BIBERACH — Vor einigen Monaten wurde Biber­ach erneut als „Fairtra­de-Stadt“ ausge­zeich­net. Bereits seit 2012 ist die Stadt Biber­ach Teil der Kampa­gne „Fairtra­de Towns“ und schließt sich damit mit Hunder­ten weite­ren deutschen Städten zusam­men, um sich gemein­sam für fairen Handel über die gesam­te Liefer­ket­te hinweg einzu­set­zen. Um den fairen Handel zu stärken, hat die Stadt nun die Biber­acher Händler angeschrieben. 

Das weltwei­te Handels­sys­tem ist zurzeit darauf ausge­legt, dass die Vortei­le des globa­len Handels ungerecht verteilt werden. Während Indus­trie­län­der davon profi­tie­ren, werden viele Menschen – vor allem am Anfang der Liefer­ket­te – benach­tei­ligt. In den meisten Entwick­lungs- und Schwel­len­län­dern haben die Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer deutlich schlech­te­re Ausgangs­be­din­gun­gen und weniger Einfluss als beispiels­wei­se hier in Deutsch­land. Die für ein würde­vol­les Leben essen­zi­el­len Grund- und Arbeits-(Schutz)rechte werden oft nicht gewährt. Dieses Vorge­hen trägt zu prekä­ren Arbeits- und Lebens­ver­hält­nis­sen bei. 

Als „Fairtra­de Town“ möchte die Stadt Biber­ach nicht nur auf diese Proble­ma­tik hinwei­sen, sondern dieser auch aktiv entge­gen­wir­ken. Die Stadt­ver­wal­tung verwen­det bereits Produk­te aus dem fairen Handel und unter­stützt beispiels­wei­se aktuell lokale Sport­ver­ei­ne mit Sport­zu­be­hör aus dem fairen Handel. Das reicht aller­dings bei Weitem nicht aus. Daher hat die Stadt­ver­wal­tung um Mithil­fe gebeten, indem Produk­te aus dem fairen Handel stärker im Waren­an­ge­bot des Biber­acher Einzel­han­dels berück­sich­tigt werden. Das hat nicht nur den Vorteil, humanen und nachhal­ti­gen Konsum zu ermög­li­chen, sondern lässt sich auch gut vermark­ten. Mit fair gehan­del­ten Produk­ten können gezielt Kunden angewor­ben werden.

Nicht zuletzt durch Umfra­gen zum kürzlich beschlos­se­nen Liefer­ket­ten­ge­setz wird deutlich, dass immer mehr Menschen auf fair gehan­del­te Produk­te achten. Im Rahmen der Verbrau­cher­be­fra­gung 2018 gaben mehr als zwei Drittel der Befrag­ten an, fair gehan­del­te Produk­te zu kaufen. Dieser Anteil ist damit im Vergleich zu 2009 um die Hälfte gestiegen. 

In Biber­ach sind Fairtra­de-Produk­te noch relativ unter­re­prä­sen­tiert, obwohl diese in vielen Berei­chen, nicht nur bei Lebens­mit­teln, verfüg­bar sind. So werden Produk­te aus dem fairen Handel auch in den Katego­rien Schreib­wa­ren, IT-Zubehör oder Beklei­dung angebo­ten, leider häufig nur bei Händlern im Inter­net und damit nicht im Einzel­han­del vor Ort. 

Die Stadt­ver­wal­tung plant die Einfüh­rung eines offizi­el­len Einkaufs­füh­rers für den fairen Handel – sofern sich genug Geschäf­te betei­li­gen. Daher hat die Stadt um eine kurze Rückmel­dung gebeten, welche Produk­te aus dem fairen Handel im Sorti­ment angebo­ten werden oder, falls Händler noch in der Orien­tie­rungs­pha­se sind, um eine Rückmel­dung, um dabei unter­stüt­zen zu können. 

Weite­re Infor­ma­tio­nen gibt es auf der Inter­net­sei­te www.fairtrade-towns.de oder beim städti­schen Ehren­amts­be­auf­trag­ten Rouven Klook, Telefon 07351/51–818.