Das Glaukom, auch Grüner Star genannt, ist eine Erkran­kung des Sehnervs und führt unbehan­delt zu dauer­haf­ten Schäden. Augen­ärz­te empfeh­len Vorsor­ge­un­ter­su­chun­gen. Doch wie nützlich sind diese?

Denn das Tücki­sche an dieser Augen­er­kran­kung ist: Weil das zentra­le Sehen zunächst nicht leidet, fällt ein Grüner Star oft nicht sofort auf. Das zu wissen kann Menschen Angst machen: Habe ich vielleicht schon einen Grünen Star und merke es nur nicht? In dem Zusam­men­hang stellt sich sofort auch die Frage nach Vorsor­ge­un­ter­su­chun­gen.

Augen­ärz­te raten dazu, regel­mä­ßig zu einer Früherken­nung zu gehen. Jedoch ist deren Nutzen umstrit­ten: Der Medizi­ni­sche Dienst des Spitzen­ver­ban­des der gesetz­li­chen Kranken­kas­sen (MDS) bewer­tet diese Unter­su­chung als «tenden­zi­ell negativ» – weil es keine Studi­en gebe, die einen direk­ten oder indirek­ten Nutzen nachwie­sen. Was heißt das am Ende für Verbrau­cher? Ein Überblick der Positio­nen.

Was empfeh­len die Augen­ärz­te?

Klar ist: Wird die auch als Glaukom bekann­te Krank­heit Grüner Star nicht behan­delt, droht schlimms­ten­falls die Erblin­dung, warnt die Deutsche Ophthal­mo­lo­gi­sche Gesell­schaft (DOG).

Bei der Früherken­nungs­un­ter­su­chung werden die Sehner­ven­köp­fe beider Augen geprüft sowie der Augen­in­nen­druck gemes­sen. Die DOG empfiehlt dies als regel­mä­ßi­gen Check vom 40. Lebens­jahr an, der dann alle fünf Jahre wieder­holt werden sollte, ab einem Alter von 60 sogar alle zwei bis drei Jahre. Dabei handelt es sich um eine sogenann­te Indivi­du­el­le Gesund­heits­leis­tung («IGeL») – und das bedeu­tet, dass Patien­ten die Kosten von 20 bis 40 Euro pro Check selbst zahlen müssen.

Bei bestehen­den Risiko­fak­to­ren sollten die Augen noch engma­schi­ger unter­sucht werden, empfiehlt die DOG. Dazu zählten Verwand­te ersten Grades, die ein Glaukom haben, sowie ein erhöh­ter Augen­in­nen­druck. Weite­re Fakto­ren seien Kurzsich­tig­keit von mindes­tens minus vier Dioptrien sowie Ablage­run­gen auf der Linse und im Kammer­win­kel des Auges, wo Hornhaut und Iris aufein­an­der­tref­fen. Kommen drei oder mehr solcher Risiko­fak­to­ren zusam­men, empfeh­len die Ärzte eine alljähr­li­che Überprü­fung schon ab einem Alter von 40 Jahren.

Wie lautet die Kritik des medizi­ni­schen Diens­tes der Kranken­kas­sen?

Der MDS bewer­tet IGeL-Leistun­gen regel­mä­ßig hinsicht­lich ihres mögli­chen Nutzens und veröf­fent­licht seine Bewer­tun­gen im IGeL-Monitor. Die Glaukom-Früherken­nung kommt hier nicht allzu gut weg. Man habe keine Studi­en gefun­den, welche einen direk­ten oder indirek­ten Nutzen dieser Unter­su­chung nachwei­sen, teilt der MDS mit.

«Indirekt» bedeu­tet hier, dass die vorlie­gen­den wissen­schaft­li­chen Unter­su­chun­gen in dem Bereich auch keine Hinwei­se dazu liefern, dass eine frühe­re Thera­pie auf Basis der Früherken­nung Betrof­fe­nen mehr nutzen würde als eine Thera­pie, die nach einer Diagno­se erst aufgrund von konkre­ten Beschwer­den erfolgt, erläu­tert der MDS auf Nachfra­ge.

Was sagen die Augen­ärz­te dazu?

DOG-Präsi­dent Hans Hoerauf betont, dass die Früherken­nung «sehr sinnvoll und wichtig» sei. Eine Studie, die den direk­ten Nutzen der Früherken­nung nachwei­se, könne und werde es nicht geben. Hoerauf begrün­det das damit, dass es aus augen­ärzt­li­cher Sicht ethisch nicht vertret­bar sei, eine Kontroll­grup­pe ohne Früherken­nung zum Vergleich zu nutzen. Aus seiner Sicht sei es generell unver­ständ­lich, die Sinnhaf­tig­keit dieser Unter­su­chung immer wieder in Frage zu stellen.

Was empfeh­len Verbrau­cher­schüt­zer?

Verbrau­cher­schüt­zer raten, konkret nach dem «indivi­du­el­len Nutzen» zu fragen, wenn einem der Augen­arzt die Unter­su­chung anbie­tet. Außer­dem sollte man mit Arzt und Kranken­kas­se klären, ob ein konkre­ter Glaukom-Verdacht oder bestimm­te Risiko­fak­to­ren wie Augen­schä­den durch Diabe­tes vorlie­gen. Womög­lich bezahlt die Kasse dann doch den Check.

Wichtig: Wer sich gegen eine angebo­te­ne Früherken­nung entschei­det, muss nach Angaben der Verbrau­cher­zen­tra­len diesen Verzicht gegen­über dem Arzt nicht schrift­lich bestä­tig­ten und müsse im Falle einer mögli­chen späte­ren Diagno­se auch keine Nachtei­le befürch­ten.

Wie wird ein Glaukom behan­delt?

Wird ein Glaukom diagnos­ti­ziert, lassen sich einge­tre­te­ne Schäden nicht mehr rückgän­gig machen, erläu­tert die DOG. Durch Augen­trop­fen, Laser­ein­grif­fe oder andere chirur­gi­sche Maßnah­men lasse sich ein Voran­schrei­ten der Krank­heit aber aufhal­ten oder verzö­gern.