ÜBERLINGEN (dpa) — Bis auf ein Nest ist der Umzugs­ver­such für die ausge­wil­der­ten Waldrap­pe in Überlin­gen am Boden­see zunächst geschei­tert. Sechs Küken seien am Mittwoch zurück­ge­holt worden, sagte eine Spreche­rin des Waldrapp­teams, das die Auswil­de­rung der Vögel leitet. Die Eltern­vö­gel versorg­ten den Nachwuchs nun wieder am angestamm­ten Platz. «Ein komplet­ter Rückschlag ist es nicht», sagte die Spreche­rin. Wenn das verblie­be­ne Paar seine Küken weiter in der Felsni­sche betreue, sei das ein gutes Signal. Eigent­lich seien Waldrap­pe aber Kolonieb­rü­ter, ein Nest allei­ne sei also ungewöhnlich.

Die Zugvö­gel mit den markan­ten, schopf­ar­ti­gen Federn am Kopf und sichel­för­mi­gen Schnä­beln niste­ten bislang an einer eigens für sie errich­te­ten Brutwand und sollten diese Woche in nahe gelege­ne Felsni­schen umgesie­delt werden. Einige der Eltern­tie­re hätten sich aber mehr auf die alte Brutstät­te konzen­triert und teils auch mit dort verblie­be­nen Nestern konkur­riert, sagte die Sprecherin.

Es könnte sein, dass sie sich nächs­tes Jahr von sich aus an die neuen Brutstät­ten erinner­ten, erklär­te die Fachfrau. Im Frühjahr werde entschie­den, ob es sonst einen weite­ren Auswil­de­rungs­ver­such gibt.

Waldrap­pe lebten bis ins 17. Jahrhun­dert unter anderem an Felsen in Überlin­gen. Dann wurden ihnen Vogel­jä­ger zum Verhäng­nis. Zuletzt waren die Tiere in freier Wildbahn praktisch ausge­stor­ben. Das Waldrapp­team hat sich die Wieder­an­sied­lung der Tiere zum Ziel gesetzt. Die Waldrap­pe in Überlin­gen gehören zu einer von vier Kolonien, die zum Auswil­de­rungs­pro­jekt im Alpen­raum gehören.