Welche Tiefkühl­piz­za ist ein Dickma­cher? Ist ein Joghurt gesün­der als der daneben? Nach langen Debat­ten kann es es nun eine Kennzeich­nung geben, die mehr Klarheit schaf­fen soll — auf freiwil­li­ger Basis.

Bundes­er­näh­rungs­mi­nis­te­rin Julia Klöck­ner (CDU) sagte, sie erwar­te von den Lebens­mit­tel­un­ter­neh­men, «dass sie Farbe beken­nen und ihr Sorti­ment umfas­send kennzeich­nen». Auch Verbrau­cher­schüt­zer forder­ten eine flächen­de­cken­de Verwen­dung.

Das aus Frank­reich stammen­de System bezieht neben Zucker, Fett und Salz auch empfeh­lens­wer­te Bestand­tei­le wie Ballast­stof­fe in eine Gesamt­be­wer­tung ein und gibt dann einen einzi­gen Wert an — auf einer fünfstu­fi­gen Skala von «A» auf dunkel­grü­nem Feld für die günstigs­te Bilanz über ein gelbes «C» bis zum roten «E» für die ungüns­tigs­te. Erste Produk­te damit sind schon in den Läden zu sehen. Das neue Logo muss auf der Packungs-Vorder­sei­te aufge­druckt werden und soll die verpflich­ten­den Nährwert­ta­bel­len auf den Rücksei­ten ergän­zen.

Klöck­ner sagte, Nutri-Score sei «ein wichti­ger Schritt hin zu einem stärke­ren Bewusst­sein beim Lebens­mit­tel­ein­kauf und gegen versteck­te Dickma­cher». Mehr Infor­ma­tio­nen ermög­lich­ten eine gesün­de­re Ernäh­rung.

Der Chef des Verbrau­cher­zen­tra­le Bundes­ver­bands (vzbv), Klaus Müller, sagte der Deutschen Presse-Agentur, oft sei nicht auf den ersten Blick zu erken­nen, ob Produk­te übermä­ßig viel Zucker, Fett oder Salz enthal­ten. «Nutri-Score könnte das ändern und das gesun­de Einkau­fen deutlich erleich­tern.» Dafür müsse das Logo aber flächen­de­ckend zu finden sein. Die Verbrau­cher­or­ga­ni­sa­ti­on Foodwatch forder­te ebenfalls eine EU-weit verpflich­ten­de Einfüh­rung. Nötig seien zudem Beschrän­kun­gen bei der Werbung für ungesün­de­re Produk­te, die sich an Kinder richtet.

Grünen-Ernäh­rungs­ex­per­tin Renate Künast begrüß­te die Einfüh­rung einer «trans­pa­ren­ten Nährwert­am­pel» nach jahrzehn­te­lan­ger Debat­te. «Die Lebens­mit­tel­in­dus­trie muss jetzt zeigen, dass sie ernst­haft bereit ist, mitzu­zie­hen.» Nutri-Score sei kein Selbst­zweck, sondern eine von vielen notwen­di­gen Maßnah­men gegen Überge­wicht und ernäh­rungs­be­ding­te Erkran­kun­gen. Die FDP-Abgeord­ne­te Nicole Bauer kriti­sier­te, es sei offen­sicht­lich einfa­cher, eine weite­re Kennzeich­nung einzu­füh­ren als etwa zusätz­li­che Lehrin­hal­te zur Ernäh­rung in den Schulen. SPD-Exper­tin Ursula Schul­te forder­te Klöck­ner ebenfalls auf, sich für die Einfüh­rung eines EU-weit verpflich­ten­den Nutri-Scores einzu­set­zen.

Klöck­ner macht sich in der laufen­den deutschen EU-Ratsprä­si­dent­schaft dafür stark. Dies gehört auch zu einer Strate­gie der EU-Kommis­si­on für nachhal­ti­ge Lebens­mit­tel. Wie das Minis­te­ri­um erläu­tert, ist eine verpflich­ten­de natio­na­le Einfüh­rung nach EU-Recht nicht möglich.