klang­tep­pi­chen wie Gewit­ter. Hendrix ließ sein Instru­ment explo­die­ren, brummen, heulen und krachen wie niemand vor und niemand nach ihm. Die «Rock & Roll Hall of Fame» nannte das Idol der ameri­ka­ni­schen Hippie-Bewegung den «begab­tes­ten Instru­men­ta­lis­ten aller Zeiten». Vor 50 Jahren (18. Septem­ber) starb Jimi Hendrix.

Seine Karrie­re begann der 1942 in Seattle gebore­ne Hendrix im Alter von 20 Jahren — im Rampen­licht standen zunächst aber andere. Hendrix beglei­te­te Stars wie Curtis Knight, Ike & Tina Turner oder Sam Cooke an der Gitar­re. «Jimi stahl mir die Show. Ich dachte, die Leute applau­dier­ten mir, aber sie applau­dier­ten ihm», erinner­te sich Little Richard, der im Mai diesen Jahres starb, später. Hendrix wollte mehr als nur Begleit­mu­si­ker sein, eine eigene Karrie­re als Gitar­rist, Sänger und Songwri­ter starten.

Doch für seine unkon­ven­tio­nel­le Art, die Gitar­re mit den Zähnen und auf dem Rücken zu spielen, war das ameri­ka­ni­sche Publi­kum in New York Mitte der 60er noch nicht reif. 1966 überre­de­te ihn Chas Chand­ler, Bassist der Band The Animals, mit ihm nach London zu kommen. Gemein­sam mit dem Schlag­zeu­ger Mitch Mitchell und dem Bassis­ten Noel Redding gründe­te er die Band The Jimi Hendrix Experi­ence. Ihre Show entwi­ckel­te sich zu einer Sensa­ti­on und Hendrix zu einem schwar­zen Musiker mit einem weißen Publi­kum. Stars wie Paul McCart­ney, John Lennon, Pete Towns­hend und Eric Clapton waren begeis­tert.

Die erste Single der Band, eine Inter­pre­ta­ti­on des ameri­ka­ni­schen Folksongs «Hey Joe», schaff­te es auf Platz sechs der briti­schen Charts. Die Band veröf­fent­lich­te bis zu ihrer Auflö­sung im Jahr 1969 drei Alben mit populä­ren Titeln wie «Purple Haze», «Little Wing» oder «Vodoo Child». Das letzte Album «Electric Ladyland» schaff­te es bis auf Platz eins der ameri­ka­ni­schen Billboard-Charts.

Doch das Publi­kum liebte beson­ders die Live-Auftrit­te. Wie Hendrix da, die toupier­ten Haare kunst­voll von einem Stirn­band gehal­ten, mit Fingern, Lippen und Zähnen sein Instru­ment bearbei­te­te, zum Liebes­ob­jekt machte und am Schluss oft zerstör­te. Der Verstär­ker blieb fast immer aufge­dreht. «Der Glaube kommt zu den Leuten durch Elektri­zi­tät», sagte Hendrix. «Darum spielen wir so laut. Wir wollen, dass unser Sound direkt die Seele der Menschen trifft.»

Seine Versi­on der ameri­ka­ni­schen Natio­nal­hym­ne «The Star Spangled Banner» beim legen­dä­ren Festi­val von Woodstock 1969 wurde zum histo­ri­schen Meilen­stein der Musik­ge­schich­te. Bei dem Auftritt imitier­te Hendrix mit der Gitar­re auf brachia­le Weise Maschi­nen­ge­weh­re, Bomben­ein­schlä­ge und Militär­flug­zeu­ge. Viele sahen es als Protest gegen den Vietnam­krieg.

Hendrix selbst aber gab sich in der «Dick Cavett Show» wenig später zurück­hal­tend, er habe vor dem Auftritt einen Nerven­zu­sam­men­bruch gehabt, erzähl­te er da. Zu seiner Inter­pre­ta­ti­on der US-Hymne sagte er nur: «Ich weiß nicht, Mann. Alles, was ich getan habe, ist sie zu spielen. Ich bin Ameri­ka­ner, also habe ich sie gespielt.» Er habe es auch nicht «unortho­dox» gefun­den, sondern nur wunder­schön.

In dem TV-Inter­view verriet Hendrix dabei auch, wie müde er sei. Er habe die Nacht zuvor nicht geschla­fen. Nicht nur die Schlaf­lo­sig­keit sollte ihm mehr und mehr zum Verhäng­nis werden. Der Aufstieg zum Weltstar und die immensen Erwar­tun­gen überfor­der­ten ihn. Hendrix begann, immer mehr Drogen zu konsu­mie­ren und sich zurück­zu­zie­hen. Seinen letzten Rausch — nur wenige Tage nach seinem Auftritt auf Fehmarn — überleb­te er nicht.

Um Hendrix’ Tod im Londo­ner Apart­ment seiner deutschen Freun­din Monika Danne­mann rankten sich lange Zeit Gerüch­te. Allen Anzei­chen und auch der offizi­el­len Versi­on zufol­ge aber starb die Gitar­ren-Legen­de am 18. Septem­ber einen kleinen, elenden und zufäl­li­gen Tod. Nach einer Flasche Wein und mögli­cher­wei­se zu hoch dosier­ten Schlaf­ta­blet­ten erstick­te er an seinem eigenen Erbro­che­nen.