Das hätte es doch sein müssen. Borus­sia Mönchen­glad­bach führt gegen Real Madrid klar — und gewinnt dennoch nicht. Später wird der Stolz überwie­gen, am Diens­tag­abend aber noch nicht.

Borus­sia Mönchen­glad­bach hat in der Champions League gegen die König­li­chen von Real Madrid erneut ganz bitte­re Minuten erlebt. Das Rose-Team führte am Diens­tag­abend kurz vor Schluss mit zwei Toren. Nach fahri­ger, unglück­li­cher Endpha­se reich­te es gegen das Starensem­ble aber nur zu einem 2:2 (2:0). Marcus Thuram (33./58.) war nach Vorla­gen des starken Alassa­ne Pléa erfolg­reich. Karim Benze­ma (87.) und Casemi­ro (90.+3) trafen für die Madri­le­nen um Natio­nal­spie­ler Toni Kroos.

«Es ist immer schei­ße, wenn du spät den Ausgleich bekommst», sagte Chris­toph Kramer beim Pay-TV-Sender Sky. «Direkt nach dem Spiel ist es sehr ärger­lich.» Es gebe «logischer­wei­se aber auch viel Positi­ves». Torwart Yann Sommer meinte: «Natür­lich sind wir enttäuscht. Wir haben ein gutes Spiel gemacht, wir haben die Schwä­chen, die kleinen, die Real hat, ausge­nutzt. Nur in der Schluss­pha­se — da müssen wir dran arbeiten.»

Nach dem 2:2 bei Inter Mailand in der Vorwo­che haben die Gladba­cher aber weiter gute Chancen auf das Errei­chen der K.o.-Runde. Am kommen­den Diens­tag steht in der hammer­har­ten Gruppe B das Spiel bei Tabel­len­füh­rer Schacht­jor Donezk an. «Wir nehmen diese zwei Punkte mit», sagte Sommer.

Als «Weltklas­se­spie­ler» hatte Rose die Real-Profis kurz vor dem Anpfiff bezeich­net. «Aber das sind auch nur Menschen», sagte der 44-Jähri­ge. Entspre­chend mutig stell­te er seine eigene Mannschaft auf. Die Gladba­cher versuch­ten es in der Anfangs­pha­se mit hohem Pressing, mussten aber gegen extrem ballsi­che­re Gegner höllisch aufpas­sen, nicht mit zwei, drei schnel­len Pässen überspielt zu werden.

Real, das mit dem Selbst­ver­trau­en des 3:1‑Sieges im Clási­co beim FC Barce­lo­na nach Deutsch­land gereist war, bestimm­te angetrie­ben von Kroos zunächst das erste Aufein­an­der­tref­fen der beiden Clubs seit 35 Jahren. Den Gladba­cher Spiel­auf­bau störten meist gleich drei bis vier Real-Profis ganz nah am Straf­raum von Sommer. «Ruhig spielen», rief Rose energisch von der Seiten­li­nie auf den Platz.

Casemi­ro (7.) und Benze­ma (16.) gaben erste Torschüs­se in Richtung Sommer ab, der Kroos’ Fernschuss stark parier­te (29.). Real wurde stärker, spiel­te schnel­ler und stell­te die Abwehr der Borus­sia mit der indivi­du­el­len Klasse vor allem von Marco Asensio vor Proble­me. Und dann kam Thuram. Der 23-Jähri­ge, dessen Vater Lilian zusam­men mit Real-Trainer Zinédi­ne Zidane 1998 Weltmeis­ter gewor­den war, vollende­te einen blitz­ar­tig vorge­tra­ge­nen Angriff nach Ballver­lust des Madri­der Starensembles.

Bis dahin war die Gladba­cher Offen­si­ve fast zum Erlie­gen gekom­men. Rose hatte im Vergleich zum 3:2‑Sieg in Mainz fünf Stamm­spie­ler zurück in die Start­for­ma­ti­on beordert, die nach Thurams erstem Tor in der Königs­klas­se Sicher­heit gewan­nen gegen die erneut gekränk­ten König­li­chen. In der vergan­ge­nen Woche hatte Real mit 2:3 gegen Donezk verlo­ren. Der ukrai­ni­sche Meister trenn­te sich am Diens­tag von Inter 0:0.

In Gladbach war Sommer gegen Asensio zur Stelle (38.), der nach dem Wieder­an­pfiff den Pfosten traf (46.). Die Gladba­cher lauer­ten in dieser Phase auf Konter — einen hätte Kramer fast genutzt (54.) — und kamen erneut durch Thuram zum Torer­folg. Der Franzo­se stand beim Schuss von Pléa goldrich­tig und staub­te ab. Im Anschluss drehte die Borus­sia auf. Lars Stindl schoss ganz knapp am Pfosten vorbei (65.).

Real antwor­te­te mit wüten­den, aber fahrig gespiel­ten Angrif­fen. Zidane reagier­te mit einem Doppel­wech­sel (71.), Kroos ging für Luka Modric vom Platz. Der einge­wech­sel­te Eden Hazard traf das Außen­netz (74.), Benze­ma artis­tisch zum Anschlusstreffer.