Ab Montag dürfte ein Blick in den Kalen­der für Ästhe­ten ein Hochge­nuss sein: Im Jahr 2021 zeigt sich der Febru­ar in purem Ebenmaß. Was daran so beson­ders ist.

BERLIN (dpa) — Kein Tag zu viel, keiner zu wenig: 2021 ist der Febru­ar an Vollkom­men­heit nicht zu überbie­ten. Die vier Kalen­der­wo­chen passen wie angegos­sen. Los geht’s an einem Montag, Schluss ist an einem Sonntag.

Dieses Szena­rio ist zwar nicht super­sel­ten, doch ein paar Jahre muss sich der kürzes­te der zwölf Monate dennoch immer gedulden.

«Können wir uns einen Moment Zeit nehmen, um zu würdi­gen, wie perfekt recht­eckig der Febru­ar dieses Jahr ist?», fragte der Tech-Riese Micro­soft jüngst — und zeigte auf Twitter eine Abbil­dung des hausei­ge­nen Outlook-Kalen­ders mit den völlig symme­trisch aufge­teil­ten 28 Tagen. Der Monat in wohlge­form­tem Gleich­maß. Die Kolle­gen Januar, März, April und Co. kriegen das mit ihren 30 und 31 Tagen nie hin.

Doch diese Ästhe­tik können 2021 nur dieje­ni­gen bewun­dern, die ihre Wochen tatsäch­lich mit dem Montag starten lassen — so wie es die inter­na­tio­na­le Iso-Norm 8601 festlegt.

Anders sieht es zum Beispiel auf kanadi­schen oder US-Kalen­dern aus, dort ist häufig Wochen­be­ginn am Sonntag. Genau­so in der christ­li­chen und jüdischen Tradi­ti­on — zu erken­nen etwa an den griechi­schen und hebräi­schen Bezeich­nun­gen des Montags als «der Zweite». Für kalen­da­ri­sche Sonntags­fah­rer steht erst 2026 wieder ein perfek­ter Febru­ar an.

Diese charman­te Harmo­nie stellt sich übrigens gar nicht so selten ein. Zuletzt gab es 2010 einen Febru­ar, der von einem Montag an genau in vier ganze Wochen passte. Der nächs­te kommt 2027. Die Abstän­de sind in der Regel sechs oder elf, selte­ner auch zwölf Jahre.

Ausge­nom­men sind natür­lich die Schalt­jah­re, die mit selte­nen Abwei­chun­gen alle vier Jahre einen 29. Febru­ar besche­ren. Schon im Alten Rom führte Herrscher Julius Caesar mit seiner Kalen­der­re­form den 366. Tag ein, um den Jahres­lauf dem Sonnen­stand anzuglei­chen. Der Grund: Die Erde umrun­det nicht in exakt 365 Tagen die Sonne, sondern in 365 Tagen, fünf Stunden und fast 49 Minuten. Das Jahr lässt sich nicht so leicht in ein Kalen­der-Korsett zwingen wie der Februar.

In den 1920ern wieder­um wollte Moses Cotsworth endlich passend machen, was eigent­lich nicht passt: Er hat sich ausge­malt, wie es wäre, wenn jeder Monat montags begin­ne und sonntags ende. Der Mitar­bei­ter einer Bahnge­sell­schaft entwarf einen Kalen­der mit 13 perfek­ten Monaten und jeweils genau 28 Tagen. Sein Ziel war eine Verein­fa­chung logis­ti­scher Prozesse.

Der zusätz­li­che Monat «Sol» sollte seiner Ansicht nach zwischen Juni und Juli platziert werden. Weil 13 mal 28 erst 364 statt 365 Tage ergibt, wollte der Brite einen Extra-Tag am Jahres­en­de einfü­gen, diesen aber weder einem Monat noch einem Wochen­tag zuord­nen. In Schalt­jah­ren sollte es noch einen weite­ren Tag im Sommer geben.

Durch­set­zen konnte sich Cotsworths Idee freilich nicht, sie verschwand in den 1930ern wieder aus dem Blick. Aller­dings arbei­te­te etwa Foto-Pionier Kodak noch sage und schrei­be bis 1989 mit dem 13-Monats-Kalen­der, wie etwa die BBC und Bloom­berg berichten.

Somit bleibt der Febru­ar der einzi­ge Monat, dem das diesjäh­ri­ge Symme­trie-Kunst­stück gelingt. Sein Name stammt von den «februa», den römischen Reini­gungs­op­fern am Ende des Winters zu Ehren der Göttin Juno, wie etwa der antike Dichter Ovid in seinen «Fasti» schreibt. Jede Sünde und alles Übel sollten mit den Ritua­len besei­tigt werden.

Seelen­heil dürften diesmal gerade Ordnungs­fa­na­ti­ker und Ästhe­ten beim Blick auf den Kalen­der empfin­den. «Wow, das ist sexy», heißt in sozia­len Medien über den Febru­ar 2021. Oder auch: «so befrie­di­gend». Jetzt muss der Monat nur noch halten, was sein Auftritt verspricht.