Kurz vor der Tour de France ist das Favori­ten­feld durch etliche Stürze bei der Dauphi­né-Rundfahrt durch­ein­an­der­ge­wir­belt worden. Beson­ders schwer wird das deutsche Rad-Team Bora-hansgro­he getrof­fen. Einen Horror­sturz gibt es in der Lombar­dei.

Der 27-jähri­ge Buchmann zog sich auf einer Abfahrt beim 72. Crité­ri­um du Dauphi­né schwe­re Prellun­gen und Hautab­schür­fun­gen zu, der deutsche Meister Schach­mann prall­te bei der Lombar­dei-Rundfahrt mit einem Auto zusam­men und brach sich das Schlüs­sel­bein. Zudem verletz­te sich Buchmanns öster­rei­chi­scher Edelhel­fer Gregor Mühlber­ger an der Hand. Der erste Profi­sieg von Lennard Kämna geriet am Samstag in den franzö­si­schen Alpen in den Hinter­grund, genau­so am Sonntag der Gesamt­sieg des Kolum­bia­ners Daniel Marti­nez nach fünf Etappen.

«Wir sind natür­lich erschro­cken. Und es tut mir leid für das ganze Team, unsere Strate­gie — und für Lennard Kämna. Denn sein großer Sieg ist wegen der Unfäl­le unter­ge­gan­gen», sagte Teamma­na­ger Ralph Denk im «Münch­ner Merkur» und der «tz» (Montag-Ausga­ben). Zu Buchmann und Mühlber­ger ergänz­te Denk: «So wie es am Sonntag ausschau­te, ist die Tour de France für beide nicht in Gefahr.»

Laut Team-Mittei­lung erlitt Buchmann zwar keine Knochen­brü­che. Der Ravens­bur­ger leide aber «unter starken Schmer­zen» — und das ausge­rech­net in der entschei­den­den Phase der Tour-Vorbe­rei­tung. Auch andere Top-Fahrer wie Primoz Roglic und Steven Kruijs­wi­jk stürz­ten auf Abfahr­ten der Dauphi­né-Rundfahrt und mussten das Rennen verletzt aufge­ben. Vuelta-Sieger Roglic hatte sich in Top-Form präsen­tiert und das Rennen im Gelben Trikot angeführt.

«Kies und tiefe Löcher die ganze Strecke runter. Die Perso­nen, die sich für diesen Weg entschie­den haben, scheren sich keine Sekun­de um die Sicher­heit von uns Fahrern», schrieb der frühe­re Zeitfahr­welt­meis­ter Tony Martin bei Insta­gram. Der aufge­brach­te Teamkol­le­ge von Roglic und Kruijs­wi­jk wandte sich in seinem Post auch an den Weltver­band UCI: «Wie viel mehr schlim­me Unfäl­le müssen passie­ren, damit sich etwas ändert?»

Auch Sprint-Routi­nier André Greipel ärger­te sich: «Das ist von den Organi­sa­to­ren respekt­los gegen­über all den Fahrern. Die Gesund­heit zu riskie­ren, um am Ende der Abfahrt das Ergeb­nis zu haben, dass zwei Kandi­da­ten für das Gesamt­klas­se­ment raus sind», schrieb der 38-Jähri­ge bei Twitter.

Eigent­lich sollte die fünftä­gi­ge Tour-General­pro­be etwas Klarheit bringen, doch plötz­lich ist die Favori­ten­fra­ge für die Tour de France offener denn je. Ausge­rech­net Titel­ver­tei­di­ger Egan Bernal aus Kolum­bi­en, der vor der vierten Etappe am Samstag wegen leich­ter Rücken­pro­ble­me ausge­stie­gen war, könnte nach dem Aus von Roglic und Buchmann nun plötz­lich der große Gewin­ner sein.

Noch drama­ti­scher waren die Ereig­nis­se in Nordita­li­en. Wie durch ein Wunder kam das belgi­sche Radsport-Wunder­kind Remco Evene­poel nach einem Sturz von einer Brücke in eine Schlucht mit einem Bruch des Beckens sowie einer Quetschung der rechten Lunge davon. «Ich bin froh, dass er noch lebt», sagte Patrick Lefeve­re, Teamma­na­ger von Evene­poels Rennstall Quick­step, bei «Het Nieuws­b­lad». Für den 20-jähri­gen Evene­poel ist die Saison dennoch gelau­fen.

Schach­mann kann dagegen trotz seines kurio­sen Zusam­men­sto­ßes mit einer offen­bar fehlge­lei­te­ten Autofah­re­rin sogar noch auf einen Start beim Saison-Höhepunkt hoffen. «Die Tour ist für Max noch nicht abgehakt. Es besteht noch die Hoffnung, dass er fahren kann», sagte Jens Zemke, Sport­li­cher Leiter von Schach­manns Team Bora-hansgro­he, nach Rückspra­che mit den Teamärz­ten der Deutschen Presse-Agentur. Demnach müsse Schach­mann nicht operiert werden. Teamchef Denk urteil­te: «Die Tour ist für Maximi­li­an in großer Gefahr.»

Die UCI kündig­te Unter­su­chun­gen an. «Veran­stal­tun­gen der UCI World­Tour erfor­dern geschlos­se­ne Straßen an der gesam­ten Strecke», hieß es vom Weltver­band, der eine Beschwer­de gegen den Veran­stal­ter erwägt. «Mehr Pech kann man nicht haben. Wer rechnet schon damit, dass bei einem World­Tour-Rennen auf einmal ein Auto auf der Strecke auftaucht. Trotz allem ist Max sehr gefasst und zuver­sicht­lich», sagte Zemke. Schach­mann sollte bei der am 29. August in Nizza begin­nen­den Frank­reich-Rundfahrt eigent­lich ein wichti­ger Helfer für Teamka­pi­tän Emanu­el Buchmann sein.